• vom 19.09.2012, 18:17 Uhr

Politik

Update: 19.09.2012, 20:49 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Fünf-Parteien-Papier für eine Fortsetzung des U-Ausschusses

Einigung in allerletzter Stunde


Von Katharina Schmidt

  • Acht Sitzungen – ohne Faymann – bis 11. Oktober.
  • Bericht am 16. Oktober.

Walter Rosenkranz soll den Vorsitz von Gabriela Moser übernehmen.

Walter Rosenkranz soll den Vorsitz von Gabriela Moser übernehmen.APAweb / Roland Schlager Walter Rosenkranz soll den Vorsitz von Gabriela Moser übernehmen.APAweb / Roland Schlager

Wien. In der Luft lag es ja schon länger. Am Mittwoch aber stand es dann bis zur buchstäblich letzten Minute Spitz auf Knopf. Nach fast zehnstündigem Gezerre, einem als Drohung angelegten und auch so verstandenen Fristsetzungsantrag der Regierungsparteien und Verhandlungen in den verschiedensten Konstellationen haben sich alle fünf Parteien um 17 Uhr doch noch auf einen Kompromiss eingelassen.

Der Korruptionsuntersuchungsausschuss wird weitergeführt, allerdings muss bis zum 16. Oktober ein Abschlussbericht vorgelegt werden. Bis dahin soll es acht Sitzungen zu den Themenkomplexen Inseratenaffäre, Staatsbürgerschaftsvergabe und Telekom-Ostgeschäfte geben. Als Zeugen geladen werden unter anderem Staatssekretär Josef Ostermayer und Umweltminister Nikolaus Berlakovich, nicht auf der Liste ist erwartungsgemäß Bundeskanzler Werner Faymann.

Der Weg zu dieser Einigung war steinig: Nach dem Rücktritt der Grünen Gabriela Moser als Vorsitzende am Dienstag haben die Klubs – und hier freilich vor allem SPÖ und ÖVP –  fieberhaft über die weitere Strategie beraten. Das Problem: Die Volkspartei musste aus Koalitionsräson die Ladung Faymanns als Zeuge zur Inseratenaffäre verhindern, die SPÖ hoffte bis zuletzt, dass Moser dem Druck der Regierung, ihr Amt zurückzulegen, nicht nachkommen würde und man damit eine gute Argumentation für ein Abdrehen des Gremiums habe.

Fristsetzungsantrag stand schon am Dienstag fest
Doch mit dem Rücktritt Mosers geriet die Koalition unter Zugzwang –  das Ergebnis der Verhandlungen, die am Dienstag bis spätabends dauerten: Ein Fristsetzungsantrag. Dieser war angeblich sogar schon vor der Krisensitzung der Fraktionsführer im U-Ausschuss bei Nationalratspräsidentin Barbara Prammer fix. Offen blieb lediglich, bis wann die Frist gesetzt würde.
Um 7.30 Uhr, also rechtzeitig vor der Plenarsitzung, traf man sich in Prammers Büro, um dem U-Ausschuss die scheinbar letzte Chance zu geben. In der Sitzung legten SPÖ-Fraktionsführer Otto Pendl und sein ÖVP-Pendant Werner Amon einen gemeinsamen Antrag vor, der der Vier-Parteien-Einigung vom 31. August im Wesentlichen entsprach.

Vor allem die Zeugenliste blieb mit Ostermayer und Berlakovich sowie dem Industriellen Martin Schlaff weitgehend unverändert. Der Unterschied zum Vier-Parteien-Antrag: Statt Terminen bis zum 2. Oktober mit Option auf Verlängerung stand wortwörtlich da: "Es wird in Aussicht genommen, dem Ausschuss für seine Berichterstattung bis zum 16. Oktober 2012 zu setzen." Das mussten die Oppositionsparteien erst einmal verdauen. Auch, dass in dem Antrag nur noch von fünf Ausschuss-Sitzungen die Rede war, nahm man bei FPÖ, Grünen und BZÖ nur wutschnaubend zur Kenntnis.

Regierung setzte Opposition unter Zeitdruck
Dennoch zogen sich die Oppositionsparteien zu Beratungen zurück. Die Regierungsparteien beharrten auf einer Fünf-Parteien-Einigung, gleichzeitig brachten sie am Vormittag einen Fristsetzungsantrag im Plenum ein. Und zwar mit einem Überraschungseffekt: Statt, wie erwartet, einen Abschlussbericht bis zur nächsten Plenarsitzung am 16. Oktober zu verlangen, wollte die Koalition eine Frist bis 21. September – also bis Freitag – haben, was die Opposition zum Schäumen brachte.

Doch tatsächlich hat der Antrag die von der Koalition intendierte Wirkung nicht verfehlt: Nach weiteren stundenlangen Verhandlungen am Rande des Plenums konnte man sich auf den Kompromiss einigen, dass es statt der von der Regierung vorgesehenen fünf Termine acht geben wird. Die letzten Befragungen sind für 11. Oktober geplant. Die Koalition zog noch am Abend ihren Fristsetzungsantrag zurück. In einer Zuweisungssitzung, also einer weiteren kurzen Plenarsitzung ohne Debatte, hätte eigentlich eine neue Frist – der 16. Oktober – beschlossen werden sollen. Dazu kam es aber doch nicht, weil es offenbar keine Fünf-Parteien-Einigung ab. Immerhin besteht damit weniger die Gefahr, dass sich die Zeugen immer wieder für ihr Fernbleiben entschuldigen – und zwar so lange, bis der Ausschuss zu Ende ist.

Die Opposition reagierte zerknirscht. FPÖ-Fraktionsführer Walter Rosenkranz, der erwartungsgemäß zum Nachfolger Mosers als U-Ausschuss-Chef gekürt wurde, meinte, man habe wenigstens drei weitere Verhandlungstermine herausgeschunden. Stefan Petzner (BZÖ) sprach von einem "traurigen Sieg", und der Grüne Peter Pilz meinte, der Beschluss sei die "einzige Chance" gewesen, das Überleben des Ausschusses zu sichern.




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-19 07:57:38
Letzte Änderung am 2012-09-19 20:49:01


Wer regiert in Salzburg

Vorentscheidung für Koalitionsgespräche fällt

20130521hass - APAweb/Jäger Salzburg. Nach den zahlreichen Sondierungsgesprächen der vergangenen beiden Wochen fällt am Dienstagabend eine wichtige Vorentscheidung zur Bildung... weiter




An Erwin Pröll zerschellten alle Herausforderer

Blaues Erdbeben, schwarze Bastion

20130303_siegerbilder - APAweb / Hans Klaus Techt / Gert Eggenberger Wien. Rund 1,9 Millionen Wähler – 1,4 Millionen in Niederösterreich, 440.000 in Kärnten – haben am Sonntag über die Zusammensetzung der... weiter




Auch ÖVP-Vorstand stimmte zu

Drei-Parteien-Koalition SPÖ, ÖVP, Grüne in Kärnten besiegelt

20130326kaernt - APAweb/GERT EGGENBERGER Klagenfurt. Die Drei-Parteien-Koalition von SPÖ, ÖVP und Grünen in Kärnten ist besiegelt. Nach dem - erwarteten - Ja des ÖVP-Vorstandes zum... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Prüfende Blicke wird der wahrscheinliche Landeschef noch viele in die Bücher werfen müssen. - apa
  • Eine Nachzahlung von 30 Millionen Euro könnte Regierung Haslauer drohen.
  • weiter

Der Spaß wird Gernot Rumpold bald vergehen. Vor dem Korruptionsuntersuchungsausschuss scherzte der Ex-FPÖ-Werber noch mit den Medien, nun muss er sich unter anderem wegen Falschaussage vor diesem Gremium im Grauen Haus verantworten. - apa/Helmut Fohringer
  • Telekom zahlte für nicht vorhandene Studien, dann wurde FPÖ Schulden los.
  • weiter

  • Salzburger ÖVP einstimmig für Koalition mit Grünen und Stronach.
  • weiter

Verlieren die jungen Schwarzen ihre Mehrheit am Juridicum? Am Dienstag war das noch unklar. - apa
  • SPÖ, Grüne und FPÖ wollen Rückkehr zur Direktwahl.
  • weiter

Am Juridicum müssen die Stimmen eventuell neu gezählt werden. - apa/Hochmuth
  • Am Juridicum gibt es noch immer kein Ergebnis, AG will Neuauszählung.
  • weiter

Bundesheersoldaten vor der Krypta am Wiener Heldenplatz am 8. Mai 2013. - Stanislav Jenis
  • Faymann und Spindelegger betonen bei Festakt Mitverantwortung Österreichs und würdigen Widerstand.
  • weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

Michael Spindelegger will Kanzler werden und die ÖVP zur Nummer eins machen. - apa/Jäger
  • Ziel der ÖVP: 420.000 neue Arbeitsplätze bis 2018 - und ein ÖVP-Bundeskanzler.
  • weiter

  • Vizechef Norbert Hofer dementiert rassistische Aussagen.
  • weiter





Werbung