• vom 09.03.2016, 17:40 Uhr

Politik


Future Ethics

"Eigentlich wollen die Menschen einfach ein gutes Leben"




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  • Future Ethics: Kann ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Zukunftsmodell sein?

Sozialwissenschafterin Birgit Sauer und Buchautor Daniel Häni diskutierten über die Zukunft der Erwerbsarbeit und das Recht eines jeden auf ein bedingungsloses Grundeinkommen. - © Simon Rainsborough

Sozialwissenschafterin Birgit Sauer und Buchautor Daniel Häni diskutierten über die Zukunft der Erwerbsarbeit und das Recht eines jeden auf ein bedingungsloses Grundeinkommen. © Simon Rainsborough

Wien. (del) "Sollte nicht jener Teil, den ein Mensch unbedingt zum Leben braucht, bedingungslos sein?", fragt der schweizer Buchautor und Aktivist Daniel Häni im Rahmen der Diskussionsveranstaltung "Future Ethics" der "Wiener Zeitung" und der Österreichischen Diakonie. Er ist Mitinitiator der Schweizer Volksabstimmung am 5. Juni über ein bedingungsloses Grundeinkommen in der Höhe von 2500 Schweizer Franken. Und zwar für jeden Bürger, unabhängig davon, ob er oder sie einer Erwerbsarbeit nachgeht.

Die zunehmende Digitalisierung und Industrie 4.0 führen dazu, dass in entwickelten Industriestaaten eine Reihe von einfachen Jobs zunehmend von Maschinen erledigt werden. Angesichts dessen müsse man sich die Frage stellen, wie Einkommen künftig verteilt werden und an welche Bedingungen sie geknüpft werden, so Häni. Seine These: Alle Bürger eines Staates sollen ausnahmslos und bedingungslos genau so viel Geld bekommen, wie sie zum Überleben brauchen. "Dann werden sie den Beruf nicht mehr als Last, sonder als sinnstiftendes Element sehen", sagte er.

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Frage nach neuen Menschenbild
Die Sozial- und Politikwissenschaftlerin Birgit Sauer warf ein, dass mit einem Einkommen, das an gar keine Bedingungen geknüpft ist, das vorherrschende Menschenbild "ganz neu geachst" werden müsse. In der entwickelten und freien Marktwirtschaft definiere sich der Mensch durch die Arbeit.

Entkoppelt man das Einkommen vom Erwerb, so fürchtet Sauer, könnte das zu einer Spaltung der Gesellschaft in eine produzierende Leistungselite und eine empfangende, nicht arbeitende Masse kommen. Damit ginge auch ein Weniger an Demokratie und Mitbestimmung einher.

"Ganz im Gegenteil", konterte Häni, "wenn alle absolut bedingungslos das Gleiche bekommen, dann ist niemand mehr in der Bittstellerrolle für Sozialleistungen." Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde Parteien dazu bringen, das Konzept des Zusammenlebens grundlegend zu überdenken. Sauer schlug vor, statt Geld den Menschen bedingungslos Sachleistungen und Ressourcen zur Verfügung zu stellen.

Wer soll das bezahlen und wer verteilt das Einkommen? Diese Frage blieb unbeantwortet. "Wir konsumieren Dinge, die wir nicht erzeugt haben, und produzieren Dinge, die jemand anderer konsumiert", so Hämi.

Finnland ist gerade dabei, ein bedingungsloses Grundeinkommen umzusetzen. Hier ist der Hintergrund aber ein pragmatischer. Das sehr komplizierte und bürokratische Sozialsystem soll vereinfacht und dadurch billiger werden. Dabei soll jeder Bürger 800 Euro bekommen, was in Österreich kaufkraftbereinigt 660 Euro entspricht. Die Kosten für Sozialleistungen sinken dann auf 18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).

Soziale versus pragmatische
Befürworter

Das Schweizer Modell hingegen hebt den sozialen Aspekt hervor und würde rund 40 Prozent des BIP kosten. Dabei soll der Mensch vom Zwang, arbeiten zu müssen, befreit werden und bekommt mehr Zeit für Dinge, die Spaß machen. Dafür lässt sich auch ein Teil der Wirtschaft erwärmen, so der Tenor der Debatte. Denn ein bedingungsloses Einkommen stärkt und erhält den Konsum auch dann, wenn die Menschen ihren Job verlieren.

Daniel Häni diskutiert am Freitag, den 11.3., um 20 Uhr mit Philipp Blom im Burgthear-Kasino.




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