• vom 12.06.2017, 17:43 Uhr

Chronik


Eingeschleppte Tiere und Pflanzen

Invasive Arten befallen vor allem Inseln und Küstenregionen




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  • Hohe Bevölkerungsdichte und wirtschaftlicher Fortschritt begünstigen das Einschleppen von Arten.

Wien. (temp/apa) In vielen Regionen der Erde verdrängen vom Menschen eingeschleppte Pflanzen und Tiere einheimische Arten. Eine hohe Bevölkerungsdichte und der wirtschaftliche Fortschritt treiben diese Entwicklung voran, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung. Vor allem Inseln und Küstenregionen seien durch eine Vielzahl invasiver Arten gefährdet. Die Studie erschien im Fachjournal "Nature Ecology and Evolution".

Ein Team um Wayne Dawson von der Universität Durham (Großbritannien) erstellte eine weltweite Datenbank und Landkarten mit den Vorkommen von verschiedensten Tier- und Pflanzengruppen (Säuger, Vögel, Amphibien, Reptilien, Fische, Spinnen, Ameisen und Gefäßpflanzen) außerhalb ihres natürlichen Heimatgebiets. Damit konnten sie die Verbreitung dieser eingeschleppten Arten (Neobiota) auf 186 Inseln und 423 Festland-Regionen analysieren.


Die meisten Neobiota fanden sie auf Inseln und in Küstenregionen. Hawaii nimmt den unrühmlichen ersten Platz ein, gefolgt von der Nord-Insel Neuseelands. Keine große Überraschung ist wohl, dass in der Antarktis die wenigsten invasive Arten anzutreffen sind.

Pflanzen und Tiere
in Gütern mitverschleppt

Eine hohe wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungsdichte führen in der Regel zu einer höheren Zahl von eingeschleppten Arten, erklärte Franz Essl vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien im Gespräch mit der APA. "Diese beiden Faktoren führen zu einem starken Austausch von Gütern und Personen durch Handel und Tourismus", sagte er. Dadurch würden viele Pflanzen und Tiere etwa absichtlich eingeführt oder in Gütern mitverschleppt.

Bei stark entwickelten, dicht bevölkerten Regionen sei auch die Landschaft alles andere als naturnah. Dort gibt es zumeist große Städte mit viel Bodenversiegelung und eine intensive Landwirtschaft. "In diesen gestörten Lebensräumen fühlen sich Neobiota tendenziell wohl, denn sie sind eine Auswahl vom globalen Arten-Fundus, die gut an solche Umstände angepasst sind", so der Ökologe. Bei den meisten heimischen Arten sei das hingegen nicht der Fall.

Rund 31 Prozent aller Gefäßpflanzen in Österreich stellen bereits eingeschleppte Arten dar. Bei den Tieren sind es lediglich 1,4 Prozent. So breitete sich etwa der wärmeliebende Asiatische Marienkäfer hier vor einigen Jahren aus, als er aus Glashäusern entkam, wo er zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt wurde. Fressen doch die Larven der orangen Sechsbeiner bevorzugt Blattläuse - wie auch ihr heimisches Pendant. Die invasive Art ist nur viel größer, und dessen Larven fressen jene unseres Marienkäfers einfach auf.

Bisamratte wegen ihres
Pelzes vor 100 Jahren importiert

Die Bisamratte ist ebenfalls nicht heimisch: Sie wurde wegen ihres Pelzes vor etwa 100 Jahren aus Nordamerika importiert. Als blinder Passagier wurde wiederum die Wanderratte ab dem 16. Jahrhundert aus Asien in alle Kontinente verschleppt. Der intelligente Nager kann Überträger zahlreicher Krankheitserreger wie jener von Typhus sein.

Auch die Tropenkrankheit Malaria, deren Erreger über Stechmücken übertragen werden, könnte sich aufgrund des Klimawandels in Europa ausbreiten. Eine Vorstellung, die Schreckensszenarien der Vergangenheit in Erinnerung ruft: als etwa im 14. Jahrhundert die Beulenpest aus Ostasien nach Europa eingeschleppt wurde und Millionen Menschen starben.

Damit nicht neue Krankheitserreger und -überträger Einzug halten, sei eine dauernde Überwachung der Situation wichtig, heißt es dazu von der Medizinischen Universität Wien. Durch die gute medizinische Versorgung könne man die Ausbildung neuer Herde jedoch zumeist verhindern.




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Dokument erstellt am 2017-06-12 17:47:03



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