• vom 23.10.2017, 17:54 Uhr

Chronik

Update: 23.10.2017, 18:09 Uhr

Dorfleben

Des Dorfes Kern




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Von Petra Tempfer

  • Neun von zehn Dorfbewohnern sind mit der Lebensqualität auf dem Land zufrieden - die Landflucht schreitet dennoch voran.

"Der ländliche Raum stirbt zwar nicht aus, aber er wird älter", sagt dazu Filzmaier. In einzelnen Bezirken werde sich die Zahl der über 60-Jährigen bis 2050 verdoppeln - © APAweb / dpa

"Der ländliche Raum stirbt zwar nicht aus, aber er wird älter", sagt dazu Filzmaier. In einzelnen Bezirken werde sich die Zahl der über 60-Jährigen bis 2050 verdoppeln © APAweb / dpa



Wien. Die Ruhe. Die Natur. Die Gemeinschaft. Das sind die Dinge, die Dorfbewohner an ihrem Leben auf dem Land am meisten schätzen. Neun von zehn Dorfbewohnern sind daher mit ihrer Lebensqualität zufrieden, geht aus dem am Montag präsentierten Adeg Dorfleben-Report hervor. Dass die Infrastruktur schlecht ist und das Jobangebot rar, ist allerdings die Kehrseite der Medaille. Für den Report wurden 1050 Personen befragt, die ihren Hauptwohnsitz in einer Gemeinde mit höchstens 5000 Einwohnern haben. Laut Politikwissenschafter Peter Filzmaier, der die Ergebnisse interpretierte, ist die Studie repräsentativ.

Noch immer leben fast 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung in Gemeinden mit höchstens 5000 Einwohnern (insgesamt gibt es österreichweit 2100 Gemeinden). "Der ländliche Raum stirbt zwar nicht aus, aber er wird älter", sagt dazu Filzmaier. In einzelnen Bezirken werde sich die Zahl der über 60-Jährigen bis 2050 verdoppeln. Allein in den vergangenen 15 Jahren sei der Anteil der 15- bis 44-Jährigen in Österreichs Dörfern überproportional zurückgegangen. Am häufigsten ziehe es junge Menschen und Frauen in die Städte.


Tweng und Eisenerz kämpfen mit Bevölkerungsrückgang
Einen massiven Bevölkerungsrückgang gab es zum Beispiel in der Gemeinde Tweng in Salzburg. Hier leben heute um 30 Prozent weniger Menschen als 2002, so die Zahlen der Statistik Austria. In Namlos in Tirol liegt der Rückgang bei 31 Prozent und in Eisenerz in der Steiermark bei 33 Prozent. Andere Gemeinden wie Mitterndorf a. d. Fischa (plus 71 Prozent) in Niederösterreich oder Rohrberg (plus 51 Prozent) in Tirol bilanzieren zwar positiv - der Statistik Austria zufolge wird das prognostizierte Bevölkerungswachstum von rund 20 Prozent bis 2030 aber fast ausschließlich die großen Städte und deren Umland betreffen. In den peripheren Regionen hingegen ist mit Bevölkerungsrückgängen zwischen fünf und zehn Prozent zu rechnen.

Um die jungen Menschen auf dem Land zu halten, müssten daher Dorfkerne und Begegnungszonen erhalten und gefördert werden, sagt Filzmaier. Zudem müsse man gezielt ansiedeln und die Absiedlung der Betriebe bekämpfen: Die Zahl der selbständigen Unternehmer, die zum Beispiel ein Adeg-Geschäft auf dem Land führen, ist laut der Adeg-Vorstandsvorsitzenden Alexandra Draxler-Zima von 2010 bis heute um etwa 35 Prozent auf 400 zurückgegangen. Und das unter dem Aspekt, dass Nahversorger laut dem Adeg Dorfleben-Report eine wesentliche Rolle für belebte Ortskerne spielen, indem sie zum Beispiel auch Zusatzfunktionen wie Bargeld- und Postservice übernehmen. Für 75 Prozent der Befragten ist der Nahversorger ein wichtiger Treffpunkt in der Gemeinde. 76 Prozent sind sogar bereit, für lokale Lebensmittel mehr zu bezahlen.

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Dokument erstellt am 2017-10-23 17:59:11
Letzte nderung am 2017-10-23 18:09:54



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