• vom 17.10.2012, 18:14 Uhr

Politik

  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (4)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Verteidigungsminister Darabos sieht seine Initiativen auf Schiene

Alles Profi oder was?


Von Veronika Eschbacher

  • Erste Zwischenbilanz über Pilotprojekte beim Bundesheer.

Auf Rekruten wird ab Dezember an sechs Standorten des Bundesheeres verzichtet. - © Stanislav Jenis

Auf Rekruten wird ab Dezember an sechs Standorten des Bundesheeres verzichtet. © Stanislav Jenis

Wien. Seit Jahresbeginn probt das österreichische Bundesheer auf Initiative des SPÖ-Verteidigungsministers Norbert Darabos den Ernstfall: ein Leben ohne Wehrpflicht. In drei Pilotprojekten wird seither getestet, ob eine Umstellung auf ein Berufsheer in Österreich gelingen könnte. Das wenig überraschende Fazit Darabos’, der Mittwoch in Wien eine Zwischenbilanz präsentierte: "Ja, die Umstellung ist möglich." Indes ist der Terminus "Profi" von den Koalitionspartnern ÖVP und SPÖ schwer umkämpft.

Seit Jahresanfang wird im Zuge der Pilotprojekte eine Freiwilligen-Miliz rekrutiert, sechs Liegenschaften ohne Grundwehrdiener betrieben sowie an der Aufstellung eines "Musterverbandes" in Bataillonsgröße gearbeitet.

Mit der neuen "Profi-Miliz", deren erste Übungen ab November stattfinden, "wird die Katastrophenhilfe sogar noch besser gewährleistet", gibt sich Darabos überzeugt. 2000 Freiwilligenmeldungen seien bisher eingegangen. Von 166 bisher überprüften Freiwilligen haben 128 die Aufnahmekriterien erfüllt. Das Berufsheer-Modell von Darabos sieht eine Freiwilligen-Miliz mit 9300 Soldaten vor. Würde man diese Anzahl mit der gleichen Auswahlrate wie beim Pilotprojekt rekrutieren, bräuchte man allerdings mehr als 145.000 Freiwilligenmeldungen und bei gleichem Rekrutierungstempo - 48 Jahre.

Der Kommandant des Truppenübungsplatzes Seetaler Alpe, Oberst Manfred Hofer, verzichtet ab Dezember auf seine bisher 100 Grundwehrdiener im Jahr. Diese kosteten den Steuerzahler bis dato jährlich 600.000 Euro. Einsparung ist jedoch keine zu erwarten, schließlich müssen die Rekruten ersetzt werden. Laut Hofer will man kostenneutral aussteigen. Die fehlenden Kräfte sollen durch die Auslagerung von Aufgaben, technische Verbesserungen oder Leiharbeiter kompensiert werden. Auch drei zivile Arbeitskräfte aus der Region wurden auf der Seetaler Alpe aufgenommen, so Hofer. Was mit diesen im Falle einer weiterbestehenden Wehrpflicht geschieht? "Es ist davon auszugehen, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten", so Dietmar Rust vom Verteidigungsministerium zur "Wiener Zeitung". Denn: Von beiden Seiten - Berufsheerbefürwortern und Wehrpflichtverteidigern - wäre klargestellt worden, dass ohnehin Reformbedarf im Grundwehrdienersystem bestünde.

Objektive Information?
Irritationen entstanden indes um den Terminus "Profi". Das Programmheft des Verteidigungsministeriums für den Nationalfeiertag am Heldenplatz, titelt mit "Profis bringen mehr Sicherheit". Weiter liest man: "Die Pilotprojekte sind ein erster Schritt, um weitere Erfahrungswerte zur Thematik ,Professionalisierung der Streitkräfte‘ zu erlangen." Der Koalitionspartner ÖVP erkennt darin einen Bruch der Abmachung, objektiv über das jeweilig bevorzugte System zu informieren. Denn: Das Werbemittel sei eine eindeutige Werbung für das Berufsheer.

Der Sprecher von Darabos, Stefan Hirsch, tut dies als "Ablenkungsmanöver" ab und schießt gleich in Richtung ÖVP zurück, ob man denn nicht mehr der Ansicht sei, dass das Bundesheer aus Profis bestünde und diese auch Sicherheit brächten. Minister Darabos selbst wiederum bezeichnete Mittwoch seine Pilotprojekte, die ja Richtung Berufsheer führen sollen, als "Profi-Miliz" und führt das Musterbataillon unter dem Titel "Professionalisierung von Verbänden".

Zur Streitfrage, wer denn die Profis nun wirklich seien, meinte der Darabos-Sprecher zur "Wiener Zeitung": "Wir haben bereits jetzt mehr als 14.000 Profis beim Bundesheer - die von der ÖVP als Söldner diffamiert werden. Ein Berufsheer sorgt für noch mehr Professionalisierung, weil es nur noch ausschließlich gut ausgebildete Profis gibt."




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-17 18:21:12


Wer regiert in Salzburg

Vorentscheidung für Koalitionsgespräche fällt

20130521hass - APAweb/Jäger Salzburg. Nach den zahlreichen Sondierungsgesprächen der vergangenen beiden Wochen fällt am Dienstagabend eine wichtige Vorentscheidung zur Bildung... weiter




An Erwin Pröll zerschellten alle Herausforderer

Blaues Erdbeben, schwarze Bastion

20130303_siegerbilder - APAweb / Hans Klaus Techt / Gert Eggenberger Wien. Rund 1,9 Millionen Wähler – 1,4 Millionen in Niederösterreich, 440.000 in Kärnten – haben am Sonntag über die Zusammensetzung der... weiter




Auch ÖVP-Vorstand stimmte zu

Drei-Parteien-Koalition SPÖ, ÖVP, Grüne in Kärnten besiegelt

20130326kaernt - APAweb/GERT EGGENBERGER Klagenfurt. Die Drei-Parteien-Koalition von SPÖ, ÖVP und Grünen in Kärnten ist besiegelt. Nach dem - erwarteten - Ja des ÖVP-Vorstandes zum... weiter



Werbung



Beliebte Inhalte



Wer braucht Gewerkschaften, wenn die Mitarbeiter eingebunden sind? Frank Stronach regelt Konflikte lieber selbst. - apa/Michael Gruber
  • Salzburger Stronach-Mann weicht in Debatte um Gewerkschaft vom Chef ab.
  • weiter

Die Grünen sind nun auch in Tirol in der Regierung. - APAweb / Thomas Böhm / TT
  • Kabinett erhielt 23 der 36 möglichen Stimmen.
  • weiter

RBI-Chef Herbert Stepic stellt seine Funktion als CEO zur Verfügung. - APAweb / Hans Klaus Techt
  • "Mr. Osteuropa" verabschiedet sich von seinem "Lebenswerk"
  • weiter

Er wars. Nein, er wars. Nein er. Aber was war eigentlich seine Leistung? - APAweb/HELMUT FOHRINGER
  • Ex-FPÖ-Werber Rumpold verstrickt sich bei seiner Aussage in Widersprüche.
  • weiter

  • Wie man Schüler mit Sprachdefiziten fördert, sollen Direktoren entscheiden.
  • weiter

Am "Internationalen Tag der Pflege" haben sich die Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP für die Abschaffung des Pflegeregresses in der Steiermark ausgesprochen. - APAweb / Barbara Gindl
  • Frühere Angleichung des Frauenpensionsalters für Khol "keine aktuelle Frage"
  • weiter

Tier- und Wasserschutz sind nun in der Verfassung verankert. - APAweb/Ole Spata dpa/lni
  • Einigung zwischen Koalition und Freiheitliche am Rande der Nationalratssitzung.
  • weiter

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl bei seiner Rede über "Sozialtourismus". - APAweb / Robert Jäger
  • Hundstorfer ärgert sich über "Demagogie" der Freiheitlichen.
  • weiter

Alle Lehrer werden Master. Auch Volksschullehrer müssen länger studieren. - apa/Georg Hochmuth
  • Alle Sekundarlehrer erhalten dieselbe Ausbildung; Mobilität wird erhöht.
  • weiter

  • Vizechef Norbert Hofer dementiert rassistische Aussagen.
  • weiter






Werbung