• vom 23.12.2012, 17:04 Uhr

Politik

Update: 12.07.2017, 15:06 Uhr

Pakistan

"Was ist los in diesem Land?"




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Von Bettina Figl

  • Der 47-jährige Khan Adalat floh vor acht Jahren aus dem pakistanischen Swat-Tal vor den Taliban.

Drohbrief der Taliban (r.) und die Todesanzeige eines Cousins Adalats.

Drohbrief der Taliban (r.) und die Todesanzeige eines Cousins Adalats.

"Sie wollen Beweise? Ich bin der Beweis", sagt Adalat und deutet auf sich. Stanislav Jenis

"Sie wollen Beweise? Ich bin der Beweis", sagt Adalat und deutet auf sich. Stanislav Jenis "Sie wollen Beweise? Ich bin der Beweis", sagt Adalat und deutet auf sich. Stanislav Jenis

Wien. Khan Adalat ist 47 Jahre alt und sagt: "Mein Leben ist vorbei." Seit exakt einem Monat campiert er mit etwa 30 weiteren Flüchtlingen vor der Votivkirche. Unter ihnen sind viele Afghanen, die Mehrheit stellen aber Pakistani, auch Adalat stammt aus dem Swat-Tal im Norden Pakistans. Der Mann mit den tiefen Furchen im Gesicht betont, er sei kein Pakistani, sondern Paschtune. Er kommt aus dem Wüstengebiet zwischen Afghanistan und Pakistan - just jenem Gebiet, in dem die islamistische Taliban gegründet wurden.

Als ihn die "Wiener Zeitung" in einem Café neben dem Votivpark zum Gespräch trifft, sprudelt es aus ihm heraus: Seit dem Nato-Einsatz 2001 werde in seiner Heimat gekämpft, die Drohnen-Angriffe und Attacken der Amerikaner richten sich nicht nur gegen die Taliban. Da er politisch aktiv war, habe er Morddrohungen erhalten: Er zeigt einen handgeschriebenen Drohbrief und fischt die Todesanzeige seines Cousins aus seiner Tasche: Dieser wurde von den Taliban erschossen, nachdem er nach zehn Jahren in den USA zurückgekehrt war.


Um diesem Schicksal zu entrinnen, sei er vor acht Jahren geflüchtet, seither habe er seine Familie nicht mehr gesehen, an die Gesichter seiner fünf Kinder könne er sich kaum erinnern. Seine ältesten Söhne, die an der Universität studieren, werden nach wie vor verfolgt, weshalb sie oftmals den Wohnsitz wechseln und noch öfter ihr Äußeres: "Einmal tragen sie einen langen Bart, einmal sind sie rasiert", so Adalat.

Vor der Votivkirche zelten seit November rund 30 Flüchtlinge.

Vor der Votivkirche zelten seit November rund 30 Flüchtlinge. Vor der Votivkirche zelten seit November rund 30 Flüchtlinge.

Wenn er von seiner Familie spricht, senkt sich seine Stimme. Seine jüngste Tochter ist 14 Jahre alt, gleich alt wie die Friedensaktivistin Malala Yousufzai. Als dieser im Swat-Tal im Oktober 2012 von den Taliban am Weg in die Schule in den Kopf geschossen wurde, fragte Adalats Tochter in einem Telefonat: "Warum darf ich jetzt nicht mehr in die Schule gehen?"

Adalat: "Die Asylheime waren wie Gefängnisse"
Seit sieben Monaten ist Adalat in Österreich: Die ersten vier Wochen war er in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen, danach fünf Monate in einem Asylheim in Hoheneich im Waldviertel nahe der tschechischen Grenze. "Das war ein Gefängnis", sagt er und berichtet von Einöde, unzumutbaren hygienischen Zuständen und Isolation. Er hatte eine einzige Deutschstunde in fünf Monaten. Brachte ein Freund Essen vorbei, wurde es heimlich im Badezimmer heruntergeschlungen, selbst kochen war nicht erlaubt. 40 Euro Grundversorgung monatlich, keine Bewegungsfreiheit. Daher borgte sich Adalat von Freunden Geld und mietete sich in eine Wohngemeinschaft in Hafnerbach nahe St. Pölten ein. Seither stehen ihm monatlich 290 Euro zur Verfügung doch allein die Miete beträgt 180 Euro.

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Dokument erstellt am 2012-12-23 17:08:06
Letzte nderung am 2017-07-12 15:06:28




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