• vom 18.03.2016, 19:12 Uhr

Politik

Update: 18.03.2016, 19:38 Uhr

Leopold Rosenmayr

Der Erfinder der Alternsforschung ist tot




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  • Leopold Rosenmayr ist am Freitag im Alter von 91 Jahren verstorben.


© apa/Georg Hochmuth © apa/Georg Hochmuth

Wien. Als Vater der modernen Alternsforschung, herausragenden Wissenschafter und Mitgestalter der Politik würdigten Persönlichkeiten aus Forschung und Politik den im Alter von 91 Jahren verstorbenen Soziologen Leopold Rosenmayr. Laut Angaben der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist der renommierte Forscher am Freitag in Wien in den frühen Morgenstunden "friedlich eingeschlafen".

Das wissenschaftliche Lebenswerk des am 3. Februar 1925 in Wien-Favoriten geborenen Soziologen Leopold Rosenmayr stand im Zeichen des Nachdenkens über Altern, Jugend und Generationenkonflikte. Geprägt wurden seine Forschungsarbeit und gesellschaftliches Engagement von Kriegserlebnissen in Kindheit (Bürgerkrieg) und Jugend (Zweiter Weltkrieg). Eindrücke schrieb er in "Überwältigung 1938. Frühes Erlebnis, späte Deutung" nieder. Seine Erfahrungen als Dolmetscher im Krieg und seine Kriegsgefangenschaft im ehemaligen Jugoslawien waren Anlass für "Im Krieg auf dem Balkan".

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Das Studium der Philosophie und Soziologie an der Universität Wien schloss er 1949 mit der Promotion ab. Danach zog es ihn ins Ausland: Zwei Jahre verbrachte er in Paris, zwei weitere in den USA. 1954 kehrte Rosenmayr nach Wien zurück, wo er sein wissenschaftliches Hauptaugenmerk mehr auf die Soziologe legte. Denn er wollte "Brücken zur Gesellschaft" schlagen und durch praxisorientierte Sozialstudien zum geistigen Wiederaufbau des Landes beitragen. Von seinen Auslandsaufenthalten brachte er dazu die Methoden moderner Sozialforschung nach Österreich.

Rosenmayr arbeitete als Erster in Österreich mit sozialwissenschaftlichen Mikrozensen und konzipierte empirisch-soziale Feldinterviews in Kooperation mit Psychologie und Tiefenpsychologie. Mit der Gründung einer "Sozialwissenschaftlichen Forschungsstelle" an der Uni Wien 1954 war er entscheidend an der Wiederbelebung der empirischen Sozialforschung nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligt. 1955 wurde er außerordentlicher, 1961 ordentlicher Professor für Soziologie und Sozialphilosophie.

Nach ersten eigenen agrar- und forstwirtschaftlichen Versuchen auf einem niederösterreichischen Bergbauernhof entwickelte Rosenmayr sein Forschungsinteresse in Richtung ökosoziale Systeme in "Dritte Welt"-Ländern. Er unternahm Reisen nach Südostasien, Japan, Lateinamerika und Ostafrika. Auch dort beschäftigte er sich mit Jugendforschung, Alterssoziologie und Generationenkonflikten sowie dem Kulturwandel in diesen Gesellschaften.

Medial und öffentlich bekannt wurde er aber vor allem durch seine Arbeit in der Alternsforschung: 1980 wurde er Leiter des neuen Ludwig Boltzmann-Instituts für Sozialgerontologie und Lebenslaufforschung, was ihm international Beachtung einbrachte.

1983 legte er sein Buch über die bis dahin unerforschten Kräfte des Alters ("Die späte Freiheit") vor, es folgten "Die Kräfte des Alters" (1990) und "Altern im Lebenslauf" (1996). "Hoffnung statt Depression" lautete eine seiner Devisen für das Alter, gemeinsam mit dem Geriatrie-Experten Franz Böhmer veröffentlichte er 2003 "Hoffnung Alter - Forschung, Theorie, Praxis"; 2011 folgte "Im Alter - noch einmal - leben". Mit "Die Weisheit ist ein unruhiger Geist" unternahm er eine Tour durch Religions- und Philosophiegeschichte.

Rosenmayr war Mitglied der Statistischen Zentralkommission, Berater und Autor mehrerer Regierungsberichte, war seit 1990 wirkliches Mitglied der ÖAW und erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen.




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Dokument erstellt am 2016-03-18 17:32:07
Letzte nderung am 2016-03-18 19:38:31



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