• vom 22.08.2015, 07:30 Uhr

Politik


Asyl

"Wir bieten an, und es wird abgelehnt"




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Von Mathias Ziegler

  • Die Orden wehren sich gegen den Vorwurf, im Asylbereich säumig zu sein.

Die Klöster öffnen sehr wohl ihre Tore, betont Beatrix Mayrhofer (im Bild Stift Kremsmünster,das eine afghanische Großfamilie beherbergt). Stift Kremsmünster

Die Klöster öffnen sehr wohl ihre Tore, betont Beatrix Mayrhofer (im Bild Stift Kremsmünster,das eine afghanische Großfamilie beherbergt). Stift Kremsmünster Die Klöster öffnen sehr wohl ihre Tore, betont Beatrix Mayrhofer (im Bild Stift Kremsmünster,das eine afghanische Großfamilie beherbergt). Stift Kremsmünster

Wien. Beatrix Mayrhofer ist hörbar genervt. Die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs hat es satt, sich regelmäßig sagen zu lassen, dass die Kirche mehr tun soll und die Orden ihre halbleeren Klöster für Flüchtlinge öffnen sollen: "Wer behauptet, dass wir zu wenig tun, soll uns ein Kloster zeigen, wo Flüchtlinge Platz hätten, die nicht aufgenommen werden." Um genau das nachzuprüfen und weitere potenzielle Quartiere zu requirieren, ist in jeder Diözese ein eigener Flüchtlingsbeauftragter ernannt worden.

"Bei der Grundversorgung gibt es schon jetzt eine ganz große Zahl von Beispielen, in denen sich Ordensgemeinschaften oder Pfarren engagieren, die auch in den kirchlichen Medien genannt, aber ansonsten nicht wahrgenommen werden", sagt Schwester Mayrhofer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Und fügt etwas verbittert hinzu: "Offenbar will man sich das Argument nicht wegnehmen lassen, dass die Kirche nichts tut. Ich komme nicht umhin, politische Interessen zu vermuten. Dabei erfüllt kaum jemand den Grundauftrag so stark wie die Kirche - denn man darf nicht vergessen, dass die Caritas, die ja inzwischen ein Markenzeichen geworden ist, eine Teilorganisation der Kirche ist. Und wenn man der Kirche vorwirft, dass sie nichts tut, dann unterstellt man indirekt, dass die Caritas nichts tut - was ja eindeutig nicht stimmt."

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Caritas betreut 30 Prozent
Tatsächlich betreut die Caritas derzeit österreichweit im Rahmen der Grundversorgung gut 30 Prozent der Asylwerber (rund 15.000 von insgesamt 50.000 Personen), damit ist sie die größte Trägerorganisation in diesem Bereich. 10.500 Personen werden mobil betreut, 4500 sind in kirchlichen Einrichtungen untergebracht (vor einem Jahr waren es rund 3000), also in Pfarrhöfen, Klöstern, Diözesangebäuden oder auch angemieteten Räumen.

Beeindruckend sind dazu die Zahlen aus Vorarlberg: Von den insgesamt rund 2000 Asylwerbern im Bundesland wohnen 1500 in 131 Caritas-Quartieren. Die meisten wurden eigens angemietet. Freie Räume gebe es in den Pfarren nämlich kaum, schildert Flüchtlingskoordinator Gebhard Barbisch laut "Kathpress": "96 der 150 Pfarrhöfe stehen nicht zur Verfügung, weil sie entweder vermietet oder von Priestern bewohnt sind. Ein weiterer Teil ist aufgrund des baulichen Zustandes nicht mehr benützbar oder benötigt mehr oder weniger aufwendige Adaptierungen und Renovierungen." Dennoch will Bischof Benno Elbs noch mehr Unterkünfte schaffen und steht dazu derzeit auch mit 29 Ordensniederlassungen in Kontakt. Ein Aufruf unter den Pfarren habe bisher 42 Grundflächen aufgetan, die sich zur Erstellung von temporärer Wohneinheiten eigneten. Die Angebote müssten nun mit den Verantwortlichen des Landes Vorarlberg erörtert werden, so Elbs.

Fast ebenso viele Asylwerber, nämlich 1300, sind in Oberösterreich in knapp 60 kirchlichen Quartieren (davon 12 Klöster) untergebracht. Flüchtlingskoordinator Johann Schwarzbauer-Haupt verspricht, dass es in naher Zukunft noch mehr werden: "Viele Pfarren sind bereit, aber die Räume müssen erst noch adaptiert werden." Auch er verweist darauf, dass "ein scheinbarer Leerstand eben nicht immer ein wirklicher Leerstand ist". Nicht zuletzt gebe es ja auch Räume in Pfarrhöfen, die zwar nicht bewohnt, aber von der Pfarrgemeinde selbst regelmäßig benutzt würden. Man dürfe ja auch nicht das Pfarrleben zum Erliegen bringen. Und Schwarzbauer-Haupt sagt auch, dass zu den Grundversorgungsquartieren auch noch diverse Wohnungen für bereits anerkannte Flüchtlinge kämen: "Wenn nach vier Monaten die Grundversorgung endet, brauchen sie ja immer noch eine Unterkunft." Diese Unterbringung durch die Kirche im Rahmen der Integration dürfe man auch nicht übersehen.

Klöster werden adaptiert
Nach und nach nehmen jedenfalls auch immer mehr Klöster Flüchtlinge auf. Erst diese Woche hat das Stift Melk vermeldet, dass ein früheres Verwaltungsgebäude nach Auslaufen des Pachtvertrages für Flüchtlingsunterkünfte zur Verfügung gestellt wird. Und in der Stiftspfarre Traiskirchen ist die Gästewohnung im Pfarrhof dauerhaft belegt. Der dortige Pfarrer Jochen Maria Häusler nimmt auch immer wieder obdachlose Asylwerber kurzfristig in seine eigene Wohnung, das Pfarrzentrum war im Juli Sammelstelle für die Caritas, unter Mithilfe vieler Pfarrmitglieder. In zwei Stiftspfarren hingegen sei die Unterbringung von Flüchtlingen an der mangelnden Unterstützung durch Bürgermeister und Gemeinderat gescheitert, heißt es. Einer der Pfarrer habe alle Bewohner seines Pfarrgebiets mit leerstehenden Wohnungen oder Häusern besucht, aber kein Quartier gefunden. Der Pfarrhof selber sei baulich nicht als Unterkunft geeignet.

Das Stift Admont wiederum hat kürzlich ein ehemaliges Bundeserholungsheim gekauft, in dem 70 Flüchtlinge unterkommen sollen. Und das Stift Klosterneuburg hat die nahe Kaserne erworben und darin 150 Flüchtlinge untergebracht. Auch das Stift Göttweig hat eigens eine Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie adaptiert. Das Missionshaus St. Gabriel bei Mödling hat einen ganzen Trakt zur Verfügung gestellt. Und die Barmherzigen Schwestern in Innsbruck sanieren derzeit ihr ehemaliges Internatsgebäude für die Aufnahme von 130 Flüchtlingen. "Nur ist das noch nicht fertig, deswegen ist dort noch niemand", erklärt Schwester Mayrhofer. "Das sind nur einige Beispiele von vielen, die Liste ließe sich noch viel länger fortsetzen."

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2015-08-21 13:17:05
Letzte nderung am 2015-08-21 19:15:02



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