• vom 19.12.2012, 18:06 Uhr

Politik

Update: 19.12.2012, 18:26 Uhr

Gender

Einkommensschere wächst rasant




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  • Kaufkraft der Arbeiter mit geringen Bezügen sinkt.



Wien. Die Einkommen von Arbeitern haben in den vergangenen Jahren signifikant an Kaufkraft verloren, wobei die unteren Einkommensschichten besonders stark betroffen sind. Sie mussten seit 1998 ein Minus um 40 Prozent hinnehmen, wie der biennal erscheinende Einkommensbericht des Rechnungshofs belegt. Aus der Untersuchung geht auch hervor, dass sich in den vergangenen 14 Jahren der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen nicht verringert hat.


Insgesamt zählt der Einkommensbericht rund vier Millionen unselbstständig Erwerbstätige, also Arbeiter, Angestellte, Beamte und Vertragsbedienstete. Ermittelt wurde das Medianeinkommen, das ist jener Wert, bei dem genau die Hälfte mehr und die andere Hälfte weniger verdient. Im Jahr 2011 betrug dieses Medianjahreseinkommen 24.843 Euro brutto, wobei Arbeiter mit 18.157 Euro das geringste Einkommen aufwiesen. Die höchsten Werte gibt es (wegen hohem Akademikeranteil und Dienstalter) bei den Beamten mit 49.274 Euro.

Auch bei Angestellten sank die Kaufkraft im unteren Einkommenssegment, ansonsten stagnierte sie, ein Plus verzeichneten nur die Beamten. Auffällig ist für den Rechnungshof, dass seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 selbst ein Gutteil jener Personen sinkende Realeinkommen hinnehmen musste, die ohne Unterbrechung durchgehend beschäftigt waren. Einkommenszuwächse unter der Inflationsrate gab es hier für 35 Prozent der Arbeiter und 26 Prozent der Angestellten. Das Einkommensplus der Pensionisten lag seit 2002 übrigens in den meisten Jahren über der Inflationsrate und dem Pensionistenpreisindex (mit Ausnahme von 2004 und 2011).

Löhne und Gehälter von Frauen unverändert niedrig
Seit 14 Jahren unverändert ist die Einkommensschere zwischen den Geschlechtern: Das mittlere Einkommen der Frauen lag 1998 wie 2011 nur bei 60 Prozent des mittleren Männereinkommens. Ein Grund dafür ist der große Frauenanteil bei atypisch Beschäftigten, die vom Rechnungshof erstmals gesondert erfasst wurden. Jede zweite ganzjährig erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit, bei Männern sind es nur acht Prozent.

Bei anderen atypischen Beschäftigungsverhältnissen (befristete Dienstverhältnisse, Leiharbeit, geringfügige Beschäftigung) sind ebenfalls Frauen überproportional vertreten. Gemeinsam mit Teilzeitjobs machen diese Beschäftigungsverhältnisse 39 Prozent aller Unselbständigen aus, wobei der Frauenanteil im Jahr 2011 bei 59 Prozent lag.

Am geringsten ist die Einkommensschere nach wie vor im öffentlichen Dienst: Das mittlere Einkommen der Beamtinnen erreichte 2011 immerhin 94 Prozent des Vergleichswerts der männlichen Kollegen, bei den Vertragsbediensteten waren es 77 Prozent. Die höchsten Medianeinkommen sind allerdings ohnehin nicht bei den Unselbstständigen zu suchen, sondern bei den Freiberuflern: Fachärzte verdienten zuletzt 113.944 Euro jährlich, Allgemeinmediziner 82.687 Euro. Allerdings gibt es auch bei diesen Einkommen eine ungerechte Verteilung: Fachärzte beziehen ein zweieinhalbmal so hohes Einkommen wie Fachärztinnen.




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Dokument erstellt am 2012-12-19 18:11:08
Letzte Änderung am 2012-12-19 18:26:41



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