• vom 16.06.2017, 15:43 Uhr

Chronik

Update: 19.06.2017, 11:21 Uhr

Australien

Von Österreich an den Rand der Welt gedrückt




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Von Thomas Pressberger

  • Wenn "Australia" für "Austria" gehalten wird, gilt das in Down-Under als "Angelegenheit höchster Peinlichkeit".

Neben dem alpinen Land mit seiner großen Kultur und Vergangenheit fühlen sich Australier ganz klein. - © Fotolia/shaiith

Neben dem alpinen Land mit seiner großen Kultur und Vergangenheit fühlen sich Australier ganz klein. © Fotolia/shaiith

Wien. Die Verwechslung von "Austria" und "Australia" kratzt nicht nur am Selbstbewusstsein der Österreicher, auch Australier leiden darunter. Sie fühlen sich trotz gegenseitiger Wertschätzung nicht für voll genommen - und das, obwohl das Land 90 Mal so groß wie Österreich ist. Zu beeindruckend ist für viele "die große Kulturnation Österreich mit ihrer historischen Bedeutung", wie es zeitgenössische australische Kommentatoren formulieren.

"Die Verwechslung ist eine Angelegenheit von höchster Peinlichkeit für die meisten Australier", schreibt die australische Tageszeitung "The Advertiser". "Es ist wie ein Pfeil, der mitten durch das Herz unseres kulturellen Selbstverständnisses geht", so das Blatt aus Adelaide. Viele Australier würde es in ihrer Sicht bestärken, das Land liege am Rande der Welt oder sei zumindest wenig bemerkenswert. Wie der Kontinent, der von tropischem und subtropischen Klima geprägt ist, mit dem alpinen Ministaat ohne Meerzugang verwechselt werden kann, ist für viele ein Rätsel.

Das Leiden der Australier fand jüngst bei der Veröffentlichung der Airbus-Bilanz 2016 seine Fortsetzung. Die Behörden in Australien hätten in einer Anzeige Betrugs- und Bestechungsvorwürfe gegen den Konzern erhoben. In Wahrheit aber geht das Bestreben von der Republik Österreich aus, nach dem sich die Regierung beim Eurofighter-Kauf übervorteilt fühlte. In der Airbus-Bilanz steht tatsächlich "Australia" und nicht "Austria", laut Unternehmen handle sich um einen Tippfehler. Ob dieser korrigiert wird, blieb vorerst offen.

Viele Beispiele

Beispiele von Verwechslungen gibt es laut "Advertiser" viele, meist gehen diese zuungunsten der Australier aus. Besonders schmerzlich war vergangenes Jahr ein Video mit Arnold Schwarzenegger, in dem er für eine australische Immobilien-Onlineplattform warb. Während er auf deren Homepage surft und ein neues Heim sucht, sagt er begeistert: "Es ist Zeit für mich, zurück nach Österreich zu gehen. Da gibt es so viele großartige Plätze." Als ihn im Spot sein Assistent darauf hinweist, dass es sich um Immobilien-Angebote in Australien handle, lacht Schwarzenegger und sagt: "Du hast so eine lustige Aussprache." Dass der Spot mit Volksmusik und Jodeln beginnt, trug ebenfalls nicht zur Belustigung der Australier bei.

Der "Advertiser" zählt weitere "blamable" Momente auf, in denen das "sonnenverbrannte Land mit der radikal kleineren Nation auf der anderen Seite des Globusses" verwechselt wird. Anlass für den Artikel war eine Meldung der Regierung des westafrikanischen Staates Burkina Faso, wonach ein österreichisches Paar von militanten Islamisten entführt worden sei - um sich wenige Stunden später zu korrigieren, dass es sich um Australier handelte.

Ein negativer Höhepunkt war der Vorfall beim G20-Gipfel in Seoul 2010, als südkoreanische Funktionäre eine Puppe, die die damalige australische Premierministerin Julia Gillard darstellte, in einem Dirndl-Kleid präsentierten. Und das, obwohl Österreich nicht einmal G20-Mitglied ist.

Auch Ex-US-Präsident George W. Bush eckte bei den Australiern an. Bei einem Geschäftsforum in Sydney 2007 dankte er dem damaligen australischen Premierminister John Howard, die österreichischen Truppen im Irak besucht zu haben. Bush befindet sich damit in guter Gesellschaft. Dem ehemaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon passierte der Fauxpas anders herum, als er 2014 bei einer UNO-Konferenz in Wien der australischen Regierung für die Organisation der Veranstaltung dankte.

Die Verwechslung der beiden Länder reicht weit in die Geschichte zurück. Edwin Flack gilt als Australiens erster olympischer Medaillen-Gewinner. Der Mittelstreckenläufer gewann 1896 bei den Olympischen Spielen in Athen das 800- und 1500-Meter-Finale. Die Funktionäre hissten bei der Verleihung der Medaillen schon damals die österreichische Fahne. Derartige Unannehmlichkeiten waren für die Australier im Sport keine Seltenheit.

Als der australische Formel-1-Pilot Alan Jones seinen ersten Grand Prix 1977 ausgerechnet in Österreich gewann, brachte das die Organisatoren aus dem Konzept. "Sie haben es offensichtlich nicht erwartet, denn sie hatten keine australische Fahne" sagte Jones in einem Interview aus dieser Zeit. So habe ein Betrunkener "Happy Birthday" auf einer Trompete gespielt - von denen habe es in Österreich damals genug gegeben.

"God Save New Zealand"

Noch bei den Alpinen Skiweltmeisterschaften 1999 in Vail und Beaver Creek hatten die Organisatoren die australische Hymne nicht parat. Es gibt unterschiedliche Berichte, welche Hymne letztlich gespielt wurde. Manche Beobachter sagten, die österreichische, andere die amerikanische, manche sprachen sogar von der armenischen oder aserbaidschanischen. Nur eines ist sicher: Es war nicht die australische.

Dass den Australiern noch weniger als den Österreichern erspart bleibt, zeigte ein Eishockey-Match des australischen Nationalteams bei der Weltmeisterschaft 2013 in den Niederlanden gegen Belgien. Da wurde gleich "God Save New Zealand" gespielt.

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Australien, Austria

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Dokument erstellt am 2017-06-16 15:47:06
Letzte nderung am 2017-06-19 11:21:27



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