• vom 31.03.2016, 17:13 Uhr

Politik

Update: 31.03.2016, 19:19 Uhr

Schule

Volksschüler schwächeln in Deutsch




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  • Ein Drittel aller Volksschüler hat Probleme im Fach Deutsch - und lernt in der Schule nicht, was für die Schule notwendig ist.



Wien. (rei) Dass bei den Deutschkenntnissen der österreichischen Volksschüler noch einiges zu verbessern wäre, zeigen die Ergebnisse der am Donnerstag vom Bildungsministerium vorgestellten Standardüberprüfung im Fach Deutsch. Rund 75.000 Schulpflichtige der vierten Klasse an 3000 Volksschulen in ganz Österreich wurden im Frühling des vergangenen Jahres in den Bereichen Leseverständnis, Rechtschreiben, Hörverstehen, Verfassen von Texten und Sprachbetrachtung auf ihre Kompetenzen überprüft. Das Ergebnis: Fast ein Drittel der Schüler in Österreichs Volksschulen erreicht die Bildungsziele in den getesteten Bereichen gar nicht oder nur teilweise (siehe Grafik).

Beim Lesen haben 13 Prozent der Schüler erhebliche Probleme, ganze 70 Prozent der Kinder haben Schwierigkeiten, Texte sprachlich korrekt zu verfassen. Jeder zehnte Schüler schafft es nicht, einen vorgelesenen Text zu verstehen, ein Viertel der Volksschüler schafft das nur teilweise. Insgesamt sei im Vergleich zur vorangegangenen Standardüberprüfung zwar in allen Bereichen eine leichte Verbesserung zu bemerken, heißt es aus dem Bildungsministerium. Trotzdem sollte das Ergebnis der Erhebung Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zu denken geben, argumentiert der Wiener Bildungsforscher Stefan Hopmann: "Ein Drittel der Volksschüler lernt in der Schule nicht, was für die Schule gebraucht wird." Die Mängel beim Schreiben, Lesen und Verstehen wären schlechte Voraussetzungen für den weiterführenden Bildungsweg in der Sekundarstufe, so der Bildungsexperte. "Unser Unterrichtssystem ist stark textbasiert, nicht nur in den Sprachen und anderen Fächern, sondern auch in Mathematik." Schon jetzt würden aber viele Schüler trotz der Mängel bei diesen später umso wichtigeren Fähigkeiten in eine AHS wechseln.

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Kontinuierliche Begleitung
ist notwendig

Schüler mit Migrationshintergrund schneiden vor allem im Bereich Hörverständnis deutlich schlechter ab als Kinder, die Deutsch als Muttersprache haben. Für die Kinder aus Zuwandererfamilien würde dies insgesamt im Unterricht eine systematische Benachteiligung bedeuten, heißt es in der Zusammenfassung der Standardüberprüfung. Dass diese Gruppe so schlecht abschneidet, habe jedoch auch mit der hierzulande angewandten Definition zu tun, so Hopmann: Als Schüler mit Migrationshintergrund werden in Österreich alle Kinder definiert, in deren Elternhaus überwiegend eine andere Sprache als Deutsch gesprochen wird. "Dass genau diese Gruppe dann auch zum Teil erhebliche sprachliche Defizite hat, ist nur logisch." Man könne deshalb nicht den Ball an die Eltern weiterspielen, es sei Aufgabe der Lehrer, vor allem über kontinuierliche Förderung und Betreuung eine Verbesserung herbeizuführen. An der Bereitschaft der Eltern in migrantischen Familien, ihre Kinder zum Lesen zu animieren, liege es nämlich nicht: "Diese Gruppe weist häufig eine hohe Motivation auf, Kinder zum Lesen anzuhalten. Häufig fehlt es aber bei den Eltern selbst an Lesekompetenz und Interesse." Es brauche vielmehr gezielte und kontinuierliche Sprachförderung für die Kinder. Förderstunden zu kürzen, wie dies in Wien beschlossen wurde, sei kontraproduktiv.

Noten werden doch
nicht abgeschafft

In der Debatte um die Abschaffung der Ziffernnoten in den Volksschulen machte Bildungsministerin Heinisch-Hosek am Donnerstag offenbar einen Rückzieher. Sie hatte ursprünglich geplant, Noten bis zur vierten Klasse durch schriftliche Semester- oder Jahresinformationen zu ersetzen. Die ÖVP lehnte dies jedoch ab. Nun sollen Eltern, Lehrer und der Schuldirektor entscheiden können, ob Noten abgeschafft werden oder nicht. Eltern sollen aber in jedem Fall eine zusätzliche Benotung verlangen können. Eine Bestätigung der Planänderung war aus dem Ministerium nicht zu erhalten.




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Dokument erstellt am 2016-03-31 17:17:04
Letzte nderung am 2016-03-31 19:19:48



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