• vom 19.02.2014, 17:49 Uhr

Politik

Update: 19.02.2014, 18:14 Uhr

Wissenschaft

Weniger Uni-Plätze in Jus?




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  • Minister Mitterlehner sieht neue "Hochschulmilliarde" als "Mindestanforderung"
  • Unis und Forschung mit zusätzlichem Finanzbedarf von 1,6 Milliarden Euro.

Die Umstellung auf Studienplatzfinanzierung kostet Geld, sie ist also nur vielleicht machbar. - © apa/Newald

Die Umstellung auf Studienplatzfinanzierung kostet Geld, sie ist also nur vielleicht machbar. © apa/Newald

Wien. (est) Auch in den Rechtswissenschaften und in einigen Sprachstudien könnte die Zahl der Studienplätze beschränkt werden. Das kündigte Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner am Dienstagabend vor Journalisten an. Derzeit läuft ein Probedurchgang zur Studienplatzfinanzierung in den "Massenfächern" Architektur, Informatik, Biologie, Pharmazie und Wirtschaftswissenschaften. Laut Regierungsprogramm soll die Zahl der Fächer erweitert werden - Mitterlehner hält Sprachen und Jus aufgrund der hohen Studierendenzahlen für "naheliegend".

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"Bestehende Zugangsbeschränkungen auszuweiten, anstatt endlich in die Hochschulen zu investieren, zeigt die Zukunftsfeindlichkeit der Hochschulpolitik", zeigte sich vom Florian Kraushofer vom Vorsitzteam der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) in einer ersten Reaktion entsetzt.

Im System der Studienplatzfinanzierung wird in jedem Studienfeld gesetzlich eine Anzahl an Plätzen festgelegt. Wer das entsprechende Fach zu studieren beginnen möchte, muss eine Aufnahmeprüfung bestehen. Allerdings kostet das zunächst mehr Geld. "In Uni-Rankings ist das Verhältnis von Studierenden zu Betreuenden ausschlaggebend. Wir müssen unsere Relation von 1:122 verbessern", stellt Mitterlehner klar. Für den derzeitigen Testlauf wurden daher bereits 97 zusätzliche Professuren geschaffen. Weiters müssen vorübergehende Verdrängungseffekte durch andere, frei zugängliche Fächer abgefangen werden - die Kosten sinken somit erst langfristig.

Bei einer vollen Umsetzung der Studienplatzfinanzierung sieht Mitterlehner für Wissenschaft, Forschung und Universitäten bis 2018 einen zusätzlichen Finanzbedarf von 1,6 Milliarden Euro. Sollte weniger ausgeschüttet werden, müsse die Studienplatzfinanzierung an sich verschoben werden.

Einschränkungen durch Hypo-Pleite
Aufgeschlüsselt in die einzelnen Bereiche seien in der nächsten Leistungsvereinbarungsperiode (2016 bis 2018) insgesamt 615 Millionen Euro für die reine Inflationsabgeltung bei den Unis nötig. Der Ausbau der Studienplatzfinanzierung schlage mit 485 Millionen Euro zu Buche, die Weiterführung des Ausbaus der Studienplätze an Fachhochschulen auf 50.000 Plätze mit 62 Millionen Euro. Für die Absicherung der Forschungsfinanzierung durch den Wissenschaftsfonds FWF und die Akademie der Wissenschaften (ÖAW) berechnet der Minister 383 Millionen Euro. Die insgesamt nötige Summe von 1,6 Milliarden Euro sei dem Finanzministerium bereits kommuniziert worden, "wir haben aber noch keinen Durchbruch", so Mitterlehner.

Angesichts der Hypo-Pleite versprechen die Verhandlungen zäh zu werden. "Momentan haben wir das Problem einer Bank, die entsprechende finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringt, was die Abwicklung betrifft. Die nächsten Jahre werden nicht einfach für den Steuerzahler", warnte er. Als "Mindestanforderung" nannte der Minister eine neue "Hochschulmilliarde": "Die muss sich wiederfinden im Finanzrahmengesetz. Sonst haben wir ein gröberes Darstellungsproblem."

Für den derzeit aus Rücklagen und Sondermitteln finanzierten FWF, der Projekte der Grundlagenwissenschaft an den Unis finanziert, strebt Mitterlehner an sich ein fixes Budget an. "Momentan ist Politik allerdings das Bohren dicker Bretter, und zwar nicht, weil jemand nicht will, sondern weil wenig Geld vorhanden ist." Bereits das Budget für 2014/2015 wurde um rund 42 Millionen Euro gekürzt. Die fehlende Summe wird nun durch Mittel aus Auflösungen von Rücklagen aus nicht umgesetzten Projekten und Effizienzsteigerungen wettgemacht.

Studiengebühren sind für den Minister kein Thema. "Das ist mit der SPÖ verhandelt worden, es gab keine Lösung und es hat keinen Sinn, die Unis mit derartigen Aussagen zu verunsichern", sagte er: "Von mir aus wird das nicht kommen." Lieber möchte Mitterlehner einen Fonds zur Förderung privater Mittel für die Forschung gründen und gemeinnützige Stiftungen ausbauen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2014-02-19 17:53:07
Letzte nderung am 2014-02-19 18:14:08



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