Millstatt. Der Sommer wirkt schon ein wenig erschöpft. Zwar zeigt das öffentliche Thermometer in Seeboden noch 32 Grad, doch die ausgedörrte Farbe der Pflanzen und das blasse Graublau des Himmels über dem Millstättersee lassen den nahenden Herbst erahnen. Auch für Eva Glawischnig geht die Sommertour langsam zu Ende. Noch bis 3. September fährt die Grünen-Chefin im grünen Reisebus quer durch Österreich.
Eingeladen hat Glawischnig diesmal auf eine Schifffahrt am Millstätter See. Hier ist sie aufgewachsen, hier hat sie sich als Musikerin in der "Gerald Gaugeler Band" die ersten Sporen verdient. Ein Vierteljahrhundert später stehen die Fans vor der Schiffsstation in der brütenden Nachmittagshitze und warten auf ihr Eintreffen. Als sie auftaucht, hat die 42-Jährige schon eine Pressekonferenz und mehrere Interviews hinter sich. Man sieht es ihr nicht an. Sie trägt ein makellos crèmefarbenes Kleid und ist wohl die Einzige, auf deren Stirn keine Schweißtropfen glänzen. Vielleicht ist es auch dieser Umstand, der sie ein wenig distanziert wirken lässt. Die schulterklopfende, alkoholgeschwängerte Volksnähe ist nicht das ihre. Stattdessen nimmt sie ihren Mann und die beiden Söhne auf die Schifffahrt mit.
Viel Zeit bleibt allerdings nicht für die Familie. Schon taucht sie ein ins Händeschütteln und Small Talken. Es ist tatsächlich ein Heimspiel für Eva Glawischnig: Die meisten hier sind alte Bekannte oder Sympathisanten, zufällige Passanten kommen an diesem Tag kaum vorbei. "Hallo, das ist meine Hoffnungsträgergruppe", begrüßt sie etwa einige junge Menschen: Judith und Georg Oberzaucher haben erst im Mai eine grüne Ortsgruppe in Millstatt gegründet. In der 3300-Seelen-Gemeinde kommen die Grünen bisher nicht vor. Millstatt ist damit symptomatisch für den Rest der Gegend - im Bezirk Spittal an der Drau, wo die Scheuchs zu Hause sind, kam die Öko-Partei bei der Jörg-Haider-Gedächtnis-Landtagswahl im Frühjahr 2009 auf gerade einmal 3,11 Prozent, das BZÖ (heute FPK) schaffte indes fast 48 Prozent. Dennoch sind die Oberzauchers guten Mutes: "Die aktuellen Ereignisse werden einen guten Impuls bieten", glauben sie. Tatsächlich ist der Zulauf zu den Grünen in den vergangenen Wochen seit dem Geständnis des Steuerberaters Dietrich Birnbacher rund um das überteuerte Hypo-"Gutachten" und den damit zusammenhängenden Rücktritten in der FPK-ÖVP-geführten Landesregierung enorm gestiegen. Auch Glawischnig weiß, dass sie ohne den Hypo-Skandal wohl auf dem Kärntner Tourabschnitt relativ einsam dagestanden wäre.
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