• vom 31.03.2015, 21:39 Uhr

Politik


Milchwirtschaft

Milchseen gegen Quoten-Aus




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  • Heimische Bauern protestieren auf dem Wiener Ring gegen das Ende der Milchquote und warnen vor Überschüssen.

Ein junger Mann nimmt am Dienstag im Rahmen eines Aktionstages der IG Milch zum Thema "Ende der Milchquote" ein Bad in einem vor dem Haus der Europäischen Union in Wien angelegten Milchsee. - © apa/Georg Hochmuth

Ein junger Mann nimmt am Dienstag im Rahmen eines Aktionstages der IG Milch zum Thema "Ende der Milchquote" ein Bad in einem vor dem Haus der Europäischen Union in Wien angelegten Milchsee. © apa/Georg Hochmuth

Wien. Mit Milchseen, Transparenten und Traktoren protestierten die Milchbauern am Dienstag auf dem Wiener Ring gegen das Auslaufen der EU-weiten Milchquote. Ob und welche Auswirkungen dieses für heimische Landwirte hat, darüber ist man sich noch nicht einig. Der Bauernbund und die Landwirtschaftskammer sehen das Ende einer Produktionsobergrenze "als Chance". Die IG Milch und die Milchbauern zeigten auf der anderen Seite ihren Unmut mit einem Protestmarsch - inklusive Milchsee und Sarg. Der Vorwurf: Das Ende der 37 Jahre alten Regelungen wird zu Überproduktion und Preisdumping führen.



Die Milchquote wurde von der damaligen Europäischen Gemeinschaft, der Vorgängerin der EU, angesichts von Milchseen und Butterbergen eingeführt. Damit sollte die Überproduktion von Milchprodukten eingedämmt und der Marktpreis stabilisiert werden. Bisher erhielt jeder Milchbauer eine eigene Quote, die Voraussetzung für die Lieferung und Vermarktung war. Da diese Quoten jetzt ausgelaufen ist, kann jeder Bauer so viel Milch und Milchprodukte herstellen, wie er möchte.

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Angst vor Überproduktion
"Der Traum der wachstumswilligen Betriebe, dass mit dem Auslaufen der Quote dieses Wachsen leistbar wird, wird zu einem Bumerang werden", kommentierte IG-Milch-Obmann Ewald Grünzweil. Einige Bauern der IG Milch sind schon vorgestern mit ihren Traktoren im Rahmen einer Protestfahrt von Ober- und Niederösterreich nach Wien gefahren, um dann vor dem Europahaus und dem Landwirtschaftsministerium zu demonstrieren.

Auch die Grünen unterstützen die Proteste der Bauern. Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber fordert etwa einen Milchmindestpreis für Österreich und eine Branchenvereinbarung.

Das Milchquoten-Aus sieht Bauernbund-Direktor Johannes Abentung weniger dramatisch. "Längst ist das Quotenende eine wirtschaftliche Realität." Österreich exportiert bereits jetzt 40 Prozent seiner Milchproduktion. Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter verweist auf neue Exportkooperationen mit China. Heimische Milchprodukte sollen verstärkt dort abgesetzt werden.

Tatsache ist, dass in Österreich schon jetzt mehr Milch produziert als konsumiert wird, und zwar anteilsmäßig von immer weniger Bauern und immer weniger Milchkühen. Der Selbstversorgungsgrad bei Konsummilch liegt bei 167 Prozent. Mit dem Quotenaus erwarten heimische Molkereien nun einen weiteren Anstieg.




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Dokument erstellt am 2015-03-31 21:44:06



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