• vom 10.02.2016, 17:36 Uhr

Politik

Update: 10.02.2016, 17:44 Uhr

Andreas Schleicher

"Bildungsreformen liefen ins Leere"




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  • Pisa-Auswertung: Österreich gerät abermals in die Kritik der OECD.



Berlin/Wien. Die gute Nachricht zuerst: Österreich ist knapp besser als der OECD-Durchschnitt. Die schlechte: Gegenüber den anderen deutschsprachigen Ländern haben wir Aufholbedarf. Das geht aus einer speziellen Auswertung der letzten Pisa-Studie aus 2012 zu leistungsschwachen Schülern hervor, die die OECD am Mittwoch in Berlin präsentiert hat.

Als "Schüler mit Leistungsschwächen" definiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung jene Jugendlichen, die bei Pisa eine bestimmte Punktezahl unterschritten haben. Für diese wird angenommen, dass sie sich "in einer modernen Gesellschaft nicht vollständig zurechtfinden".


Zu diesen schwachen Schülern gehören in Österreich in Mathematik 19 Prozent (OECD-Schnitt: 23 Prozent), im Lesen 19,5 Prozent (OECD: 18 Prozent) und in Naturwissenschaften 16 Prozent (OECD: 18 Prozent). In Mathematik ist dieser Anteil in Österreich gegenüber der ersten Pisa-Studie praktisch konstant geblieben, im Lesen und in den Naturwissenschaften ist er jeweils um etwa einen Prozentpunkt leicht zurückgegangen. In allen drei Gebieten zu dieser Risikogruppe zählen in Österreich elf Prozent der Schüler. Der OECD-Schnitt liegt bei zwölf Prozent, schlechter schneiden die Schüler etwa in Schweden oder Bulgarien ab, besser in Deutschland, der Schweiz und Finnland (siehe Grafik).

Gemeinsame Anstrengung von Bund und Ländern fehlen
Für den OECD-Bildungsexperten Andreas Schleicher hat Österreich im Unterschied zu Deutschland zu wenig getan, um die Zahl der leistungsschwachen Schüler zu senken. "Viele Reformen sind interessant, aber nicht in der nötigen Konsequenz durchgeführt worden", sagte er im Ö1-"Mittagsjournal". Und: "Die verschiedenen Ebenen in Österreich, Bund und Länder haben nicht an einem Strang gezogen."

Deutschland habe dagegen einiges getan und die Zahl seiner leistungsschwachen Schüler deutlicher reduziert als Österreich, betonte Schleicher. "Frühe Förderung, Ganztagsschulen, Bildungsstandards, Investitionen in Lehreraus- und -weiterbildung - da ist in Deutschland viel in Gang gekommen. In Österreich sind viele der Reformen ein bisschen ins Leere gelaufen oder ins Gegenteil verkehrt worden." Die Studie habe gezeigt, dass in jenen Ländern, die es geschafft hätten, die besten Lehrer und Direktoren in die schwierigsten Klassen zu bringen, der Anteil an schwachen Schülern am geringsten sei - gleichzeitig hätten die leistungsstarken Schüler davon profitiert.

Die Reaktionen der Politik fielen unterschiedlich aus - mit der Gemeinsamkeit, dass sich alle in ihrem Weg bestätigt sehen. Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek sieht sich in ihren Forderungen nach Ganztagsschule, gemeinsamer Schule und einem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr unterstützt. ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank liest aus den Ergebnissen, "dass wir mit der bereits eingeleiteten Bildungsreform und besonders mit dem zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr den richtigen Weg einschlagen". Neos-Chef Matthias Strolz sieht bestätigt, "welch dringenden Erneuerungsbedarf wir im österreichischen Schulsystem haben".




Schlagwörter

Andreas Schleicher, Bildung, OECD

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Dokument erstellt am 2016-02-10 17:41:06
Letzte nderung am 2016-02-10 17:44:06



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