• vom 10.11.2016, 17:34 Uhr

Politik

Update: 10.11.2016, 18:17 Uhr

Schule

Mehr Mittel gegen soziale Benachteiligung




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  • Arbeiterkammer legt Chancenindex-Modell zur Schulfinanzierung vor. Präsident Kaske: "Schulen müssen Verantwortung für den Lernerfolg tragen."



Wien. (ede) Es gibt sie, diese Wunderkinder, die ihre Hausaufgaben alleine machen, vor Schularbeiten und Prüfungen fast nichts lernen und trotzdem passable Noten nach Hause bringen. Meistens ist der Lernerfolg aber auch vom Mitwirken der Eltern abhängig - mit mehr oder weniger Stress. Was aber, wenn Vater und Mutter beim Lernstoff nicht mehr durchblicken, weil sie selbst keine entsprechende Schulausbildung genossen haben, und sie dem Nachwuchs auch keine Nachhilfestunden finanzieren können?

"Die Schulen müssen die Verantwortung für den Lernerfolg der Kinder tragen", sagt Rudi Kaske, Präsident der Arbeiterkammer Wien (AK). Damit alle Talente erkannt und gefördert werden könnten, sollen Standorte, wo viele benachteiligte Kinder sind, mehr Geld bekommen.

300 Millionen Euro zusätzliche Gelder

Jede sechste Schule in Österreich hat nach AK-Berechnungen kein Lernumfeld, in dem sie jedes Talent ausreichend fördern kann. Konkret haben die AK-Experten auf Basis von Daten aus der österreichischen Bevölkerungsstatistik die Zusammensetzung der 6- bis 14-jährigen Schulkinder bezüglich des Bildungshintergrundes der Eltern und der gesprochenen Alltagssprache ermittelt.

Dann wurden die Schulen in räumlich nahe Cluster mit jeweils mindestens 200 Schulkindern zusammengefasst. Das Ergebnis: Auf einer Skala von 1 (= viele Kinder ohne Förderbedarf) bis 7 (= viele Kinder mit Förderbedarf) sind 13 Prozent der Cluster in den Stufen 1 und 2 und 17 Prozent in den Stufen 5 bis 7. An den Volksschulen haben 16,9 Prozent der Schüler Förderbedarf, an den Neuen Mittelschulen (NMS) sind es 19 Prozent, an den AHS-Unterstufen neun Prozent. Umgekehrt haben nur 0,7 Prozent der NMS eine hohe Konzentration an Schülern, die keine umfassende Förderung brauchen; an den AHS-Unterstufen sind es 64 Prozent der Standorte, an den Volksschulen 8,6 Prozent.

Die Arbeiterkammer will nun zusätzlich 300 Millionen Euro "für Schulen mit vielen Kindern, denen die Eltern keine teure Nachhilfe zahlen können", so Kaske. Jeder Schulstandort soll neben einer Grundfinanzierung (abhängig von Schüleranzahl und Lehrplan) zusätzliche Mittel auf Basis des Chancenindex bekommen, vor allem für mehr Personal.

Ziele für Weiterentwicklung setzen

Eine Neue Mittelschule mit 300 Schülern und derzeit 34 Lehrern, die sich auf Indexstufe 7 (hoher Anteil von Eltern mit maximal Pflichtschulabschluss, andere Umgangssprache als Deutsch) befindet, soll 15 Dienstposten mehr bekommen, sagt AK-Bildungsexperte Vucko Schüchner. Zusätzliche Mittel alleine würden aber noch nichts bewirken, der Schulstandort müsse sich auch Ziele für die Weiterentwicklung setzen.

Derzeit erfolgt die Finanzierung von Schulen im Wesentlichen anhand der Zahl der Schüler am jeweiligen Standort. Dazu gibt es Zuschläge für Aufgaben wie Sprachförderung bei einer hohen Anzahl an Schülern mit Sprachproblemen. Faktoren wie die soziale Zusammensetzung spielen dagegen keine Rolle.

Auch Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) und ihre Vorgängerin Gabriele Heinisch-Hosek hatten sich für eine Verteilung von Mitteln für zusätzliche Fördermaßnahmen an Schulen nach einem Sozialindex ausgesprochen.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-11-10 17:38:10
Letzte nderung am 2016-11-10 18:17:35



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