• vom 19.11.2014, 18:17 Uhr

Politik

Update: 19.11.2014, 18:26 Uhr

Jagdkarte

Zielwasser im Visier




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Von Petra Tempfer

  • Grüne und Neos fordern ein gesetzlich geregeltes Alkoholverbot für die Jagd. Zuletzt wurde ein Treiber von einem Jäger tödlich getroffen.


© apa/Barbara Gindl © apa/Barbara Gindl

Wien. Dass der Jägermeister Jägermeister heißt, liegt nahe. Curt Mast, der Erfinder des bekannten Kräuterlikörs, war selbst begeisterter Jäger. Der Flachmann im grünen Jackett der Waidmänner ist mittlerweile legendär. Das mag freilich ein veraltertes Vorurteil sein. Seit zu Beginn dieses Monats ein Treiber im Bezirk Hollabrunn durch ein durch Äste abgelenktes Projektil eines Jägers am Kopf schwer verletzt worden ist, ist allerdings eine Diskussion um eine Neuregelung der Landesjagdgesetze entflammt. Der Österreichische Tierschutzverein fordert ein gesetzlich geregeltes Alkoholverbot bei der Jagd, die Innung der Augenoptiker verpflichtende Sehtests für Jäger in regelmäßigen Abständen.

Und auch vonseiten der Politik kommen deutliche Signale, die die aktuelle Regelung der Jagd als veraltert abstempeln. Grüne und Neos sind für eine Gesetzesänderung, in der ein Alkoholverbot bei der Jagd verankert ist. "Der Gebrauch einer Waffe ist gefährlich, daher sollte man sie ganz klar nüchtern verwenden", sagt etwa Albert Steinhauser, Justizsprecher der Grünen. Auch die Neos können sich "jedenfalls vorstellen, ein Alkoholverbot wie beim Autofahren - also 0,5 Promille - einzuführen", heißt es auf Nachfrage der "Wiener Zeitung".

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Geschlossene Ablehnung
gegen Sehtests

Gegen eine Überreglementierung in diesem Zusammenhang sprechen sich indes ÖVP, FPÖ und Team Stronach aus. "Klar ist, dass es an jeder einzelnen Jägerin und jedem einzelnen Jäger liegt, für ein Maximum an Sicherheit bei der Jagd zu sorgen", heißt es etwa von der ÖVP. "Eine überschießende Regulierungswut wird tragische Unfälle nicht verhindern", meint die FPÖ.

Regelmäßige, verpflichtende Sehtests lehnen die Parteien indes geschlossen ab. In diesem Punkt sei auf die Eigenverantwortung der Jäger zu setzen. Aktuell ist es so, dass für die Verlängerung der Jagdkarte lediglich der Erlagschein von etwas mehr als 100 Euro jährlich eingezahlt werden muss. Allein für den Ersterwerb ist eine Jagdprüfung mit Theorie- und Praxisteil erforderlich. Österreichweit sind rund 120.000 Jahresjagdkarten im Umlauf.

Die Jägerschaft kann die gesamte Aufregung nicht verstehen. Ähnlich wie beim Skifahren gibt es zwar bei der Jagd keine gesetzlich geregelte Promillegrenze - "bei einer Jagdveranstaltung wird aber niemand Alkohol anbieten, bevor die Jagd zu Ende ist", sagt der Generalsekretär der Zentralstelle der Landesjagdverbände, Peter Lebersorger, zur "Wiener Zeitung". Allerdings könne man freilich nicht verhindern, "dass jemand einen Flachmann dabei hat und drei Stamperl trinkt". Lebersorger setzt dabei auf Eigenverantwortung. Jeder Jäger müsse sich bewusst sein, dass -falls es zu einem Unfall kommt - die Menge Alkohol im Blut sehr wohl entscheidend für ein Gerichtsurteil sein kann.

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Dokument erstellt am 2014-11-19 18:20:04
Letzte nderung am 2014-11-19 18:26:04



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