• vom 26.02.2016, 18:14 Uhr

Politik


IHS

"Institute müssen unabhängig arbeiten"




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Göweil

  • Der scheidende IHS-Chef Sigurd Höllinger hofft, dass es künftig mit dem Wifo stärkere Zusammenarbeit gibt.

Sigurd Höllinger leitet bis Ende Februar das IHS.

Sigurd Höllinger leitet bis Ende Februar das IHS.© apa/Fohringer Sigurd Höllinger leitet bis Ende Februar das IHS.© apa/Fohringer

Wien.Das Institut für Höhere Studien (IHS) steht - wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) - vor einem Leitungs-Wechsel. Derzeit sind noch drei Bewerber im Rennen. Der an der Uni München lehrende österreichische Verhaltensökonom Martin Kocher (42) dürfte gute Chancen haben. Die beiden deutschen Ökonomen Leo Kaas und Klaus Zimmermann komplettieren die Shortlist.

Mit Ende Februar wird der interimistische IHS-Chef Sigurd Höllinger (75) aufhören, der das Forschungsinstitut nach finanziellen Turbulenzen neu aufstellte. "Wir haben die Sozialwissenschaften modernisiert, weil wir eben nicht nur ein Wirtschaftsforschungsinstitut sind, sondern die gesellschaftliche Bedeutung von Wirtschaftspolitiken untersuchen", sagt Höllinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


"Wir schauen auch auf gesellschaftliche Prozesse und deren systemische Auswirkungen." Dazu wurden die klassischen Abteilungen aufgelöst und in elf Forschungsgruppen neu organisiert. So soll diese "Mehrdisziplinität" sicher gestellt werden. Ob er mit diesem neuen Zugang nicht auch stärkere politische Einflussnahme befürchtet? "Ja, da gehört schon Standfestigkeit dazu. Aber auch die finanzierende Seite muss begreifen, dass Gefälligkeits-Gutachten keinen Sinn haben. Die Glaubwürdigkeit des Instituts muss gewährleistet."

Hauptfinancier ist nun das Finanzministerium, das den Betrag der Gemeinde Wien übernommen hat. Die Hälfte des Budgets von zehn Millionen Euro stammt aus Subventionen, die andere aus dem Verkauf von Studien, im wesentlichen Auftragsforschung. Höllinger: "Wir haben den Verein neu aufgestellt und das Kuratorium neu besetzt." Mit Franz Fischler (ÖVP) und Casper Einem (SPÖ) sind dies zwei frühere Regierungsmitglieder.

"Das Kuratorium war immer großkoalitionär, ließ sich aber nie politisch steuern", sagt Höllinger. Der Soziologe weiß, wovon er spricht. Er war Sektionschef im Bildungsministerium, organisierte die Ausgliederungen der Universitäten aus dem Ministeriums-Apparat und gilt als recht resolut. Der Sozialdemokrat hat heute in der SPÖ wohl mehr Gegner als in der ÖVP.

So gibt es Rahmenvereinbarungen mit dem Sozial- und bald auch mit dem Wirtschaftsministerium, die es dem IHS ermöglichen, passende Themen selbst zu bestimmen. So wird das IHS künftig etwa in der angewandten "sozioökonomischen" Forschung verstärkt mit den sechs in Frage kommenden Universitäten zusammenarbeiten. Universitätsprofessoren werden dafür freigestellt, die beim IHS auch Dissertanten betreuen können.

In der Zukunft kann sich Höllinger auch vorstellen, den wissenschaftlichen Leiter des IHS etwa mit einer Universitätsprofessur in Österreich zu verbinden. Dass der ehemalige Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien, Christoph Badelt, der auch als IHS-Chef im Gespräch war, nun das Wifo übernimmt, freut Höllinger. "Badelt ist ein sehr innovativer Rektor gewesen, mit ihm ist gut zusammen zu arbeiten."

Höllinger spricht sich auch für eine stärkere Zusammenarbeit der Forschungsinstitute aus. Dazu zählt auch das auf Osteuropa spezialisierte WIIW. "Es können Forschungsfelder abgestimmt werden, aber auch bestimmte Verwaltungsinstrumente." Ein gemeinsames Bibliothekssystem etwa würde allen helfen, Sachkosten zu sparen.

Bei der Konjunkturprognose gehen Wifo und IHS aber auch künftig getrennte Wege. "Konkurrenz ist da zweckmäßig, das IHS etwa ist bei der Modellbildung sehr gut." So sieht es auch das Finanzministerium. Die Prognose der Wirtschaftsentwicklung zählt zu jenen Aufgaben, wofür es Subventionen gibt.

Franz Fischler (Präsident), Casper Einem (Vizepräsident), Ulrike Baumgartner-Gabitzer, Sybille Straubinger, Peter Mooslechner, Alfred Katterl, Bettina Glatz-Kremsner, Michael Losch, Georg Winckler.

IHS-Kuratorium




Schlagwörter

IHS

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-02-26 18:17:05



Österreich hat gewählt

Hier finden Sie die Ergebnisse aus allen Bundesländern
Zu den Ergebnissen


Werbung



Wissenswertes zur Nationalratswahl 2017 in unserem Live-Blog. Zum Wahl-Blog


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Österreich soll 300 Jesidinnen aufnehmen
  2. Wien-Lobbyist auf Abwegen
  3. Erste Aberkennungen bei Doppelpässen
  4. Im Schweigen vereint
  5. "Wo ist der digitale Airbag?"
Meistkommentiert
  1. Lichterkette um Regierungsviertel
  2. Richtung Russland
  3. Strache verspricht "50 Prozent freiheitliche Handschrift"
  4. Das Problem mit Sachleistungen
  5. Kneissl will Außenministerin werden


Werbung


Werbung