• vom 11.09.2012, 18:01 Uhr

Politik

Update: 11.09.2012, 18:10 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Wifo und OECD weisen bekannte Mängel im Bildungssystem nach

Spitze bei beruflicher Bildung


Von Brigitte Pechar

  • Schmied kündigt eine "Aufholjagd" im Bildungsbereich an.

Die Unterrichtsministerin drängt: Lehrerdienstrecht als Hebel für Qualitätssprung. - © APA/HERBERT PFARRHOFER

Die Unterrichtsministerin drängt: Lehrerdienstrecht als Hebel für Qualitätssprung. © APA/HERBERT PFARRHOFER

Wien. Österreich ist besonders gut in der berufsbildenden Ausbildung: Platz eins bei den OECD-34 und den EU-21, was die berufsorientierte Ausbildung betrifft. 82 Prozent der Erwerbsbevölkerung verfügen über mindestens einen Abschluss der Sekundarstufe II - BHS, BMS, Berufsschulen, AHS-Oberstufe (OECD-Schnitt sind 72 Prozent). Und Österreich gibt nach wie vor sehr viel Geld für Bildung pro Schüler aus. Innerhalb der EU-21 liegt Österreich auf Platz zwei.

Zwei Bildungsstudien präsentierte Unterrichtsministerin Claudia Schmied am Dienstag in einer Pressekonferenz. Der jährliche Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung OECD zeigt allerdings die alten Mängel auf: wenig Chancen für einen Bildungsaufstieg, geringe Akademikerquote, geringe Unterrichtsverpflichtung für Lehrer. Das Wifo wiederum bescheinigt in der Studie "Bildung 2025" dem österreichischen Bildungssystem "ein beachtliches Upgrading in den vergangenen Jahren", wie Karl Aiginger sagte. Allerdings bemängelte er, dass ein Fünftel der Schulabgänger nicht sinnerfassend lesen können.

"Wir sind auf gutem Weg, aber wir sind noch nicht am Ziel", sagte Schmied, die eine "Aufholjagd im Bildungsbereich" ankündigte. Die enorm hohen Ausgaben pro Schüler/Studierendem (durchschnittlich 12.285 Euro) erklärte die Unterrichtsministerin so: Die Ausgaben für den Sekundarbereich II (12.737 Euro pro Schüler - hier vor allem die BHS, die eine teurere Ausstattung benötigen) seien bewusst hoch, weil diese Ausbildungsform - zusammen mit der dualen Lehrlingsausbildung - vorbildhaft in der EU und der OECD sei. Auch das Betreuungsverhältnis zwischen Lehrer und Schülern sei bewusst gesenkt worden.

Ungewollte Faktoren, die die Ausgaben in die Höhe treiben, sind die hohen Ausgaben für Lehrer. Allerdings deshalb, weil 50 Prozent der Pädagogen über 50 Jahre alt und daher auch in einer hohen Einkommensklasse seien, erläuterte die Ministerin.

Mehr Unterrichtszeit für Lehrer



"Es ist wichtig, in Bildung zu investieren. Aber jede Investitionsmaßnahme muss mit Qualitätsverbesserung verknüpft sein. Mehr Geld ohne Reformen wäre nicht richtig", sagte Schmied. Daher müssten jetzt auch Reformen im Dienst- und Besoldungsrecht der Lehrer erfolgen. "Das ist kein Sparprogramm", beruhigte Schmied, sondern damit solle "die Effektivität des Schulsystems verbessert werden. Am Ende müssten Ganztagsschulen, Lernbegleitung oder Coaching problemlos möglich sein.

Auch die Anwesenheit der Lehrer in den Klassen müsse gesteigert werden. Hier zeigt der OECD-Bericht im Vergleich zum Vorjahr sogar noch ein schlechteres Bild. Auch diese im internationalen Vergleich geringe Unterrichtsverpflichtung der Lehrer habe Auswirkungen auf die Kosten, betonte Schmied. Sie versprach, die Pädagogen durch Sekretäre und Psychologen zu entlasten.

Österreichs Wirtschaft liege derzeit unter den Top Fünf der EU und unter den top zehn der OECD. Ob Österreich im Jahr 2025 an erster Stelle oder an zehnter Stelle sein werde, hänge vom Bildungssektor ab, sagte Aiginger. Und da sei ein breiter Mix an Qualifikationen wünschenswert. Natürlich brauche es gutes Rüstzeug in den Basiskompetenzen und den Sozialkompetenzen und es sei auch Allgemeinbildung notwendig, um vor allem im Berufsleben leichter wechseln zu können. Bildung jedenfalls sollte von Budgetkürzungen ausgenommen werden, rät der Wirtschaftsforscher.

Studiengebühren bleiben Konfliktthema
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle schließt aus der OECD-Studie, dass Österreichs Universitäten mehr private Mittel brauchen. Österreich liege zwar mit einem Anteil von rund 1,45 Prozent des BIP zur Hochschulfinanzierung im EU-Durchschnitt und bei den öffentlichen Ausgaben dafür mit 1,4 Prozent darüber; der Anteil privater Mittel liegt mit 0,05 Prozent allerdings weit unter dem EU-Schnitt von 0,3 Prozent. Töchterle setzt bei der Steigerung der privaten Mittel auf Spenden, Investitionen von Unternehmen und Studiengebühren.

Die Unterrichtsministerin hält nichts von Studiengebühren und steht in dieser Debatte auf der Seite ihres Parteivorsitzenden: Ein Modell, das Studiengebühren auf der einen Seite und höhere Stipendien andererseits vorsieht, hält sie nicht für sinnvoll.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-11 18:08:14
Letzte Änderung am 2012-09-11 18:10:49


Nach der Wahl in Salzburg

ÖVP will über Pfingsten Varianten durchdenken

20130517has - APAweb/BARBARA GINDL Wien. Kommenden Dienstagabend soll im Parteipräsidium der ÖVP die Entscheidung fallen, mit welchen Parteien Koalitionsverhandlungen für die Bildung... weiter




An Erwin Pröll zerschellten alle Herausforderer

Blaues Erdbeben, schwarze Bastion

20130303_siegerbilder - APAweb / Hans Klaus Techt / Gert Eggenberger Wien. Rund 1,9 Millionen Wähler – 1,4 Millionen in Niederösterreich, 440.000 in Kärnten – haben am Sonntag über die Zusammensetzung der... weiter




Auch ÖVP-Vorstand stimmte zu

Drei-Parteien-Koalition SPÖ, ÖVP, Grüne in Kärnten besiegelt

20130326kaernt - APAweb/GERT EGGENBERGER Klagenfurt. Die Drei-Parteien-Koalition von SPÖ, ÖVP und Grünen in Kärnten ist besiegelt. Nach dem - erwarteten - Ja des ÖVP-Vorstandes zum... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Auch SARS geht auf das Konto der Corona-Viren - APAweb / AP / Health Protection Agency
  • 41 Fälle weltweit, die Hälfte der Erkrankten starb.
  • weiter

Ein 22-Jähriger ist in der Nacht auf Samstag in Gnadenwald in Tirol (Bezirk Innsbruck-Land) schwer verletzt am Straßenrand liegend aufgefunden worden...weiter

Wer einen Garten hat, erspart sich weitgehend das Gießen. - Foto: apaWeb / dpa - Federico Gambarini
  • Bis Freitag wird es kühler.
  • weiter

Ein Bild aus besseren Tagen: Im November 2011 nahm Harald Dobernig (Kärnten) an der Konferenz der Landesfinanzreferenten zum Thema Schuldenbremse teil. Nun wirft ihm die ÖVP Verschwendung von Landesgeldern vor. - Foto: apaWeb - Gindl
  • FPK-Referent veranstaltete Valentinskonzerte vor den Wahlen, zahlen musste das Land.
  • weiter

Heinz-Christian Strache will Landesobfrau Barbara Rosenkranz per Unterschriftenliste absetzen. Fraglich ist, wie viele Mitstreiter sie noch mobilisieren kann. apa/Techt, Artinger
  • Unter niederösterreichischen FPÖ-Politikern kursiert Unterschriftenliste gegen Chefin; angeblich schon Mehrheit für Ablöse.
  • weiter

Volksschulwand vorher (links) und nachher (rechts) - Bild: Andreas Praefcke An einer Volksschule in Wien mussten nach dem Protest der Mutter einer Schülerin die Kreuze in allen Klassenzimmern entfernt werden...weiter

Bundesheersoldaten vor der Krypta am Wiener Heldenplatz am 8. Mai 2013. - Stanislav Jenis
  • Faymann und Spindelegger betonen bei Festakt Mitverantwortung Österreichs und würdigen Widerstand.
  • weiter

Gabi Burgstaller geht, Wilfried Haslauer kommt. - Montage: red
  • Haslauer fährt schlechtestes ÖVP-Ergebnis der Geschichte ein, aber immer noch besser als jenes der SPÖ.
  • Das vorläufige Endergebnis: V 29 S 23,8 G 20,2 F 17 TS 8,3.
  • weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Um eine "Versachlichung" der Debatte ums Bienensterben ist ÖVP-Chef Spindelegger bemüht. - APAweb / dpa / Karl-Josef Hildenbrand
  • Berlakovich: "Lösung der Vorwoche hat keine Akzeptanz gefunden"
  • weiter





Werbung