• vom 24.07.2017, 17:30 Uhr

Chronik


Menschenhandel

Moderne Sklaverei




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  • In Österreich wurden zwölf weibliche Opfer von Menschenhandel befreit.

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Wien. (apa/temp) Eigentlich ist Sklaverei weltweit abgeschafft. Eigentlich. Denn politische Gefangenschaft, Rekrutierung von Kindersoldaten, Kinderarbeit oder Zwangsprostitution gibt es nach wie vor. Aktuell wurden in Österreich fünf Männer festgenommen, von denen man vermutet, dass sie moderne Sklaverei betrieben. Vier von diesen Festnahmen fanden in Tirol statt, eine in Wien. Gleichzeitig wurden zwölf Frauen befreit, die gegen ihren Willen in erster Linie im Rotlicht-Milieu arbeiteten. Auch hier wurden die meisten, konkret sieben Frauen, in Tirol gerettet, drei in Kärnten und zwei in Salzburg, sagt Vincenz Kriegs-Au, Sprecher des Bundeskriminalamts (BK), zur "Wiener Zeitung".

Bundesweit waren 123 Beamte im Einsatz, berichtete das BK am Montag. Vom 26. bis 30. Juni wurden in Österreich 172 Lokalitäten, hauptsächlich in der Rotlicht-Szene, 597 Prostituierte sowie 171 Personen aus dem "Milieu" kontrolliert. In anderen Ländern ging die Aktion bis 2. Juli weiter. Fazit: Europaweit wurden laut Europol 126.927 Personen, 6363 Fahrzeuge und 4245 Räumlichkeiten kontrolliert.

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Insgesamt wurden bei der von Europol koordinierten und von Österreich geleiteten europaweiten Schwerpunktaktion 107 Verdächtige gefasst. In 22 Ländern wurden 910 "potenzielle Opfer von Menschenhändlern" identifiziert.

"Ihr Lebensraum war eingeengt"
Die in Österreich befreiten Opfer stammten aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn und Nigeria, sagte Kriegs-Au. Laut Oberst Gerald Tatzgern ist die Jüngste der Frauen erst 18, die Älteste 40 Jahre alt. "Sie waren zwar nicht eingesperrt, aber extrem eingeschüchtert und den Ausbeutern hörig", so Tatzgern zur APA. "Ihr Lebensraum war sehr eingeengt, teilweise kannten sie nicht einmal den Supermarkt um die Ecke."

Neben den Festnahmen - bei den Verdächtigen handelt es sich um Bulgaren und Türken - wurden in Österreich weitere 74 Personen angezeigt, sieben davon wegen fremdenpolizeilicher Vergehen. Durchsucht wurden Kriegs-Au zufolge 82 Bordelle, vier Hotels, 26 Wohnungen respektive Prostituierten-Unterkünfte, vier Tabledance-Lokale und eine Escortagentur. Kontrollen gab es auch am Straßenstrich. Die Zahl der Opfer könnte sich noch erhöhen, zusätzliche Ermittlungen müssten klären, ob weitere Personen unfreiwillig ihrer Betätigung nachgingen, heißt es.

An der Schwerpunktaktion haben insgesamt 22 Mitgliedstaaten der "European Multidisciplinary Platform Against Criminal Threats" teilgenommen. In Österreich koordinierten Kriminalisten des "Joint Operational Office" des BK die nationalen Maßnahmen, die in den Bundesländern durch die neun Landeskriminalämter umgesetzt wurden. Zusätzlich unterstützten die Ermittlungen in Kärnten zwei Kolleginnen aus Rumänien, jene in Wien zwei ungarische Beamte. In Tirol und Vorarlberg nahmen auch Mitarbeiter des Finanzministeriums an den Kontrollen teil.

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Dokument erstellt am 2017-07-24 17:36:05



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