• vom 10.07.2012, 08:02 Uhr

Politik

Update: 10.07.2012, 12:47 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gesetzesänderung gegen Zahlung?

U-Ausschuss befragt zu Glücksspiel



  • Grasser und Hochegger wieder zu Gast.
  • Hochegger: Meischberger war bei Glücksspiel Mastermind.

Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist wieder einmal Gast im Korruptions-Untersuchungsausschuss - dieses Mal wird er zum Thema Glücksspiel befragt. - APAweb / Helmut Fohringer

Der ehemalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser ist wieder einmal Gast im Korruptions-Untersuchungsausschuss - dieses Mal wird er zum Thema Glücksspiel befragt. APAweb / Helmut Fohringer

Wien. Der Lobbyist Peter Hochegger ist am Dienstag im U-Ausschuss zur Causa Glücksspiel befragt worden. Hochegger, in dessen Büroräumen sich in der ersten Jahreshälfte 2006 eine Projektgruppe für eine Änderung des österreichischen Glücksspielgesetzes regelmäßig getroffen hatte, war vom endgültigen Scheitern des Projektes selbst überrascht. Über die genauen Gründe habe er damals überhaupt keine Wahrnehmung gehabt. "Ich bin aber kein naiver Mensch, niemand lässt sich was wegnehmen. Die Casinos werden alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um es zu verhindern. Wie sie das gemacht haben, weiß ich aber nicht", sagte Hochegger.

  Laut Hochegger ging die 2005/2006 in Aussicht genommene Änderung des Glücksspielgesetzes von Walter Meischberger aus, der gute Kontakte mit dem niederösterreichischen Glücksspielkonzern Novomatic gehabt habe. "Meischberger war 'Mastermind', die zentrale Figur in dem gesamten Projekt". Er habe es dann befürwortet, das Projekt auch der Telekom Austria vorzuschlagen, sagte Hochegger weiter. Bei den Strategiesitzungen sei er fast immer dabei gewesen, die Detailarbeit habe er aber denen überlassen, die es gut gemacht hätten, nämlich Meischberger, seinen damaligen dafür zuständigen Mitarbeiter Stefan Krenn, dem Novomatic-Chef Franz Wohlfahrt. Von der Telekom sei Ex-Vorstand Rudolf Fischer dafür zuständig gewesen. Der Masterplan sei von seinem Mitarbeiter Krenn in Abstimmung mit Wohlfahrt ausgearbeitet worden.

Laut dem bereits befragten Ex-Telekom-Vorstand Fischer habe das BZÖ seine Unterstützung für die Novelle deshalb zurückgezogen, weil die damalige BZÖ-Werbeagentur Orange von der zum Monopolisten Casinos-Austria-Konzern gehörenden Österreichischen Lotterien für eine neun Seiten lange "Studie" über "Responsible Gaming" 300.000 Euro erhalten hatte. Ob das Projekt am BZÖ gescheitert sei, könne er nicht sagen, sagte Hochegger dazu.

Scheitern nichts Ungewöhnliches
Am Ende des Tages sei es für ihn nichts Ungewöhnliches gewesen, dass das Projekt nicht zustande gekommen sei, die Casinos Austria hätten einen leitenden Mitarbeiter gehabt, der auch Abgeordneter der ÖVP gewesen sei und Partner, die im ÖVP-Lager gut verankert gewesen seien. "Die haben sehr gute Zugänge und können ihre Interessen durchsetzen. Habe damals nichts Abnormales gesehen", betonte Hochegger.

  Ziel des Projektes sei es gewesen, Synergiepotenziale zwischen den beiden Kunden Novomatic und Telekom zu nutzen. Dabei sei die Idee entstanden, auch Spiele anzubieten, in Form einer Gamingplattform. Wohlfahrt habe das gefallen, auch dem Marketingleiter der Telekom. Voraussetzung sei aber gewesen, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu ändern. "Wir waren durchaus der Ansicht, dass es eine Menge von Besuchern bringt, wenn man ihnen Gaming anbietet. Das war auch für Novomatic gut", so Hochegger. In der Folge sei eine Projektgruppe aufgesetzt worden. Dabei sei es wichtig gewesen, die richtigen Argumente an die Regierungsparteien und die Opposition heranzutragen.

  Fischer und Wohlfahrt hätten es übernommen, die große Oppositionspartei - damals die SPÖ - zu informieren. Von der SPÖ seien keine Widerstände signalisiert worden. Es habe bereits eine Zusicherung vom SP-Abgeordneten Alfred Gusenbauer an Wohlfahrt gegeben. Welche Personen mit den Regierungsparteien Kontakt gehabt hätten, wisse er nicht mehr. Er sei in die Gespräche nicht eingebunden gewesen. SP-Abgeordneter Johann Maier betonte, dass es damals keine Zusage der SP zu einer Gesetzesänderung gegeben habe.

  Zu den Geldströmen - laut Maier sollen von der Novomatic über 586.875 Euro, von der Telekom fast 698.040 Euro und von der Valora Solution 465.000 Euro geflossen sein, in also Summe 1,8 Mio. Euro - meint Hochegger nur, beiden Firmen sei es darum gegangen, ein Projekt zu  bekommen.

  Grünen-Abgeordneter Peter Pilz vermutete, dass es bei dem Projekt gar nicht um Internetwetten alleine gegangen sei, sondern Novomatic hätte eigentlich eine österreichweite Konzession für Glücksspielautomaten bekommen wollen. Ihm sei dies nicht bewusst gewesen, meinte Hochegger.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-10 08:03:03
Letzte Änderung am 2012-07-10 12:47:27


Wer regiert in Salzburg

Vorentscheidung für Koalitionsgespräche fällt

20130521hass - APAweb/Jäger Salzburg. Nach den zahlreichen Sondierungsgesprächen der vergangenen beiden Wochen fällt am Dienstagabend eine wichtige Vorentscheidung zur Bildung... weiter




An Erwin Pröll zerschellten alle Herausforderer

Blaues Erdbeben, schwarze Bastion

20130303_siegerbilder - APAweb / Hans Klaus Techt / Gert Eggenberger Wien. Rund 1,9 Millionen Wähler – 1,4 Millionen in Niederösterreich, 440.000 in Kärnten – haben am Sonntag über die Zusammensetzung der... weiter




Auch ÖVP-Vorstand stimmte zu

Drei-Parteien-Koalition SPÖ, ÖVP, Grüne in Kärnten besiegelt

20130326kaernt - APAweb/GERT EGGENBERGER Klagenfurt. Die Drei-Parteien-Koalition von SPÖ, ÖVP und Grünen in Kärnten ist besiegelt. Nach dem - erwarteten - Ja des ÖVP-Vorstandes zum... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Tier- und Wasserschutz sind nun in der Verfassung verankert. - APAweb/Ole Spata dpa/lni
  • Einigung zwischen Koalition und Freiheitliche am Rande der Nationalratssitzung.
  • weiter

Er wars. Nein, er wars. Nein er. Aber was war eigentlich seine Leistung? - APAweb/HELMUT FOHRINGER
  • Ex-FPÖ-Werber Rumpold verstrickt sich bei seiner Aussage in Widersprüche.
  • weiter

In knapp mehr als vier Minuten - 20 hätte er gehabt - handelte Faymann, ganz ohne einleitende Worte, die 15 Fragen ab. - APAweb/Jäger
  • Kanzler versicherte mehrfach, dass das Bankgeheimnis für Steuer-Inländer nicht angetastet wird.
  • weiter

Ex-Telekom-Manager Fischer bekannte sich der Untreue teilschuldig. Er wollte Jörg Haider "einen Gefallen tun". apa/Hochmuth
  • Prozess um mutmaßliche Telekom-Zahlung an FPÖ startet mit Teilgeständnissen von Telekom-Angeklagten.
  • weiter

Der frühere FP-Werber Gernot Rumpold vor dem Straflandesgericht Wien. - APAweb / Helmut Fohringer
  • Staatsanwalt spricht von Scheinrechnungen und verdeckten Parteispenden.
  • weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl bei seiner Rede über "Sozialtourismus". - APAweb / Robert Jäger
  • Hundstorfer ärgert sich über "Demagogie" der Freiheitlichen.
  • weiter

  • Vizechef Norbert Hofer dementiert rassistische Aussagen.
  • weiter

SPÖ -Kampfpapier gegen die Steuerpläne der ÖVP. (Faksimile)
  • Der Rosenkrieg vor der Wahl ist eröffnet - und er wird "dirty". Doch die zweite Ehe winkt bereits.
  • weiter






Werbung