Wien. Es ist ja nicht so, als ob aus Sicht der Gewerkschafter alles paletti wäre: Die Finanzkrise hat ganz Europa fest im Griff, die Arbeitslosenzahlen steigen, bei den Jugendlichen sogar ins Exorbitante und überall wird Sparen gepredigt. In der Metallbranche denken manche Arbeitgeber sogar über ein Ende des flächendeckenden Kollektivvertrags nach. Für Österreich wäre das eine Zäsur, nicht nur für die Betroffenen, schließlich geriete dadurch das gesamte, hochsensible Konstrukt der herbstlichen Lohnverhandlungen, bei dem die Metaller traditionell den Taktgeber spielen, aus den Fugen.
Keine wirklich rosigen Zeiten also für Arbeitnehmervertreter, würde man zumindest vermuten. Doch überraschenderweise war davon am Donnerstagabend bei einem Hintergrundgespräch der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) keine Spur. Stattdessen präsentierte GPA-Chef Wolfgang Katzian selbstbewusst seine Pläne und Projekte für die kommenden Monate.
Katzian weiß: Wenn der Export wegbricht, wie derzeit der Fall, ist die Kaufkraft die einzige Säule, auf die sich die Konjunktur in schwierigen Zeiten stützen kann. Und Kaufkraft sichern heißt aus gewerkschaftlicher Sicht, die Löhne ordentlich zu erhöhen.
Was die anstehenden Verhandlungen mit den Metallern angeht, rechnen die Gewerkschafter aus heutiger Sicht mit einer Inflationsrate von 2,8 Prozent. Das Forderungsprogramm werden die Betriebsräte am 18. und 19. September erstellen, anschließend beginnt das Verhandlungsritual mit den Arbeitgebern. Vergangenes Jahr einigte man sich auf eine Lohnerhöhung von 4,2 Prozent.
Einen Hauch von Wahlkampf spürt man, wenn Katzian vollen Einsatz für die Einführung einer Vermögenssubstanzbesteuerung und die Rückkehr von Erbschafts- und Schenkungssteuer verspricht. Zu diesem Zweck wird es im Herbst eine gemeinsame Aktionswoche der GPA mit der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sowie der größten Schweizer Einzelgewerkschaft Unia geben.
Als weitere Schwerpunkte für die kommenden Monate nennt Katzian: weiterarbeiten an der kollektivvertraglichen Gleichstellung von Frauen und Männern, Anerkennung von Dienstzeiten an Laptops oder Handy, Pilotprojekte für eine Vier-Tage-Woche im Handel sowie - als Fokus für das Gesamtjahr 2013 - altersgerechtes Arbeiten.
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