
"Wiener Zeitung": (zaw) Herr Abgeordneter, Sie sind SPÖ-Wehrsprecher, trotzdem lehnen Sie die Berufsheer-Pläne Ihrer Partei ab. Hat sich daran etwas geändert?
Stefan Prähauser: Nein, ich bin für die Beibehaltung der Wehrpflicht. Ich halte aber das Modell, das der Minister vorschlägt, für machbar und zukunftsweisend. Es ist seine Aufgabe, das Ressort so zu führen, dass es eine Zukunft für das Bundesheer gibt. Wenn der Minister mit seinen Fachleuten zu der Erkenntnis kommt, es geht nur mit einem Berufsheer in die Zukunft, steckt da sicher sehr viel Arbeit dahinter. Ich werde daher versuchen, sachlich Auskunft zu geben und meinen Standpunkt vertreten, aber nicht zu verhehlen, dass es machbar ist.
Das Berufsheer ist also machbar und zukunftsweisend - trotzdem sind Sie dagegen. Warum?
Die beste Idee eines Ministers hängt immer davon ab, was der Finanzminister bereit ist zu zahlen. Ich bin seit 23 Jahren im Parlament. In dieser Zeit haben die finanziellen Dotierungen nur selten gehalten, was sie versprochen haben. Letztlich hat das Geld immer gefehlt.
Also stimmen die Zahlen des Ministers nicht?
Die Zahlen stimmen wahrscheinlich schon. Die Frage ist nur, ob der Finanzminister das Geld dann auch zur Verfügung stellt. Das ist meine Sorge. Außerdem: Wenn man es so schnell umstellt, was tut man mit dem Personal, das man nicht mehr verwenden kann? Was bietet man denen für Sicherheiten? Mir geht das alles zu schnell. Man hätte die Idee in den Raum stellen und nachdenken sollen.
An der Wehrpflicht hängt auch die Zivildienstdebatte.
Diese Debatte ist nicht fair. Wir reden hier von Wehrersatzdienst, der als Strafe für jene eingeführt wurde, die sich dem Dienst an der Waffe entzogen haben.
Aber mittlerweile ist der Zivildienst ein fixer Bestandteil des österreichischen Sozialsystems.
Unbestreitbar. Aber 2000 hatten wir 6000 Zivildiener, jetzt haben wir 13.000. Wir kamen also schon mit der Hälfte der Zivildiener aus.
Aber die Aufgaben des Zivildienstes nehmen laufend zu, etwa aufgrund der alternden Gesellschaft.
Keine Frage. Aber der Plan von Sozialminister Rudolf Hundstorfer, die Freiwilligen nach ihrem Sozialjahr ins System einzubauen, ist gut. Wenn das gelingt, ist das ein guter Erfolg.
Sie sagen, Sie können mit den Plänen ihrer Partei leben. Aber mit Enthusiasmus sind Sie nicht dabei.
Ich arbeite mit Enthusiasmus für das Bundesheer - der Zugang ist ein anderer. Aber ich bin 64 und weiß, dass ich nicht noch 20 Jahre damit zu tun habe. Daher mach ichs mir ein bisschen einfach. Ich unterstütze Darabos in seiner Arbeit, ohne zu vergessen, meine Bedenken zu äußern.
Ist es für Sie leichter, weil Sie bei der nächsten Wahl vielleicht nicht mehr kandidieren?
Ich werde sicher nicht mehr kandidieren. Aber ich hätte es vor zehn oder zwanzig Jahren genauso gemacht.
Zur Person: Stefan Prähauser
Der Salzburger Stefan Prähauser (64) saß von 1990 bis 2001 für die SPÖ im Bundesrat, seither im Nationalrat, wo er Wehrsprecher seiner Fraktion ist.
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