• vom 17.04.2013, 17:40 Uhr

Politik

Update: 18.04.2013, 11:35 Uhr

Sepp Schellhorn

Neo-Partei startet Vorwahlen mit bunter Kandidatenliste




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Von Katharina Schmidt

  • "Silicon Valley für Österreichs Politik": Niko Alm und Sepp Schellhorn treten an.

Hofft auf mehr monetäre Unterstützung und hat kein Interesse am Kirchenvolksbegehren: Neos-Chef Matthias Strolz. - © apa/Pfarrhofer

Hofft auf mehr monetäre Unterstützung und hat kein Interesse am Kirchenvolksbegehren: Neos-Chef Matthias Strolz. © apa/Pfarrhofer

Wien. Der eine ist durch ein Nudelsieb auf dem Kopf berühmt geworden, der andere als langjähriger Präsident der Hoteliersvereinigung. Es ist eine bunte Truppe, die Neos-Gründer Matthias Strolz am Mittwoch der Öffentlichkeit präsentierte. Und ebenso bunt und neuartig funktioniert die Zusammenstellung der Bundesliste: Insgesamt 65 Kandidaten stellen sich noch bis 28. April auf der Website der Neos der Wahl. Alle - auch Nicht-Mitglieder - können sich gegen zehn Euro Unkostenbeitrag als Wähler eintragen lassen und die Kandidaten mitbestimmen. Diese Stimmen aus dem Internet - laut Strolz haben sich bereits 180 Personen registrieren lassen - fließen zu einem Drittel in die Listenerstellung ein. Jeweils mit einem weiteren Drittel gewichtet wird die Wahlentscheidung durch den Vorstand und die Entscheidung der Mitglieder. Einzige Einschränkung: Durch die Kooperation mit dem Liberalen Forum sind einige Listenplätze fix an LIF-Kandidaten vergeben.

Neben Strolz selbst und Vorstandsmitglied Beate Meinl-Reisinger, die aus der Wiener ÖVP kommt, bewerben sich auch junge Liberale (etwa Julis-Chef Nikolaus Scherak und Claudia Gamon, Spitzenkandidatin für die ÖH-Wahl) um Listenplätze. Die beiden prominentesten Neuzugänge sind aber Sepp Schellhorn und Niko Alm. Schellhorn, langjähriger Präsident der Hoteliersvereinigung, Mitglied im ÖVP-Wirtschaftsbund, auf Gemeindeebene für die Volkspartei und auf Landesebene für den Salzburger ÖVP-Kandidaten Wilfried Haslauer aktiv, war am Mittwoch nur über Video zugeschaltet. "Österreich braucht etwas Neues und Frisches", sagte er und sprach sich für einen schlanken Staat aus. Sein Verhältnis zur Volkspartei will er in den kommenden Wochen klären.

Auch Alm will etwas verändern. Diese Woche läuft das von ihm mitinitiierte Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien, das - im Gegensatz zum Demokratiebegehren - von den Neos dezidiert nicht unterstützt wird.

Problem: Geld und Personal
Alm kandidierte bereits auf Gemeindeebene für die Grünen und trat - aus aktivistischen, nicht aus ideologischen Gründen - dem Bauernbund bei. Zum ideologischen Problem könnte der bekennende Atheist, der einst aus Protest gegen die Bevorzugung von religiösen Symbolen am Führerscheinbild ein Nudelsieb aufsetzte, für die Neos werden. Denn die Sympathisanten stammen bisher vornehmlich aus dem liberalkatholischen Lager. "Und die werden wohl kaum vom Anti-Kirchenprivilegien-Volksbegehren angesprochen", sagt Politik-Experte Thomas Hofer. Diese Nominierung birgt ein gewisses Risiko. Alm ist selbst unglücklich darüber, dass die Vorwahl und die Eintragung für das Volksbegehren zur selben Zeit stattfinden.

So sehr die Neos auch im Internet Aufmerksamkeit auf sich ziehen - laut Meinl-Reisinger haben sie bereits die Piraten überholt -, so schwierig dürfte es für sie in der "echten Welt" werden. Denn der Werbedruck steige immer stärker, je näher der Wahltermin rückt. Abseits des Duells Strache gegen Stronach die breite Masse zu erreichen, werde schwierig, sagt Hofer. Apropos Werbedruck: Auch der finanzielle Druck könnte ein Problem werden. Die Neos sammeln zwar fleißig Spenden - und teilen sich mit dem LIF brüderlich die Finanzspritze des Bauunternehmers Hans-Peter Haselsteiner. Doch geht es nach Strolz, dann soll aus den bisher gesammelten 200.000 Euro bald eine Million werden. Dass dies möglich ist, zweifelt Hofer nicht an- angesichts der 25 Millionen, die Stronach einplant, würden die Neos damit aber wohl nicht das Auslangen finden.

Den Enthusiasmus lässt man sich dort trotz allem nicht abkaufen. "Neos ist das Silicon Valley für Österreichs Politik, in ein paar Jahren wird das, was wir jetzt machen, in allen Parteien Standard sein", sagte Strolz.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2013-04-17 17:44:04
Letzte Änderung am 2013-04-18 11:35:04


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