• vom 09.11.2010, 18:57 Uhr

Politik

Update: 09.11.2010, 18:59 Uhr

Forscher machen gegen Kürzung mobil




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  • Streichung der Basisfinanzierung "wirtschaftspolitisch dumm".
  • Karl bleibt bei Einsparungsplänen.
  • Wien. (kats) Die außeruniversitären Forschungseinrichtungen wollen sich die von der Regierung geplanten Budgetkürzungen nicht gefallen lassen.

Viele Fragen zur Zukunft der außeruniversitären Forschung sind derzeit noch ungeklärt. Foto: RTimages/fotolia

Viele Fragen zur Zukunft der außeruniversitären Forschung sind derzeit noch ungeklärt. Foto: RTimages/fotolia Viele Fragen zur Zukunft der außeruniversitären Forschung sind derzeit noch ungeklärt. Foto: RTimages/fotolia

Wie berichtet, sollen die Ausgaben für rund 70 Einrichtungen 2011 um vier Millionen Euro gekürzt und ab 2012 gestrichen werden. Insgesamt liegen die Einsparungen bei 28 Millionen Euro. Mit der Plattform "Wissen - Schafft - Österreich" wehren sich diese Einrichtungen nun gegen die "Eliminierung" ihrer finanziellen Grundlage, wie Peter A. Bruck, Gesamtleiter der Research Studios Austria, in einer Pressekonferenz am Dienstag sagte. Mit der Streichung der Grundfinanzierung - also jener Gelder, die für den laufenden Betrieb (Overheadkosten) und Antragsstellungen gebraucht werden - werde innerhalb weniger Wochen vernichtet, was über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut wurde.

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Die Institute wiesen auf die Hebelwirkung der Basisfinanzierung hin. So erklärte etwa Robert Trappl, Leiter des Forschungsinstituts für Artificial Intelligence, sein Institut habe mit einer Basisfinanzierung von 55.000 Euro stolze 8,2 Millionen Euro an EU-Fördergeldern lukrieren können - die Basisfinanzierung zu streichen sei daher eine "wirtschaftspolitisch dumme Entscheidung".

Von "Brain Drain", "Selbstprovinzialisierung" und einem "Kahlschlag, der an die 1930er erinnert", sprach auch Lutz Musner, stellvertretender Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften (IFK). Das IFK ist von den Kürzungen besonders betroffen, da es sich ausschließlich über 950.000 Euro an Basismitteln finanziert.

Auch die universitäre Lehre ist gefährdet

Auch für das Österreichische Institut für Internationale Politik wird es eng - dort kommen 40 Prozent des Budgets aus der Basisförderung. Forscher Heinz Gärtner wies auf die Folgen für die Unis hin - immerhin decke das Institut einen Großteil der Lehre ab, allein er betreue 50 Dissertationen und Masterarbeiten.

Die Vertreter der Forschungseinrichtungen haben vor allem Angst davor, ihren internationalen Ruf zu verlieren: Wenn man nun mitten in laufenden Projekten aussteigen müsse, dann sei das Vertrauen weg, sagte Bruck. Auf Spekulationen, welche konkreten Folgen - etwa Stellenabbau oder gar Schließungen - die Budgetkürzungen haben könnten, wollte sich Bruck nicht einlassen. So gehe es bei der Initiative, die im Internet bereits mehr als 7600 Unterstützer gefunden hat, auch nicht um individuelle Lösungen, sondern darum, "die grundsätzliche falsche Einschätzung der Politik von Wissenschaft" zu korrigieren.

Um Grundsätzliches geht es auch Wissenschaftsministerin Beatrix Karl - wenn auch nicht im Sinne der Initiative. Die Kürzungen seien "keine reine Budgetmaßnahme", wiederholte sie. Viel eher gehe es um eine "Strukturbereinigung". Karl versprach, gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungen zu suchen - neben Neustrukturierungen kann sie sich auch die Anbindung an Universitäten vorstellen.

Website der Initiative

Die betroffenen Institute

Im Anschluss eine Liste jener Einrichtungen und Vereine, die derzeit eine Basissubvention des Wissenschaftsministeriums erhalten. Im kommenden Jahr wird diese halbiert, 2012 läuft sie aus. Die ebenfalls die Streichung der Subvention beklagende Research Studios Austria Forschungsgesellschaft findet sich nach Angaben des Wissenschaftsministeriums in einem anderen Budgetansatz.

- AIES (Austria Institut für Europa und Sicherheitspolitik)

- Anton Bruckner Institut Linz

- Archiv für die Geschichte der Soziologie in Österreich

- Bodensee-Akademie

- Bruno-Kreisky-Forum für Internationalen Dialog

- Büro für angewandte Sozialforschung und Entwicklung - BASE

- Demokratiezentrum Wien

- Dr. Wilfried Haslauer-Bibliothek

- ECSA Austria - Österreichische Gesellschaft für Europaforschung

- Edition österreichischer Musiker (Gluck, Haydn, Mozart)

- Europäische Akademie für Lebensforschung

- Europäisches Zentrum für soziale Wohlfahrt

- Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt - FORBA

- Forschungs- und Dokumentationsstelle für österreichische

Philosophie

- Forschungsgesellschaft für Mukopolysaccharidosen

- Forschungsinstitut WWF Österreich

- Forschungszentrum computerunterstützte Materialwissenschaften (CMS)

- Forschungszentrum Leopold Kohr Akademie

- Forum Österreichischer Wissenschaftler für den Umweltschutz

(Umweltforum)

- GLORIA-Netzwerk Klimafolgen

- Institut der Regionen Europas - IRE

- Institut für den Donauraum und Mitteleuropa

- Institut für die Wissenschaft vom Menschen - IWM

- Institut für Höhere Studien und Wissenschaftliche Forschung - IHS

- Institut für Konfliktforschung

- Institut für Liberale Politik

- Institut für Wissenschaft und Kunst - IWK

- Institut Wiener Kreis

- Interdisziplinäres Forschungszentrum Sozialwissenschaften -IFS/ICCR

- Internationales Erwin Schrödinger Institut für Mathematische

Physik - ESI (inklusive ESI Stipendien und Senior Research

Fellowships)

- Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften - IFK

- Kommission für die Neuere Geschichte in Österreich

- Konrad Lorenz Forschungsinstitut in Grünau/Almtal

- Konrad Lorenz Institut für Evolutions- und Kognitionsforschung

- Kontaktstelle für Weltreligionen

- Kurt-Gödel-Gesellschaft

- Lateinamerikainstitut

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-11-09 18:57:41
Letzte Änderung am 2010-11-09 18:59:00


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