• vom 07.09.2016, 18:05 Uhr

Politik


Islamische Glaubensgemeinschaft

Eine (un)heilige Allianz




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Von Werner Reisinger

  • In der Islamischen Glaubensgemeinschaft tobt ein heftiger Streit um die Lehrstühle für Religionspädagogik. Türkische Botschaft und Islamverbände sollen Hand in Hand arbeiten.

Türkische Botschaft und religiöse Verbände feierten im April gemeinsam in Wien. - © Screenshot/Facebook

Türkische Botschaft und religiöse Verbände feierten im April gemeinsam in Wien. © Screenshot/Facebook

Wien. Der Konflikt in der offiziellen Vertretung der Muslime, der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), spitzt sich immer mehr zu. Schon seit einigen Wochen tobt hinter den Kulissen ein heftiger Streit um die Bestellung der Lehrenden an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) in Wien und Krems. Dort ist, als Folge des neuen Islamgesetzes, seit 1. September der Hochschulstudiengang für islamische Religionspädagogik (IRPA) angedockt. Damit wurde die Ausbildung von muslimischen Religionslehrern erstmals einer staatlichen Institution unterstellt. Bisher bildete die IRPA als eigenes Institut unter der Direktorin Amena Shakir muslimische Lehrende aus.

Laut österreichischer Verfassung obliegt die Bestellung von Professoren für Religionspädagogik der Glaubensgemeinschaft, also der IGGiÖ. Die Entscheidung trifft dort statutengemäß der Oberste Rat. Doch in der IGGiÖ ist man sich offensichtlich keineswegs einig, wer in Zukunft die muslimischen Religionslehrer ausbilden soll.


Wie der "Kurier" vergangene Woche berichtete, wandte sich Ende Juli der Vizepräsident der IGGiÖ, Abdi Tasdögen, mit einem erbosten Mail an die Mitglieder des Obersten Rates. Der "Wiener Zeitung" liegt die Korrespondenz vor. Tasdögens Vorwurf: Die bereits beschlossene und mit der KPH abgesprochene Liste der zu bestellenden Hochschullehrer sei aufgrund von Interventionen des türkischen Botschaftsrates für religiöse Angelegenheiten, Fatih Mehmet Karadas, vom neugewählten IGGiÖ-Präsidenten Ibrahim Olgun wieder revidiert worden.

In einem weiteren Mail wirft Olgun seinem Vize vor, eine "illegale Zustimmung" seitens der IGGiÖ zur Anstellung der Lehrkräfte an der KPH gegeben zu haben und "parallele Struktur" aufgebaut zu haben. Tasdögen erklärt seinerseits, den bereits gefassten Beschluss des Obersten Rates durch einen neuerlichen Beschluss aufgehoben zu haben - und im Vorfeld auf Mitglieder des Obersten Rates Druck ausgeübt zu haben. Tasdögen zitiert Olgun, dass dieser aufgrund von "Änderungswünschen" des türkischen Botschaftsrats Karadas sowie "Personen von der Atib" (Moschee- und Kulturverband der türkischen Regierung) mit der bereits beschlossenen Liste nicht einverstanden sei. Daraufhin gab Tasdögen eigenmächtig sein endgültiges OK an die Hochschule.

Druck von türkischer Botschaft
Brisant dabei: Botschaftsrat Fatih Karadas ist nicht nur Botschaftsrat für religiöse Angelegenheiten, sondern gleichzeitig auch Vorstandsvorsitzender der Atib. Eine zentrale Rolle in der Befehlskette aus der türkischen Botschaft soll dem vorliegenden Mail nach auch Metin Akyürek spielen. Der Rechtsanwalt aus Wien berät die IGGiÖ juristisch, hatte deren Beschwerde gegen das neue Islamgesetz mitaufgesetzt und ist Vorsitzender des IGGiÖ-Schiedsgerichts, das die Wahlanfechtung von Olgun abgewiesen hatte. Nun entscheidet das Bundeskanzleramt über Olguns Vorsitz - dem Vernehmen nach dürfte Olgun IGGiÖ-Präsident bleiben. Tasdögen behauptet, Akyürek habe im Auftrag der türkischen Botschaft in der Causa ebenfalls Druck auf die Mitglieder des Obersten Rates der IGGiÖ ausgeübt.

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Dokument erstellt am 2016-09-07 18:08:05



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