• vom 10.06.2010, 18:50 Uhr

Politik

Update: 10.06.2010, 18:51 Uhr

Schwierige Suche nach Gründen für Bildungsunterschiede




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  • Sozioökonomie laut neuer Studie entscheidender als Migration.
  • Burschen in Mathe besser als Mädchen.
  • Wien. (zaw) Volksschüler mit Migrationshintergrund hinken ihren einheimischen Klassenkollegen leistungsmäßig deutlich hinterher. Allerdings heißt das nicht, dass dadurch die Leistung von Klassen mit hohem Migrantenanteil insgesamt gehemmt wird. Das geht aus der internationalen Vergleichsstudie Timss (Trends in International Mathematics an Science Study) des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) hervor. Dabei wurden in Österreich 4859 Schüler der vierten Klasse Volksschule befragt.

In Mathematik schnitten die Zuwandererkinder um 42 Punkte schlechter ab als ihre einheimischen Mitschüler, in Naturwissenschaften (jene Bereiche des Sachkundeunterrichts, die sich mit Fragen der Biologie, Physik und Erdkunde befassen) sogar um 70 Punkte - beides international absolute Spitzenwerte, wobei "direkte Ländervergleiche aufgrund der unterschiedlichen Migrantengruppen in den einzelnen Staaten aber nicht ganz fair sind", betonte Bildungsforscherin Christina Wallner-Paschon vom Bifie (so stammen die Migrantenkinder etwa in Kuwait häufig aus Familien mit hohem sozialem Standing).

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Timss kann ungleiche Chancen nicht erklären

Laut der Bifie-Expertin spielt der Migrationshintergrund allerdings eher eine untergeordnete Rolle, entscheidender sei der sozioökonomische Hintergrund. Allerdings gehen beide Merkmale "oft miteinander einher", wie Wallner-Paschon einräumt. Doch auch der soziale Status einer Familie erklärt Leistungsunterschiede nur zum Teil. Aber woher kommen sie dann? Beim Bifie gibt man unumwunden zu, dass mit den bei Timss erhobenen Daten die Chancenungleichheiten von einheimischen und Migrantenkindern nicht erklärt werden können, wie Wallner-Paschon gegenüber der "Wiener Zeitung" erklärt.

Die Voraussetzungen für bessere Ergebnisse wären bei Kindern mit Migrationshintergrund eigentlich gar nicht schlecht, gehen sie doch lieber zur Schule als ihre einheimischen Kollegen.

Die Timss-Studie brachte noch eine Reihe weiterer interessanter Aspekte zu Tage: So schneiden Buben in Mathe und Naturwissenschaften signifikant besser ab als Mädchen. Einen Grund dafür sehen Experten in der geringeren Motivation bei den Mädchen. Dieser Unterschied ist bei Kindern aus bildungsfernen Familien noch größer - ein Phänomen, das im EU-Schnitt nicht zu finden ist. Keine Rolle spielen dabei übrigens Alter und Geschlecht der Lehrkraft.

Größe des Wohnorts entscheidet über AHS

Ob man in Timss gut oder schlecht abgeschnitten hat, sagt übrigens wenig über die weitere schulische Zukunft aus. In manchen Schulen mit guten Ergebnissen wechselte kein einziges Kind an eine AHS. Gleichzeitig gibt es Schulen mit AHS-Übertrittsquoten von 60 Prozent - bei schwächeren Mathe-Ergebnissen. Viel wichtiger ist hier der Standort der Volksschule.

Je größer eine Gemeinde, desto wahrscheinlicher der Übertritt in eine AHS. Dabei sind die Unterschiede so deutlich, dass dies nicht nur mit der weiteren Distanz zur nächsten AHS im ländlichen Raum erklärt werden kann.



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Dokument erstellt am 2010-06-10 18:50:40
Letzte Änderung am 2010-06-10 18:51:00



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