• vom 08.03.2014, 06:00 Uhr

Politik


Interview

"Gendern bringt mir auch nicht mehr am Gehaltszettel"




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Von Wolfgang Zaunbauer

  • Die Generalsekretärin der ÖVP Frauen über Frauentag, Quoten und Kandidaten.



"Wiener Zeitung": Was bedeutet einer jungen Konservativen der Frauentag?

Theresia Leitinger: Ich glaube, dass man den Frauentag und die Frauenpolitik völlig neu denken muss. In der öffentlichen Wahrnehmung geht es da eher um Emanzipation, Gendern und Quoten. Gendern bringt mir am Ende des Monats aber auch nicht mehr am Gehaltszettel. Die Einkommensschere ist ein wirkliches Problem. Das darf man aber nicht mit der Frage der Teilzeitbeschäftigung vermischen - da unterscheiden wir uns von den SPÖ-Frauen, die Teilzeit als Armutsfalle sehen. Qualifizierte Teilzeitarbeitsplätze würden vielen Frauen den Wiedereinstieg in den Beruf erleichtern. Daher darf man Teilzeit nicht verteufeln.

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Wie ist das Standing der Frauen in der ÖVP?

Wir sind genauso wie alle anderen Bünde bei allen Sitzungen vertreten und statutarisch gleichwertig. Ich glaube, dass wir uns in eine gute Richtung bewegen. Unsere EU-Liste zum Beispiel ist im Reißverschlusssystem erstellt - das war nicht einfach.

Aber die EU-Kandidatinnen sind keine Frauenbund-Kandidatinnen. Platz zwei ist vom Bauernbund, Platz vier von der Westachse, Platz sechs eine steirische Kandidatin.

Ich finde es bemerkenswert, wenn Leute von außen der ÖVP das Bündedenken vorwerfen und dann, wenn wir das überwinden indem gerade die Frauen stark kooperieren, wieder mit den Bünden kommen. Es geht darum, wer am besten für Europa ist. Daher wird Elisabeth Köstinger von uns genauso unterstützt wie vom Bauernbund. Sie ist nicht vom Bauernbund gepachtet, sondern macht tolle Politik für die Frauen. Aber man muss auf das Gesamtbild schauen und die Einzelinteressen in der Partei hintanstellen.

Aber als Frauenpolitikerin muss es Ihnen doch in erster Linie um Frauen gehen. Da kann man doch nicht zufrieden sein mit 13 von 47 Nationalratsabgeordneten und zwei von sieben Regierungsmitgliedern.

Die SPÖ hat auch nur zwei - und keiner würde sagen, die SPÖ-Frauen sind unbedeutend. Mit vier von 14 Ministern macht das 28,6 Prozent, im EU-Schnitt sind es 27. Ich bin nicht damit zufrieden, es gibt noch viel zu tun. Aber genau deshalb gibt es uns ja. Man muss schauen, wer sind die besten Leute. Und es ist unsere Aufgabe als Frauenbewegung, aufzuzeigen, dass auch die Frauen zu den Besten gehören.

Ist Politik für Frauen schwieriger als für Männer?

Es ist schwieriger, weil wir noch weniger sind, vor allem in den Führungspositionen. Aber die Ausgangsbasis sollte gleich sein, wobei man - egal ob Mann oder Frau - in der Politik nie ein leichtes Standing haben wird.

Braucht es eine Quote?

Ich bin kein Fan der Quote, weil sie das Geschlecht eines Menschen über seine Qualifikation stellt. Aber weil weniger Frauen in Führungspositionen sind, muss man ihnen einen Weg dorthin explizit aufzeigen. Daher ist das Reißverschlusssystem super. Wir haben überall gute Frauen - sie werden nur oft zu wenig gesehen und gehört. Eine Frau drängt sich halt oft nicht so in den Vordergrund wie ein Mann.

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter ist mit einem Adoptionsrecht für Homosexuelle vorgeprescht - was die Partei nicht einmal diskutieren will. Wie denken Sie darüber?

Das war seine Privatmeinung. In der ÖVP ist Familienministerin Sophie Karmasin für diese Fragen zuständig, und ich bin überzeugt dass sie bereits an einer guten Lösung arbeitet. Das muss man aber zuerst intern klären, nicht sich über die Medien Privatmeinungen ausrichten.

Theresia Leitinger
Die Grazerin (25) studierte in Wien Geschichte und Jus und absolvierte die Diplomatische Akademie. Seit Mai 2013 ist sie Generalsekretärin der ÖVP-Frauen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2014-03-07 17:05:10
Letzte Änderung am 2014-03-07 17:40:40



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