• vom 22.06.2017, 21:56 Uhr

Chronik

Update: 22.06.2017, 22:02 Uhr

Schlepper

Komplize belastet Hauptangeklagten im A4-Drama schwer




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    Die beiden Hauptangeklagten weigerten sich am Donnerstag auszusagen, ehe nicht ihre mitangeklagten Komplizen befragt worden sind. - © APAweb / Georg Hochmuth

    Die beiden Hauptangeklagten weigerten sich am Donnerstag auszusagen, ehe nicht ihre mitangeklagten Komplizen befragt worden sind. © APAweb / Georg Hochmuth

    Kecskemet/Parndorf. Der Prozess um das A4-Flüchtlingsdrama hätte am Donnerstag in Kecskemet mit den Einvernahmen der beiden Hauptangeklagten fortgesetzt werden sollen. Die beiden weigerten sich jedoch auszusagen, ehe nicht ihre mitangeklagten Komplizen befragt worden sind. So wurden die bisherigen Einvernahmen verlesen, in der der Zweitangeklagte den mutmaßlichen Bandenboss schwer belastete: "Er wurde zu gierig."

    Der mutmaßliche Stellvertreter des 30-jährigen Bandenbosses Lahoo S. aus Afghanistan, ein ebenfalls 30-jähriger Bulgare, berichtete in den im Zuge der Ermittlungen durchgeführten Einvernahmen, wie er mit S. zunächst Autogeschäfte getätigt hatte. Im Juni 2015 soll ihn der Afghane gefragt haben, ob er Schlepperfahrer aufstellen könnte. Täglich seien dann angeheuerte bulgarische Fahrer von der serbisch-ungarischen Grenze mit den Geschleppten gen Westen gefahren.

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    "Aus Angst weitergefahren"
    Bereits vor der Fahrt mit den 71 Flüchtlingen habe der Komplize darauf hingewiesen, dass der Laderaum des Lkw keine Luftlöcher habe, sagte dieser. Der mutmaßliche Boss soll seinen Stellvertreter angeherrscht haben, er solle ihm das Geschäft nicht kaputtmachen. Er wäre um eine Einnahme von 100.000 Euro gekommen, so der Komplize. Als in der Nacht auf den 26. August 2015 die 71 Flüchtlinge in einem luftdicht verschlossenen Kühllaster nach Westeuropa gebracht werden sollten, habe der Zweitangeklagte vorerst nur beim Einsteigen geholfen. Danach habe ihn der Fahrer des Begleitfahrzeugs angerufen und von Problemen berichtete. Der Bandenboss habe geraten, den Flüchtlingen Wasser zu geben. Aus Angst vor der Polizei seien Lenker und Begleiter aber weitergefahren. Alle 71 Flüchtlinge erstickten. Den Laster mit den toten Flüchtlingen entdeckte die Polizei in der Früh bei Parndorf.

    Der Lenker hatte am Tag des Prozessauftakts am Mittwoch allerdings Gegenteiliges ausgesagt. Er habe die Flüchtlinge schreien gehört und die Bosse informiert - diese hätten ihn angewiesen weiterzufahren. Mit diesen Abhörprotokollen konfrontiert, verweigerte der mutmaßliche Boss die Aussage.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-06-22 21:59:03
    Letzte nderung am 2017-06-22 22:02:17



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