• vom 04.05.2017, 17:37 Uhr

Chronik

Update: 04.05.2017, 19:27 Uhr

Pflege

Möglichst lange selbständig daheim leben




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  • Neues Programm von Sozialminister Stöger soll pflegende Angehörige entlasten.



Wien. (ede/aum) Menschen, die rund um die Uhr Angehörige pflegen, leisten der Gesellschaft einen wertvollen Dienst - und verausgaben sich dabei oft körperlich und psychisch völlig. In Zukunft könnten ehemalige Langzeitarbeitslose sie stundenweise entlasten. Diese sollen nach den Plänen von Sozialminister Alois Stöger eine fünfwöchige Grundausbildung beim Arbeitsmarktservice (AMS), an die nach spätestens acht Monaten die Qualifikation als Heimhilfe anschließt, absolvieren können und dann hilfebedürftigen Personen mehrere Stunden im Alltag zur Seite stehen, zum Beispiel mit ihnen zum Arzt oder Einkaufen gehen oder Ausflüge machen. Bei Bedarf helfen sie ihren Schützlingen beim Essen und bei der Körperpflege.

Keine Konkurrenz zu Heimhilfediensten
"Selbständig Leben Daheim" heißt das Programm. Es solle keine Konkurrenz zur Heimhilfe sein, sondern die Lücke zwischen den bereits bestehenden mobilen Diensten und der 24-Stunden-Betreuung schließen, betonte Stöger am Donnerstag anlässlich des 7. Jahreskongresses der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger.


Die neuen Alltagsbetreuerinnen und -betreuer werden aus der "Aktion 20.000" rekrutiert, bei der Langzeitarbeitslose aus der Altersgruppe 50plus einen neuen Arbeitsplatz in den Gemeinden bekommen sollen. Das Programm soll in enger Abstimmung mit den Ländern implementiert werden, sagte Stöger.

Um eine Konkurrenzsituation mit bestehenden Heimhilfediensten zu vermeiden, wird das Angebot nur in Blöcken ab mindestens vier Stunden bis zehn Stunden am Stück angeboten. Die Kosten betragen sechs bis zehn Euro pro Stunde. Die Betreuer werden nach dem Kollektivvertrag für Heimhilfen bezahlt. Die Lohn- sowie Lohnnebenkosten der aus der Aktion 20.000 neu aufgenommenen Mitarbeiter übernimmt das AMS. Als Vertragspartner kommen alle Träger infrage, die vom jeweiligen Land anerkannt sind und bereit sind, die Betreuer im Ausmaß von mindestens 30 Wochenstunden zu beschäftigen.

Die Aktion sei zwischen den Koalitionsparteien "prinzipiell beschlossen" und soll demnächst das Parlament passieren, ist Stöger optimistisch. Lob für sein Konzept kommt von der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger. In einigen Fällen werde es auch eine Alternative zur 24-Stunden-Betreuung sein, sagte Werner Kerschbaum, Finanzreferent der IG-Pflege und Generalsekretär des österreichischen Roten Kreuzes.

Missstände in Pflege-
und Altenheimen

Unterdessen sorgte am Donnerstag ein Bericht der Volksanwaltschaft über teils gravierende Mängel in heimischen Pflege- und Altenheimen für Aufregung. In einem Heim in Tirol etwa sollen Menschen wegen Streitigkeiten über Zuständigkeiten zwischen Pflegekräften in Harn und Kot gelegen sein.

In einem Wiener Heim sollen unruhigen Menschen Medikamente verabreicht worden sein. Eine Sprecherin des Fonds Soziales Wien sagte dazu, in einer gerontopsychiatrischen Anstalt wie dieser, sprich: einem Altersheim für psychisch Kranke, sei die Gabe von Psychopharmaka gang und gäbe: "Da muss man nicht gleich etwas Schlimmes vermuten. Wir werden uns das aber natürlich genau ansehen."

Entgegen den Behauptungen der Arbeitnehmerververtreter sei der Personalschlüssel in den Wiener Einrichtungen sehr hoch, und es wäre sehr schade, wenn es nun zu Angst und Panik vor Pflegeheimen kommen würde.




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Dokument erstellt am 2017-05-04 17:42:07
Letzte nderung am 2017-05-04 19:27:25



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