
"Wiener Zeitung": Wien hatte um 1910 mehr als zwei Millionen Einwohner, 1951 waren es nur noch 1,6 -mit sinkender Tendenz. Seit 2000 steigt die Einwohnerzahl wieder. Vor welchen Herausforderungen steht die Stadtplanung?
Thomas Madreiter: Es geht darum, sicherzustellen, dass die jährlich rund 17.000 neuen Einwohner, die in den letzten Jahren dazugekommen sind, Wohnungen sowie soziale und technische Infrastruktur vorfinden. Außerdem muss man bedenken, dass sich auch die Stadtgesellschaft dadurch verändert. Wien war bis Ende der 1980er Jahre eine stagnierende Stadt und wurde von manchen als grau bezeichnet. Wir sind bunter und diverser geworden. Diese Veränderungsprozesse sind für viele Menschen herausfordernd.
Welche Möglichkeiten hat die Stadtentwicklung, den Integrationsprozess zu fördern?
Der Charta-Prozess macht klar, dass Stadt historisch über die Jahrhunderte immer mit Veränderung zu tun hatte. Die Stadt braucht immer neue Ideen und neuen Esprit.
Am Dienstag ist die Kickoff-Veranstaltung zum Stadtentwicklungsplan. Wie soll dieser aussehen?
Zunächst soll in Arbeitsgruppen der Inhalt erstellt werden, Ende 2013 wird dann ein Rohentwurf als Basis für die politische Arbeit vorgelegt. 2014 soll er vom Gemeinderat beschlossen werden.
Werden sie - analog zu Wiener Charta - die Bevölkerung in einem Partizipationsprozess einbinden?
Ja, wir werden intensiv die Expertenebene -zum Beispiel Architekten, Stadtplaner, aber auch Wirtschaftstreibende - einbeziehen. Daneben entwickeln wir einen Prozess, um interessierten Bürgern und NGOs eine Plattform zu bieten, an der Gestaltung der Stadt mitzuwirken. Dabei wird es mehr um die grundsätzliche Frage gehen, in welche Richtung sich die Stadt entwickeln soll, als um räumliche Detailfragen.
Welche Elemente werden im neuen Stadtentwicklungsplan besonders berücksichtigt, welche Aspekte des Plans aus 2005 sind abgehakt?
Ich will nicht den Arbeitsgruppen vorgreifen, es ist einfacher, den letzten Step zu bewerten. Dort war die besondere Neuerung, dass Zielgebiete eingeführt wurden, für die es jeweils klar zuständige Manager gegeben hat. Nun wird es darum gehen, diese Struktur weiterzuentwickeln. Die Zielgebiete sind bei weitem noch nicht abgeschlossen. Die Kernfrage wird sein, in welcher Organisationsform wir den neuen Wohnraum zur Verfügung stellen. Die fachlich unumstrittene Leitidee hierbei ist: Die Stadt muss kompakt bleiben und in den Randgebieten kompakter werden. Im Wirtschaftsbereich ist vor allem die "Smart City" eine Herausforderung. Wien wurde 2011 in einem globalen Ranking zur Smart City Nummer eins gewählt. Wir haben hier eine gute Ausgangsposition, eine attraktive Grundlage für die Wirtschafts-, Technologie- und Forschungspolitik, das bringt auch mittelfristig Jobs.
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