• vom 05.09.2012, 18:09 Uhr

Politik

Update: 05.09.2012, 18:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gericht in Liechtenstein untersagt die Weitergabe beschlagnahmter Unterlagen an Österreich

Buwog-Akten bleiben in Vaduz



  • Weiter warten auf eine mögliche Anklage gegen Karl-Heinz Grasser.

Wien/Vaduz. (zaw) Ob es in der Causa Buwog zu einer Anklage gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser kommen wird, ist weiter offen. Für die österreichische Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) heißt es nämlich weiter warten auf die Buwog-Akten aus Liechtenstein. Zum wiederholten Male hat der Staatsgerichtshof, das Höchstgericht im Fürstentum, einen Beschluss des Obersten Gerichtshofs auf Auslieferung der bereits im April 2011 beim liechtensteinischen Treuhänder Grassers beschlagnahmten Akten abgelehnt.

"Der Staatsanwalt klammert sich an einen Strohhalm", sagt Grasser-Anwalt Ainedter (li).

"Der Staatsanwalt klammert sich an einen Strohhalm", sagt Grasser-Anwalt Ainedter (li).© APA/ROBERT JAEGER "Der Staatsanwalt klammert sich an einen Strohhalm", sagt Grasser-Anwalt Ainedter (li).© APA/ROBERT JAEGER

Zur Erinnerung: Im Zuge der Privatisierung der Bundeswohnungsgesellschaft Buwog im Jahr 2004 fließt eine Provisionszahlung von 9,6 Millionen Euro an die Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger. Letzterer parkte davon 8 Millionen Euro auf verschiedenen Konten, unter anderem in Liechtenstein. Die Ermittler vermuten, dass zumindest eines dieser Konten Grasser zuzuschreiben ist. Dieser hat jegliche Malversationen im Zuge des Buwog-Verkaufs stets zurückgewiesen.

Die Wiener Ermittler erhoffen sich von den beschlagnahmten Akten genauere Hinweise und Österreich hat ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen gestellt. Allerdings zweifelt dar liechtensteinische Staatsgerichtshof, "ob die dem Rechtshilfeersuchen beigefügte österreichische Beschlagnahmeanordnung eine genügende Grundlage für die Gewährung der Rechtshilfe bildet", wie es in einer schriftlichen Erklärung des Gerichts heißt. Damit habe sich der Oberste Gerichtshof in einem neuerlichen Verfahren ebenso zu beschäftigen, wie mit den Akten selbst. Zwar seien jene Unterlagen, die dem Treuhänder von Grasser übergeben wurden, nicht immun, wohl aber jene Dokumente, "die während des Mandatsverhältnisses entstanden sind". Diese müssten von den "vorexistierenden Klientenakten" getrennt betrachtet werden und an die Beschwerdeführer zurückgegeben werden. Beschwerdeführer ist übrigens nicht etwa Grasser, sondern sein Treuhänder, wie Grassers Anwalt Manfred Ainedter gegenüber der "Wiener Zeitung" betont.

Für Gabriela Moser ist eine Anklage ohne Akten fraglich
Für die WKStA heißt es damit weiter warten. Für Gabriela Moser, grüne Vorsitzende des Korruptionsuntersuchungsausschusses, steht fest, dass eine Anklage gegen Grasser ohne die Unterlagen aus Vaduz äußerst fraglich ist (während die politische Verantwortung des Ex-Finanzministers "eindeutig geklärt" sei, so Moser). Diese Einschätzung wollte WKStA-Sprecher Erich Mayer gegenüber der "Wiener Zeitung" nicht teilen: Er könne keine Wertung der Akten vornehmen, "weil ich nicht weiß, was darin steht".

Bezüglich der beschlagnahmten Akten bleibe der Korruptionsstaatsanwaltschaft nun nichts anderes übrig, als auf eine endgültige Entscheidung aus Liechtenstein zu warten, so Mayer. "Das heißt aber nicht, dass wir in der Causa Buwog nichts tun." Vielmehr arbeite man an vielen Strängen gleichzeitig, daher habe die Verzögerung "keinen unmittelbaren Einfluss auf das Ermittlungsverfahren".

Ainedter: "Staatsanwalt hat die Akten seit zwei Jahren"
Das sieht Anwalt Ainedter anders. Er findet die Verzögerung "ärgerlich": "Nichts geht weiter, man weiß nicht, ob es zu einer Anklage kommt oder nicht." Während Gabriela Moser den Akten große Bedeutung beimisst und die Staatsanwaltschaft zumindest von der Verpflichtung spricht, auch diesem Ermittlungsansatz nachzugehen, wiegelt Ainedter ab: "Die Staatsanwaltschaft klammert sich da an einen Strohhalm und glaubt, da steht weiß Gott was drinnen." Dabei habe er die Unterlagen, um die es geht, "schon vor zwei Jahren dem Staatsanwalt auf den Tisch gelegt".

Wie lange die WKStA auf eine endgültige Entscheidung aus Liechtenstein warten muss, ist noch unklar. Laut dem liechtensteinischen Gerichtssprecher Wilhelm Ungerank wird in frühestens zwei Wochen der schriftliche Entscheid des Staatsgerichtshofs vorliegen. Erst dann könne sich der Oberste Gerichtshof erneut mit der Causa befassen.

Beim letzten Mal wurde die Sache vom Obersten Gerichtshof binnen zwei Monaten entschieden. Für seinen negativen Entscheid hat der Staatsgerichtshof dann nochmals vier Monate gebraucht. In einem halben Jahr könnte also die Frage der Aktenauslieferung geklärt sein.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-05 18:15:09
Letzte Änderung am 2012-09-05 18:39:50


Wer regiert in Salzburg

Vorentscheidung für Koalitionsgespräche fällt

20130521hass - APAweb/Jäger Salzburg. Nach den zahlreichen Sondierungsgesprächen der vergangenen beiden Wochen fällt am Dienstagabend eine wichtige Vorentscheidung zur Bildung... weiter




An Erwin Pröll zerschellten alle Herausforderer

Blaues Erdbeben, schwarze Bastion

20130303_siegerbilder - APAweb / Hans Klaus Techt / Gert Eggenberger Wien. Rund 1,9 Millionen Wähler – 1,4 Millionen in Niederösterreich, 440.000 in Kärnten – haben am Sonntag über die Zusammensetzung der... weiter




Auch ÖVP-Vorstand stimmte zu

Drei-Parteien-Koalition SPÖ, ÖVP, Grüne in Kärnten besiegelt

20130326kaernt - APAweb/GERT EGGENBERGER Klagenfurt. Die Drei-Parteien-Koalition von SPÖ, ÖVP und Grünen in Kärnten ist besiegelt. Nach dem - erwarteten - Ja des ÖVP-Vorstandes zum... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Am Juridicum müssen die Stimmen eventuell neu gezählt werden. - apa/Hochmuth
  • Am Juridicum gibt es noch immer kein Ergebnis, AG will Neuauszählung.
  • weiter

  • Töchterle will Aufnahmeregeln für alle Studien. Mehr Geld wird es nicht geben.
  • weiter

Finanzministerin Maria Fekter vor Beginn einer Sitzung des Ministerrates am Dienstag, 21. Mai 2013, im Bundeskanzleramt in Wien. - APA/HELMUT FOHRINGER
  • Ministerrat zieht Banken-Notfallpläne samt Frühwarnsystem durch.
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

Das Medizinstudium in Graz - im Bild ein Aufnahmetest in der Stadthalle der steirischen Landeshauptstadt - ist Gegenstand des jüngsten aufsehenerregenden OGH-Urteils. - apa/Silvia Schober
  • OGH-Urteil spricht Ex-Studenten Schadenersatz für Studienverzögerung zu.
  • weiter

Bundesheersoldaten vor der Krypta am Wiener Heldenplatz am 8. Mai 2013. - Stanislav Jenis
  • Faymann und Spindelegger betonen bei Festakt Mitverantwortung Österreichs und würdigen Widerstand.
  • weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

  • Vizechef Norbert Hofer dementiert rassistische Aussagen.
  • weiter

SPÖ -Kampfpapier gegen die Steuerpläne der ÖVP. (Faksimile)
  • Der Rosenkrieg vor der Wahl ist eröffnet - und er wird "dirty". Doch die zweite Ehe winkt bereits.
  • weiter





Werbung