• vom 01.10.2015, 18:17 Uhr

Politik

Update: 02.10.2015, 09:17 Uhr

Flüchtlinge

"Sie rettet mich, nicht ich sie"




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Von Bettina Figl

  • Wohnraum für Flüchtlinge dringend gesucht - Simon Hadler erzählt, wie eine syrische Mitbewohnerin seinen Alltag bereichert.



Wien. Wir befinden uns auf einem alten Bauernhof im Burgenland: Unter einem Nussbaum rauchen junge Männer und Frauen Shisha, am Lagerfeuer werden syrische Volkslieder und - was anderes ist den Österreichern nicht eingefallen - Ambros’ "Schifoan" gesungen. Auf den Heurigentischen stapeln sich fluffige Spinattaschen, gekochte Hühnerhaxen und dampfender Reis mit Mandeln und Rosinen. Würde man einen Werbefilm zu gelungener Integration drehen wollen, sollte man sich an Simon Hadler wenden.

Die oben beschriebene Szene hat sich zu Hadlers Geburtstags abgespielt, es war zugleich ein Willkommensfest für seine neue Mitbewohnerin: Im Juli 2015 ist die 28-jährige Alima mit ihrem neun Monate alten Baby in die Wiener Wohnung der Hadlers eingezogen. Seither teilen Hadler, seine Frau und die 13- und 15-jährigen Söhne ihre Altbauwohnung mit Alima und ihrem Kind. Das Ehepaar ist in ein Kabinett mit Hochbett gezogen, das Schlafzimmer wurde zum Mutter-Kind-Zimmer. Vorab gab es ein Kennenlernen, bei dem es gleich "Klick" gemacht habe, sagt Hadler: Die Familie und Alima verstanden sich blendend auf Anhieb.

Information

E-Book von Simon Hadler "Angst vor dem Ansturm"
"Flüchtlinge Willkommen" ist ein Projekt des Vereins "Vielmehr für alle" und vermittelt geflüchtete Menschen in Privathaushalte. www.fluechtlinge-willkommen.at und www.1000xwillkommen.at. Melden können sich sowohl Private mit Räumlichkeiten als auch Flüchtlinge auf der Suche nach einer Unterkunft. Auch auf der von ORF und NGOs gestarteten Plattform www.helfenwiewir.at werden Menschen, die Wohnraum zur Verfügung stellen wollen, und Flüchtlinge zusammengebracht.

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Hadler ist Journalist bei orf.at, wo er den "Faktencheck" veröffentlicht hat. Dieser Bericht, in dem er sachlich und klar mit Mythen in der Flüchtlingsdebatte aufräumt, wurde in den sozialen Netzwerken hunderttausend Mal geteilt. Aus seinen Besuchen in Traiskirchen und dem Flüchtlingslager Saatari in Jordanien sind eindrückliche Reportagen entstanden, seit dieser Woche liegen seine Recherchen und Erkenntnisse als E-Book vor. In "Die Angst vor dem ‚Ansturm‘" (Hanser Verlag) erklärt er, warum es wenig bringt, Hasspostern Analphabetismus vorzuwerfen, wie man der Angst vor dem Fremden durch persönlichen Kontakt den Wind aus den Segeln nimmt und warum es wichtiger wäre, eher Zeit- und Wohnraum zu spenden als Sachgüter.

Leid, Tod und Schmerz
Flüchtlinge waren in Hadlers Leben immer schon präsent; seine Kindergartenjahre hat er in Jordanien verbracht, wo er mit seinem Vater Flüchtlingslager besucht hat, später sind sie während der Kriegsjahre nach Jugoslawien gefahren. "Permanent mit Leid, Tod und Schmerz konfrontiert zu sein macht traurig", sagt Hadler. Wenn er nun nach Hause kommt, trifft er oft auf Alima, die gemeinsam mit ihrer besten Freundin am Küchentisch sitzt, lacht und Geschichten von Familien und Freunden erzählt.

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Dokument erstellt am 2015-10-01 18:20:06
Letzte nderung am 2015-10-02 09:17:06



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