Wien. Frank Stronach ist gerade dabei, sein Wahlkampf-Team zusammenzustellen. Da man sich mit drei Abgeordneten im Köcher das lästige Sammeln von Unterstützungserklärungen der Bevölkerung spart, sind Mandatare Goldes wert. Mit dem vormaligen SPÖ-Klubmitglied Gerhard Köfer hat er schon einen Mann fix an Bord, der ehemalige BZÖler Robert Lugar dürfte folgen. Und kaum jemand zweifelt daran, dass sich noch jemand Dritter finden wird.
Aus der ÖVP soll dieser Mandatar jedenfalls nicht kommen. Dort will man Gerüchten, wonach Stronach schwarze Abgeordnete für seine Partei abwerben könnte, keinen Glauben schenken. Man werde "keinen einzigen" Abgeordneten verlieren, zeigte sich der Zweite Nationalratspräsident Fritz Neugebauer im Gespräch mit der APA am Rande einer ÖVP-Bootsfahrt am Mondsee am Donnerstag überzeugt. "Ich kann mir das nicht vorstellen", sagte auch Klubobmann Karlheinz Kopf. Er habe keinerlei Anzeichen dafür, dass einer seiner Abgeordneten zu Stronach überlaufen könnte, so Kopf.
Stronachs Vorbild bei dem Zug durch die Abgeordneten-Bänke ist Richard Lugner. Der Baumeister hatte nach seinem Überraschungserfolg bei der Bundespräsidentenwahl 1998 mit rund zehn Prozent der Stimmen Lunte gerochen und wollte ein Jahr später mit der Liste "Die Unabhängigen" (DU) den Einzug in den Nationalrat schaffen. Da sich das Sammeln von Unterstützungserklärungen schwierig gestaltete, mühte sich Lugner, drei Abgeordnete zu überzeugen, was auch in letzter Minute gelang.
150.000 Schilling für eine Unterschrift
Freilich war dieses Bemühen auch mit einem vermeintlichen Skandal verbunden. Der Grün-Abgeordnete Andreas Wabl behauptete, dass Lugner ihm für eine Unterschrift 150.000 Schilling (10.901 Euro) geboten habe. Der Parteigründer bestritt das auch gar nicht, sprach aber von einem Scherz. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden schließlich mangels an Beweisen eingestellt.
Fündig wurde Lugner nicht im grünen sondern im blauen Lager. Heinz Anton Marolt, Elfriede Madl und Anton Blünegger unterstützten den "Unabhängigen" - jeweils Abgeordnete, die nach freiheitlichen Angaben keinen wählbaren Listenplatz bekommen hätten. Geld sei bei dem Trio nicht geflossen, versicherte Lugner dereinst. Genützt hat letztlich alles nichts. Die "Unabhängigen" gingen beim Urnengang 1999 mit 1,02 Prozent unter. (apa/red)
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