Wien.

Organisiert wird das durch Gestu (Gehörlose Studieren), ein 2010 in Wien gestartetes Pilotprojekt, das im Juni auslief. Nun sei wichtig, dass es nicht im Sand verlaufe, sagt Karla-Hager, Vorstandsmitglied der Gehörlosen Studierenden (VÖGS) in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Dort sicherte Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zu, Gestu bis 2015 zu verlängern.
Vor Gestu dauerte
Studium bis zu 20 Jahre
Vor Gestu habe es nur wenige gehörlose Uni-Absolventen gegeben, und das Studium dauerte bis zu 20 Jahre, erklärt Psychologieabsolventin Barbara Hager. Sie konnte während ihres Studiums nur bei einer Lehrveranstaltung pro Woche einen Dolmetscher mitbringen, obwohl die Gebärdensprache seit 2005 in der Verfassung verankert ist. Und nach wie vor gibt es noch viel zu tun, kritisiert sie: Es gibt keine gehörlosen Professoren, in Wien fehlt eine universitäre Ausbildung für Gebärdensprache, gehörlose Menschen können nur mit Ausnahmeregelungen an der Pädagogischen Hochschule studieren, da sie aufgrund "körperlicher Eignung" nur als außerordentliche Studenten zugelassen werden.
Derzeit betreut Gestu 13 Studierende, und der Betrieb kommt mit rund 250.000 Euro pro Semester nicht billig, erklärt Adalbert Prechtl von der Technischen Universität (TU) Wien, die bei dem Projekt federführend ist. Doch genau das fordert Karla-Hager, außerdem soll es auf ganz Österreich ausgeweitet werden. Für Töchterle wäre dies denkbar, wenn eine Vernetzung mit andernorts bestehenden Projekten Verbesserungen brächte. Nur fünf bis zehn der rund 30 gehörlosen Studierenden in Österreich studieren aufgrund der Barrieren in den Bundesländern außerhalb Wiens.
Aus Sicht der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) ist Gestu "nur ein erster Schritt". Es brauche "weitere Projekte mit langfristiger Finanzierung." Auch die Grünen wollen, dass Gestu in den Regelbetrieb übernommen wird, und fordern eine Studienrichtung "Gebärdensprache" sowie Ausbildungen zum Gebärdensprachdolmetscher.
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