• vom 11.10.2017, 17:40 Uhr

Chronik

Update: 11.10.2017, 18:06 Uhr

Julia Kührer

Der Fall Kührer könnte wieder aufgenommen werden




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Von Petra Tempfer

  • Das Landesgericht Korneuburg prüft einen Antrag auf Wiederaufnahme. Eine neue Zeugin soll geladen werden. Die Verhandlung wurde vertagt.

Korneuburg/Pulkau. Mit steinerner Miene und ohne jede Regung hatte Michael K. am 24. September 2013 das Urteil am Landesgericht Korneuburg entgegengenommen: lebenslange Haft für den Mord an Julia Kührer, zudem habe K. die Droge Crystal Meth weitergegeben. Gestern, Mittwoch, verhandelte ein Drei-Richter-Senat unter Ausschluss der Öffentlichkeit um die Wiederaufnahme des Verfahrens, mehrere Zeugen wurden einvernommen. Zu einer Entscheidungsgrundlage kam es aber nicht: Die Verhandlung wurde zur Ladung einer neuen Zeugin vertagt.

Doch alles der Reihe nach. Am 27. Juni 2006 verschwand die damals 16-jährige Schülerin Julia Kührer aus ihrem Heimatort Pulkau im Weinviertel. Fünf Jahre danach wurde ihre skelettierte Leiche in einem Erdkeller auf dem Grundstück des Verurteilten im nahen Dietmannsdorf gefunden, der in Pulkau eine Videothek betrieb. Der Verdächtige wurde festgenommen.

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Anklage basierte auf Indizien
Laut dem Urteil 2013, gefällt von einem Geschworenengericht, hat K. Kührer in seiner Videothek nach einem Faustschlag erwürgt, nachdem diese K.s sexuelle Interessen nicht erwidert hatte. Danach soll der damals 44-Jährige das Mädchen zu seinem Grundstück in Dietmannsdorf gebracht, im Erdkeller abgelegt und dort einen Brand gelegt haben. K. soll mehrere Jugendliche der Gegend -darunter Kührer - mit Crystal Meth versorgt haben.

Das Kuriose an dem Fall: Todesursache, Tatzeitpunkt und Tatort sind bis heute ungeklärt. Es gab zwar Verletzungen im Kieferbereich, diese wiesen aber laut Gutachten lediglich auf eine Gewalteinwirkung hin. Die gesamte Anklage hatte sich auf Indizien und Gutachten gestützt, darunter eine DNA-Spur des Mannes auf Resten einer blauen Decke, in die die Leiche des Mädchens eingewickelt war.

Laut K.s Verteidiger Farid Rifaat sei einzig und allein gesichert, dass Kührer an jenem Nachmittag den Bus um 13.30 Uhr verlassen hatte und dabei am Hauptplatz von Pulkau zuletzt gesehen worden war -und, dass ihre Leiche fünf Jahre später entdeckt wurde, sagte er während des Prozesses. Die DNA-Spur auf der Decke könnte auch durch einen Hund seines Mandanten übertragen worden sein. Und ein - vom Staatsanwalt angenommener - Faustschlag wäre noch kein vorsätzlicher Mord. Im Zweifel sei der Angeklagte freizusprechen.

Zeugen aus Drogenmilieu
Nach dem Urteil brachte er Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung ein. Erstere wies der Oberste Gerichtshof zurück. Zweiterer gab jedoch das Oberlandesgericht Wien Folge und setzte die Strafe auf 20 Jahre herab. Im Mai dieses Jahres langte beim Landesgericht Korneuburg ein Antrag von K.s jetzigem Anwalt Wolfgang Blaschitz auf Wiederaufnahme des Verfahrens ein, das am Mittwoch verhandelt wurde.

Unmittelbar danach sprach Blaschitz von einer Wende. Es sei eine Zeugin ins Spiel gebracht worden, die damals in der angeblich Drogen konsumierenden Clique um Kührers Ex-Freund dabei gewesen sein soll. Sie soll gehört haben, dass dieser nach Kührers Verschwinden gesagt habe, so etwas wie mit Julia dürfe nicht noch einmal passieren. Befragt wurden auch zwei aus der Haft vorgeführte Zeugen, die in Sachen Drogen Ähnliches gehört hätten, so Blaschitz. K. war ebenfalls bei der Verhandlung dabei.

Dass der Richter-Senat eine weitere Befragung plane, wertete Blaschitz positiv im Sinne einer Verfahrenswiederaufnahme. Blaschitzs These: Kührer ist bei einer Drogenparty gestorben. Ihre Leiche wurde im Erdkeller abgelegt.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-10-11 17:45:03
Letzte nderung am 2017-10-11 18:06:07



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