• vom 18.01.2016, 22:15 Uhr

Politik

Update: 01.04.2016, 16:54 Uhr

Heinz-Christian Strache

Vorbei die Zeit der Freundlichkeiten




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  • Verbale Entgleisungen sorgen für schwere Dissonanzen zwischen Bundespräsident Heinz Fischer und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

Eines der letzten gemeinsamen Bilder: Strache (r.) zum Antrittsbesuch bei Fischer nach der Nationalratswahl 2013.

Eines der letzten gemeinsamen Bilder: Strache (r.) zum Antrittsbesuch bei Fischer nach der Nationalratswahl 2013.© apa/Hochmuth Eines der letzten gemeinsamen Bilder: Strache (r.) zum Antrittsbesuch bei Fischer nach der Nationalratswahl 2013.© apa/Hochmuth

Wien. (kats) Als gelernter Österreicher müsste man an den ruppigen Ton der Politiker-Elite untereinander gewöhnt sein. So waren die Auseinandersetzungen zwischen SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina und ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon kurz vor dem Ende der Gusenbauer-Regierung 2008 legendär. Beinahe täglich tauschten die beiden über Presseaussendungen Unfreundlichkeiten aus. Doch bei aller Aufrüstung: Die Wortwahl blieb die meiste Zeit oberhalb der Gürtellinie.

Für den Langzeit-Redenschreiber von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Herbert Kickl, gilt diese Linie oft nicht. Er ist Experte im Spiel mit verbalen Entgleisungen, die Aussicht auf eine gezielt eingesetzte Provokation lässt ihn schon einmal den Anspruch der Freiheitlichen, sich als potenzielle Kanzlerpartei hervorzutun, vergessen. So geschehen am vergangenen Wochenende, als Strache in seiner Neujahrsansprache Bundeskanzler Werner Faymann in der Flüchtlingskrise angriff: "Faymann ist in Wahrheit ein Staatsfeind, (...) ein Bürgerfeind und ein Österreichfeind", sagte er.

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Staatsfeind vs. Lehrer LämpelDamit rief er nicht nur die SPÖ auf den Plan, sondern auch Bundespräsident Heinz Fischer, der - mit Verspätung, aber doch - die FPÖ via Presseaussendung scharf kritisierte und erklärte, es müsse "unverzüglich und rechtzeitig die Stopptaste gedrückt werden", wenn eine Partei sich einer Ausdrucksweise bediene, die in einem demokratischen Land "absolut nichts verloren habe". Kickl, nicht verlegen, legte daraufhin nach: "in selbstgerechter Lehrer-Lämpel-Manier" versuche Fischer mit erhobenem Zeigefinger, auf sich aufmerksam zu machen. Während wir Österreicher daran gewöhnt sind, gehören derartige Verbalattacken in anderen deutschsprachigen Ländern keineswegs zum politischen Alltag. Laut dem Vorstand des Instituts für Sprachwissenschaft der Universität Wien, Florian Menz, liegt das auch daran, dass etwa in Deutschland "Pöbelparteien" wie die AfD nicht annähernd so viele Prozent der Wählerschaft auf sich vereinen können wie die FPÖ.

Für Menz zeugen die Aussagen der Freiheitlichen in erster Linie von einer "Respektlosigkeit gegenüber den Ämtern des Bundeskanzlers und des Bundespräsidenten". Die sprachliche Eskalation sei generell im Steigen begriffen - und zwar nicht nur bei der FPÖ. Wie stark sich diese Spirale weiterdreht, wird man im Bundespräsidentenwahlkampf beobachten können.




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Dokument erstellt am 2016-01-18 17:26:04
Letzte nderung am 2016-04-01 16:54:09



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