• vom 19.09.2014, 12:07 Uhr

Politik


Pflege

Ausgaben für Pflege bis 2030 mehr als verdoppelt




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  • Wifo rechnet mit deutlichen Anstieg der öffentlichen Ausgaben für Pflege - auch wegen des erwarteten Arbeitskräftemangels.

Wien. (sir) Manchmal ist es nur eine Kleinigkeit, die nicht mehr geht: das tägliche Anziehen der Strümpfe, das Bücken, wenn irgendwas auf den Boden gefallen ist, das Aufhängen der nassen Wäsche. Wenn diese kleinen Tätigkeiten des Alltags nicht oder kaum mehr gehen, ist bereits Pflegebedarf gegeben. Und angesichts der demografischen Entwicklung der Gesellschaft und der steigenden Lebenserwartung betrifft dies immer mehr Menschen in Österreich.


Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hat nun eine Studie publiziert, die von mehr als einer Verdoppelung des öffentlichen Aufwandes im Pflegebereich bei Sachleistungen bis ins Jahr 2030 ausgeht. Im Sozialministerium wird diese Einschätzung geteilt, bereits vorangegangene Untersuchungen hätten einen ähnlichen Anstieg der Kosten vorhergesagt, heißt es. Allerdings berichtet die Wifo-Studie auch von kostensenkendem Potenzial in der Pflege.

Einsparungen von rund zehn Prozent, so schätzt das Wifo, sind in der Verlagerung von stationärer zu mobiler Pflege möglich, wobei Studienautor Matthias Firgo anmerkt, dass dabei kaum Substitution stattfinden kann. "Das Pflegeheim ist eigentlich der letzte Schritt, bei dem es keine Alternative gibt. Die mobile Pflege kann den Eintritt in stationäre Pflege verzögern, aber sie wird sie nicht verhindern", sagt Firgo.

Differnziertes Angebot
Seit vor drei Jahren der Pflegefonds installiert wurde, der die Finanzierung der Pflege in Österreich gewährleistet und die Mittelverteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden regelt, wird auch mehr in den Ausbau mobiler Dienste investiert, die spezifischer auf die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen eingehen. Denn die sind eben sehr unterschiedlich gelagert beziehungsweise werden häufig auch gewisse Tätigkeiten von Angehörigen und Nachbarn übernommen.

Klar ist, dass die stationäre Pflege die teuerste Form der Pflege darstellt, die monatlichen Kosten betragen je nach Betreuungsaufwand bis zu 4000 Euro pro Person. Dass aber ohnehin viele Betroffene lieber in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich bleiben wollen, kommt der öffentlichen Hand hier zugute. Jedoch ist auch der Aufwand nicht zu unterschätzen, das ideale Setting für einen Pflegebedürftigen zu finden, und es ist auch nicht leicht, eine genaue Expertise über die Bedürfnisse zu erstellen.

Länder und Gemeinden seien jedenfalls aufgefordert, heißt es aus dem Sozialministerium, darauf zu schauen, was die Betroffenen auch tatsächlich brauchen. Mittlerweile ist das Angebot in den meisten Bundesländern auch recht differenziert, bin hin zu einem Wäscheservice oder Tageszentren für Senioren.

450.000 Pflegegeld-Bezieher
Bemerkenswert ist, dass das Wifo den zu erwartenden Anstieg für die einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich taxiert, von plus 112 Prozent für das Burgenland bis zu plus 159 Prozent für Vorarlberg, wobei im westlichsten Bundesland schon bis 2020 ein Plus von rund 60 Prozent vorhergesagt wird. Im Jahr 2012 haben die Länder und Gemeinden insgesamt 1,67 Milliarden Euro für Langzeitpflege aufgewendet.

Ein Grund für die Kostensteigerung sieht das Wifo auch in dem zu erwartenden Arbeitskräftemangel und dem daraus folgenden Anstieg des Lohnniveaus. Auch eine bessere Ausbildung von Pflegekräften dürfte die Personalkosten steigen lassen. "Gibt es mehr diplomierte Pflegekräfte, gibt es auch höhere Kosten, allerdings könnten dafür dann die Krankheitskosten sinken", erklärt Firgo.

In der Wifo-Studie nicht berücksichtigt wurden Geldleistungen, da diese zur Gänze vom Bund getragen werden und sich die Forscher nur den Ausgaben von Ländern und Gemeinden gewidmet haben. Laut Sozialministerium gibt es in Österreich derzeit 450.000 Bezieher des Pflegegeld, das in sieben Stufen gestaffelt ist. Die Hälfte der Bezieher fallen in die zwei niedrigsten Kategorien.




Schlagwörter

Pflege, Pflegeausgaben, Wifo

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Dokument erstellt am 2014-09-19 12:11:03



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