• vom 06.08.2016, 22:17 Uhr

Chronik

Update: 07.08.2016, 06:53 Uhr

Bürgerwehren

Keine super Helden?




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Von Petra Tempfer

  • Bürgerwehren, die sich über Facebook formierten, gehen zunehmend offline. Stattdessen kommen Sicherheitsbürger der Polizei.


© Fotolia/baluchis © Fotolia/baluchis

Wien. Im Film sind sie Helden. Begehrenswert und unerreicht. Ihren Pendants im wirklichen Leben laufen indes die Fans davon. Superhelden und Bürgerwehren haben offenbar nur ihre Intention gemein, die Stadt und deren Menschen beschützen zu wollen. Alles andere bleibt wohl filmische
Illusion.

Tatsache ist, dass die Zahl der selbst ernannten Bürgerwehren, die sich nach den Übergriffen auf Frauen zu Silvester in Köln vermehrt über Facebook formierten und in Kürze tausende Likes zählten, rapide schrumpft. Deren Facebook-Seiten wie jene der Bürgerwehren Zistersdorf und Mödling verschwinden. Tauchen neue auf, zum Beispiel jene der Bürgerwehr Währing, gibt es oft nur noch eine Handvoll Likes. Findet man heute doch noch ältere Seiten, sind die letzten Einträge meist Wochen oder Monate alt.


Rechtsradikale Szene
Zuletzt war in der Vorwoche die Bürgerwehr Wiener Neustadt neu auf Facebook, woraufhin Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) umgehend seinen Unbill äußerte, Kontakt mit dem Stadtpolizeikommando aufnahm - und die Facebook-Seite kurz darauf verschwand. Stattdessen florieren österreichweit Pilotprojekte zu Sicherheitsbürgern der Polizei.

Warum das Interesse an Bürgerwehren nachlässt, erklärt Robert Scherzer, der auf eigene Initiative in Maria Enzersdorf in Niederösterreich in der Dämmerung mit anderen Aktivisten durch die Straßen patrouilliert, unter anderem so: "Die Menschen sind nur vor dem Computer tapfer. Sobald sie sich persönlich einsetzen sollen, sind sie Angsthasen."

Der ehemalige FPÖ-Gemeinderat vermutet aber noch etwas anderes. Einerseits könnten Anhänger der rechtsradikalen Szene hinter einigen Bürgerwehr-Seiten gesteckt sein, die unter dem Druck der Öffentlichkeit aber keine Chance hatten. Andererseits könnten Rechtsradikale ursprünglich erhofft haben, hier eine Plattform zu finden - wurden aber enttäuscht. "Es gibt immer schwarze Schafe", so Scherzer.

Er selbst verlange zum Beispiel von seinen zukünftigen Mitgliedern ein Leumundszeugnis und distanziere sich deutlich von dem Gebrauch von Waffen. Der eine oder andere Bewerber, der bei der Initiative mitmachen wollte, habe sich nach dieser ersten Info nicht mehr gemeldet, sagt Scherzer. Er und seine aktuell zwölf Mitglieder im Alter von 35 bis 72 Jahren, die ein- bis zweimal pro Woche Streife gehen, hätten lediglich Funktelefone bei sich. "Wir beobachten und melden der Polizei, eingegriffen wird nicht", sagt Scherzer, der seine Initiative auch eigentlich gar nicht "Bürgerwehr" nennen will. Auf einer Bürgerwehr-Wien-Seite ist aber zum Beispiel auch zu lesen: "Bürgerwehr = Schutz von Bürgern wahrnehmen und, wenn möglich, verhindern von Straftaten, aber einfach auch nur präsent sein."

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Dokument erstellt am 2016-08-05 12:47:08
Letzte nderung am 2016-08-07 06:53:13



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