• vom 14.04.2014, 17:50 Uhr

Politik


Politaktionismus

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Von Wolfgang Zaunbauer

  • EU-Kandidat Martin Ehrenhauser campiert aus Protest vor dem Bundeskanzleramt. Aber was bringt politischer Aktionismus?

Ein Zeichen setzen, statt zu diskutieren. Martin Ehrenhauser und ein paar Mitstreiter campieren vor dem Kanzleramt.

Ein Zeichen setzen, statt zu diskutieren. Martin Ehrenhauser und ein paar Mitstreiter campieren vor dem Kanzleramt.© apa/expa/Gruber Ein Zeichen setzen, statt zu diskutieren. Martin Ehrenhauser und ein paar Mitstreiter campieren vor dem Kanzleramt.© apa/expa/Gruber

Wien. Und dann stand er auf und ging einfach.

Eigentlich hätte Martin Ehrenhauser am Sonntag mit den anderen Spitzenkandidaten der Kleinparteien über die EU-Wahl diskutieren sollen. Stattdessen hielt der Vertreter des Wahlbündnisses "Europa anders" gleich zu Beginn der ORF-"Pressestunde" einen - in seltener Einhelligkeit von sämtlichen Medien als "wirr" bezeichneten - Monolog über das Hypo-Desaster, stand dann auf und verließ das Fernsehstudio, um fortan vor dem Bundeskanzleramt protestierend zu campen.


Beim Lokalaugenschein der "Wiener Zeitung" Montagvormittag am Ballhausplatz ist der EU-Mandatar noch da. Und mit ihm eine Handvoll Mitstreiter. Die Nacht habe er mit Schlafsack und Isomatte direkt vor dem Kanzleramt verbracht, sagt Ehrenhauser. Um halb sechs in der Früh habe sie dann ein Polizist geweckt und gebeten, den Eingang freizumachen, daraufhin wurde das Camp zum Volksgarten hin verlegt.

100 Leute seien sie am Sonntag gewesen, erzählt Spitzenkandidat Ehrenhauser, der seinerzeit auf der Liste Martin ins EU-Parlament einzog. Übernachtet haben vor dem Parlament aber nur fünf. Und auch jetzt ist die Menge ziemlich übersichtlich: Ehrenhauser, vier Mitstreiter (von denen einer noch immer schläft), ein paar Journalisten, die Wortmeldungen einholen, und ab und zu ein neugieriger Tourist.

Paul mit der Gitarre
Einer, der mit Ehrenhauser vor dem Kanzleramt protestiert, ist Paul Beneder, Paul mit der Gitarre. Er hat nicht hier übernachtet, weil er als Sozialpädagoge Nachtdienst hatte. Nun steht er am Ballhausplatz und singt gegen das Hypodesaster an.

Unweigerlich denkt man an den "Grotesksong" der Punkband "Die Ärzte": Ihr prangert an und ihr singt von Problemen. Ich bin sicher, dass sich alle schlechten Menschen jetzt schämen.

Paul wollte am Sonntag eigentlich die Pressestunde sehen, "aber ich war zu spät dran und als ich eingeschaltet habe, war Ehrenhauser schon weg". Als er schließlich in den Sozialen Medien gelesen habe, dass es vor dem Kanzleramt ein Protestcamp gibt, habe er gedacht: "Coole Aktion." Was Paul politisch zum Protest treibt, sind seine Kinder: "Die müssen ihr Leben lang dafür zahlen, was hier verbrochen wird."

Das Verbrechen Hypo
"Was hier verbrochen wird", ist die milliardenteure Abwicklung der Hypo. Zumindest aus Sicht von "Europa anders", einem Zusammenschluss von Kommunisten, Piratenpartei und der linken Partei "Der Wandel", an deren Spitze sich als Unabhängiger Ehrenhauser gestellt hat. Auch der Spitzenkandidat sagt: "Das große Verbrechen ist die Bankenrettung." Aber vor allem: "Die Austeritätspolitik, um die Banken zu retten, ist ein Riesenverbrechen." Um darauf aufmerksam zu machen, hätten er und seine Mitstreiter am Samstag beschlossen, "die Pressestunde zu nützen, um ein aktionistisches Zeichen zu setzen".

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