• vom 18.10.2016, 21:01 Uhr

Politik


Nationalsozialismus

Hitlers Geburtshaus wird nun doch umgestaltet




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  • Verwirrung um Aussage des Innenministers über Abriss.

Braunau/Wien. (kats/apa) Beinahe hätte die Geschichte schon eine kabarettistische Wende genommen - ginge es nicht um ein so ernstes Thema. Am Montagnachmittag verkündete die "Presse", Innenminister Wolfgang Sobotka werde das Geburtshaus Adolf Hitlers abreißen lassen. Damit folge er einer Empfehlung der Expertenkommission, die mit der Klärung der weiteren Zukunft des Hauses beauftragt war.

War es eine Zeitungsente, ein Missverständnis oder eine Missinterpretation des Expertenberichts -das wird wohl nicht so bald geklärt werden. Am Dienstag hat das Innenministerium jedenfalls den Bericht der Expertenkommission veröffentlicht. Und darin kann von Abriss keine Rede sein. Die 13 Mitglieder der Kommission - Landes- und Bundesbeamte, Zeithistoriker, Juristen und Vertreter der Politik - sprechen sich darin eindeutig gegen einen Abriss aus. Eine grundlegende Veränderung oder auch völlige Entfernung des Gebäudes "ist zwar grundsätzlich geeignet, dem Ort die ideologische Besetzung zu entziehen und damit auch die emotionale Verbindung mit der Person Hitlers aufzulösen", heißt es darin. "Doch sollte Österreich nicht zugesonnen werden, die Geschichte des Ortes leugnen zu wollen."

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Ein museales oder edukatives Projekt halten die Experten genauso wenig für zielführend: Auch wenn sich dieses Projekt mit der Aufarbeitung der NS-Zeit beschäftige, würde dies nach Ansicht der Kommission "zu einer weiteren Assoziierung des Ortes mit der Person Hitlers" führen. Dies berge die Gefahr, dass das Haus weiterhin auf "verpönte Personen oder Gruppierungen unerwünschte Anziehungskraft" ausübt. Denn: "Die Republik Österreich trifft eine besondere staatspolitische und historische Verpflichtung, dafür Sorge zu tragen, dass das Objekt nicht zu neonazistischer Agitation und bejahendem Gedenken missbraucht wird."

In ihrem sechseitigen Bericht rät die Expertenkommission daher dazu, das Haus entweder für sozial-karitative Zwecke oder aber für behördlich-administrative Zwecke zu nutzen. Eine sozial-karitative Nutzung zum Beispiel als Tagesstätte für Menschen mit Behinderung, wie sie schon einmal in dem Gebäude untergebracht war, "würde ein lebensbejahendes Zeichen und einen Kontrapunkt zu den von Hitler begangenen Verbrechen setzen". Damit könnte auch die bisherige Symbolik des Ortes durchbrochen werden. Die Nutzung zum Beispiel als Amtsräume für ein Finanzamt wäre alltagsbezogen und "ließe sich unauffällig ins gesellschaftliche Leben integrieren". Weitere Vorteile wären nach Ansicht der Experten der eingeschränkte Zutritt für die Öffentlichkeit und die Präsenz der staatlichen Hoheitsgewalt.

"Tiefgreifende architektonische Umgestaltung" nötig
In beiden Fällen rät die Kommission dazu "eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung vorzunehmen, die dem Gebäude den Wiedererkennungswert und damit die Symbolkraft entzieht".

Sobotka sagte dazu vor dem Ministerrat am Dienstag, man werde das Haus derart umgestalten, dass es "vor allem an der Außenform nicht erkennbar" sei. Ob man das als Abriss bezeichnen könne, darüber könne man diskutieren, meinte er, angesprochen auf die Verwirrung vom Vortag. Über die Nachnutzung will Sobotka mit der Stadt Braunau beraten, für die Umgestaltung soll es einen Architektenwettbewerb geben.

Noch kann das Ministerium nichts unternehmen, da es nur Mieter ist. Für die Enteignung wird ein eigenes Gesetz verabschiedet - die entsprechende Regierungsvorlage war am Dienstag Thema im Innenausschuss.




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Dokument erstellt am 2016-10-18 16:41:06



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