• vom 24.11.2016, 17:37 Uhr

Politik


Bundespräsidentenwahl 2016

Eine Frage der Mobilisierung




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  • Die Wahlbeteiligung könnte im Vergleich zum ersten Versuch einer Stichwahl sinken - wem würde es nützen?



Wien. (sir) Es ist ein etwas eigentümlicher Wahlkampf, der - ja wirklich! - in der kommenden Woche sein Ende finden wird. Doch andererseits: Es war nicht anders zu erwarten. Erster Durchgang, Stichwahl, Stichwahl-Wiederholung Teil 1, und nun, am 4. Dezember, Stichwahl-Wiederholung Teil 2.

"Es sind alle irgendwie erschöpft und froh, wenn es vorbei ist. Wir Menschen sind da recht simpel gestrickt", sagt Peter Hajek, Meinungsforscher von Public Opinion Strategies. Er hat für ATV und "Heute" eine Umfrage durchgeführt, die Alexander Van der Bellen marginal vor Norbert Hofer sieht. Das heißt aber nicht viel, die Schwankungsbreite lässt auch das umgekehrte Resultat zu.

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Was aus den Daten aber hervorgeht, ist ein Hinweis auf eine etwas geringere Wahlbeteiligung. Sie lag im Mai beim ersten Versuch einer Stichwahl bei 72,8 Prozent, wobei Umfragewerte damals auf eine noch höhere hinwiesen, rund um 76 Prozent. Bei Befragungen sagen eben doch mehr Personen, dass sie sicher zur Wahl gehen werden, als es dann am Wahltag tatsächlich tun. Bei der jüngsten Umfrage lag die Bereitschaft, am 4. Dezember wählen zu gehen, um sieben Prozentpunkten unter den Werten vom Mai. Und das deutet doch daraufhin, dass die Wahlbeteiligung etwas sinken wird. Wem dies allerdings eher nutzen wird, darauf will sich Hajek nicht festlegen.

Vor der ersten Stichwahl waren sich die Meinungsforscher und Politologen einig: Damit Van der Bellen den Rückstand auf Hofer aus dem ersten Wahlgang noch aufholen kann, wird er eine hohe Wahlbeteiligung jenseits der 70 Prozent benötigen. Und so kam es dann auch. Doch gilt dieser Spruch von damals auch diesmal?

Bessergebildete gehen eher
zur Wahl - aber diesmal auch?

Grundsätzlich ja, sagt Karin Cvrtila vom Institut OGM. Van der Bellen hatte durch seinen Rückstand deutlich mehr Wähler überzeugen müssen, die im ersten Durchgang noch für einen anderen Kandidaten gestimmt haben, als Hofer. Das ist ihm dann auch gelungen. Doch werden sie auch am 4. Dezember für den ehemaligen grünen Parteichef stimmen? "Diese Wähler sind schwieriger zu mobilisieren", sagt Cvrtila.

Eine grundsätzliche, langjährige Erkenntnis ist, dass sich Bessergebildete eher mobilisieren lassen und diese wiederum stärker zu Van der Bellen tendieren. Das würde also eher dafür sprechen, dass eine geringere Wahlbeteiligung diesmal sogar Van der Bellen in die Karten spielt. Außer es bleiben eben viele besser gebildete ÖVP- oder Griss-Wähler daheim. Insofern ist es für Van der Bellen nicht ganz unwichtig, dass sich etwa eine Reihe von ÖVP-Politikern, aktuelle wie frühere, für ihn aussprechen.

Die Teams der beiden Kandidaten haben im Wahlkampf bisher jedenfalls keine Erschöpfung der Wählerinnen und Wähler festgestellt. "Was sich geändert hat: Es gibt nur mehr vier Duelle, im Mai hat es in drei Wochen 19 gegeben", sagt Hofer-Sprecher Martin Glier. Das Inhaltliche stehe diesmal aber weniger im Vordergrund, sondern eher das Atmosphärische. "Aus Wählern sind Fans geworden", sagt Glier.

Reinhard Pikl-Herk aus dem Kampagnenteam von Van der Bellen glaubt nicht an einen signifikanten Rückgang der Wahlbeteiligung. "Es wirkt nicht so. Im Gegenteil. Die Menschen sind hoch alert." Pikl-Herk verweist auch auf das zweite von vier Fernsehduellen auf Puls 4, das durchschnittlich 475.000 Zuseher verfolgten. Das ist ein absoluter Spitzenwert für den Privatsender.

Am kommenden Sonntag werden Van der Bellen und Hofer bei ATV debattieren - mit Moderation -, am Donnerstag dann auf ORF2. Es wird das Finale des Wahlkampfjahres 2016 sein, von dem es nach einem wahren Wahl-Stakkato in den Jahren davor, hieß: Das ist eh nur die Präsidentschaftswahl.




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Dokument erstellt am 2016-11-24 17:41:06



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