• vom 22.11.2016, 08:00 Uhr

Politik


Bundespräsidentenwahl 2016

Tiefer die Hackeln nie flogen




  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (24)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Werner Reisinger

  • Morddrohungen und Nazi-Vergleiche: Wahlkampf ums höchste Amt im Staat erreicht in sozialen Netzwerken tiefstes Niveau.

Auf den Wahlplakaten ist der Ton noch moderat.  - © APAweb/REUTERS, Bader

Auf den Wahlplakaten ist der Ton noch moderat.  © APAweb/REUTERS, Bader


© Screenshots © Screenshots

Wien. "Im Gegensatz zum politischen Mitbewerber wollen wir hier ganz bewusst - nichts - unterstellen!" So überschrieb vergangenes Wochenende die FPÖ Kapfenberg eine Bildmontage, die sie auf ihrer Facebook-Seite teilte. Darauf zu sehen war ein Sujet von Präsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen, mit Hund und in Freizeitkleidung in alpiner Umgebung. Direkt darunter: Bilder von Adolf Hitler mit Schäferhund am Obersalzberg. Keine Unterstellung, behauptet die FPÖ, die den Eintrag kurze Zeit später wieder löschte, aber immerhin "unglücklich gewählt" sei das Sujet des Kontrahenten von FPÖ-Kandidat Norbert Hofer.

"Diesem Drecksack gehört mit einer 9 mm das Hirn ausgeblasen auf der Stelle. Dieser Sandler hat keine Lebensberechtigung also weg damit" (sic), schrieb im September ein Facebook-Nutzer mit vollem Namen unter einen Eintrag zu Van der Bellen. Er solle den Kommentar "besser umschreiben", ansonsten riskiere er eine Anzeige, wurde dem Herrn kurz darauf von einer weiteren Anhängerin von Hofers geraten.

Werbung

Der Präsidentschaftswahlkampf im Netz hat ein geradezu unterirdisches Niveau erreicht. Von einer inhaltlichen Auseinandersetzung kann schon lange nicht mehr die Rede sein, stattdessen werden immer häufiger die Grenzen des Strafrechts überschritten. "Wir zeigen jene Poster, die strafrechtlich relevante Drohungen gegen Leib und Leben von Alexander Van der Bellen äußern, nicht selbst an, sondern dokumentieren diese Vorfälle und übergeben alle den Behörden", sagt dazu Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Trittbrettfahrer im Netz
Besonders ärgert sich Lockl über einen Facebook-Eintrag von Heinz-Christian Strache vergangenen Wochenende. Der FPÖ-Chef postete einen Screenshot einer Debatte auf dem Privatsender Puls 4, in der Van der Bellen auf Hofer traf. Van der Bellen habe wohl vergessen, die andere Hälfte seines Oberlippenbarts zu rasieren, so Strache in seinem Eintrag: "Was vergisst er noch?" Es gehe der FPÖ darum, Van der Bellen als alt darzustellen, ja ältere Menschen verächtlich zu machen, sagt Lockl. Seiner Meinung nach hat das Vorgehen der FPÖ Methode: "Man stellt diffamierende Äußerungen und Behauptungen gegen den Mitbewerber in den Raum und nimmt sie einige Zeit später halbherzig zurück, nur um einige Tage später mit neuen Diffamierungen nachzulegen." Diese Taktik bereitet aus seiner Sicht vor allem in den sozialen Medien den Boden für Trittbrettfahrer, die dann selbst vor Gewaltandrohungen nicht mehr zurückschrecken. Lockl appelliert an die FPÖ, auf solche Untergriffe zu verzichten.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-21 19:41:05
Letzte nderung am 2016-11-22 01:13:38



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Hofer und die Falschmeldung
  2. "Meine Diplomarbeit wird missbraucht"
  3. Der panierte Beruf
  4. Dritter Anlauf zur Bundespräsidentenwahl
  5. Gegen das "Establishment"
Meistkommentiert
  1. "Meine Diplomarbeit wird missbraucht"
  2. Hofer und die Falschmeldung
  3. "Was Sie über die Medien nicht erfahren können"
  4. Die Wut der Kleingärtner
  5. Auf Distanz zum Rechtspopulismus

Werbung