
Wien. Vor den Augen von Polizisten wurde der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister Donnerstag Nachmittag am Schwedenplatz vor dem Spiel des österreichischen Fußballklubs Rapid gegen die griechische Mannschaft PAOK von einem heimischen Fußballfan verbal antisemitisch attackiert. "Scheiß-Juden raus, Scheiß-Juden haut ab!", habe der Mann ihn von hinten angeschrien, berichtet Hofmeister. "Als ich mich zu ihm umdrehte und ihn ansah, erhob er seine rechte Hand zum Hitlergruß und schrie - seine Hand weiterhin zum Hitlergruß gestreckt - Hau ab, du Scheiß-Jude! Juden raus! Heil Hitler!" Der Mann sei etwa drei Meter entfernt gestanden.
Wegsehen als Methode der Deeskalation
Was Hofmeister vor allem erzürnt: weder die von ihm darauf angesprochenen Polizisten, die den Vorfall selbst aus wenigen Metern Entfernung beobachtet hatten, noch weitere, die er auf dem Weg in die Israelitische Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse darauf ansprach, unternahmen etwas. Was er zu hören bekam waren Aussagen wie "Na hörns, heut is Fußball" und "Regen Sie sich nicht so auf! Gehns weiter! Schönen Tag noch!". Die ersten von ihm angesprochenen Polizisten hätten sogar gegrinst.
Von den Beamten, die regelmäßig vor dem Stadttempel Dienst versehen, sei ihm dann erklärt worden, das Nicht-Eingreifen der Polizei sei die bei Anlässen wie dem Fußballspiel diese Woche angewandte "ordnungsgemäße Methode der Deeskalation".
Im Innenministerium verwies man am Freitag auf die Zuständigkeit der Wiener Polizei. Johann Golob, Leiter der dortigen Pressestelle, betonte, der Vorfall sei polizeiintern bereits bekannt und werde schon eingehend untersucht. "Wir sind jetzt dabei zu eruieren, welche Beamten im Einsatz waren." Erst dann könne man rekonstruieren, was hier passiert ist. Und eine detaillierte Stellungnahme sei erst möglich, wenn alle Fakten auf dem Tisch lägen. Golob betonte allerdings gegenüber der "Wiener Zeitung": "Sollte ein Fehlverhalten vorliegen, wird es natürlich Konsequenzen geben. Das steht außer Frage."
Rabbiner: Polizei muss Hilfe leisten
Rabbiner Hofmeister sagte am Freitag, er habe Verständnis dafür, dass die Polizei bei Einsätzen wie jenem am Schwedenplatz nichts eskalieren lassen wolle. "Wenn ich aber als Passant Polizisten um Hilfe bitte, müssen mir diese helfen. Und es kann auch nicht so sein, dass hier vor den Augen der Polizei Straftaten begangen werden können. Da müssen die Polizisten einschreiten. Wozu ist denn dann dieser riesige Polizeiauflauf überhaupt da, wenn die Passanten nicht beschützt werden?"
Erst diesen Dienstag war in Berlin ein Rabbiner von vermutlich arabischstämmigen Jugendlichen vor den Augen seiner Tochter brutal zusammengeschlagen und verletzt worden. Dem Mädchen hatten die Angreifer mit dem Tod gedroht. Wie auch Hofmeister trägt der Berliner Rabbiner Kippa - und ist damit auf der Straße als Jude erkennbar.
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