• vom 23.01.2017, 18:12 Uhr

Politik


Terror

"IS ist nicht mehr im Zentrum"




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Von Werner Reisinger

  • Terror: Balkan-Experte Vedran Dzihic warnt vor der Stigmatisierung einzelner ethnischer Gruppen.


© Vedran Dzihic © Vedran Dzihic

Wien. Welche Rolle spielt die albanische Herkunft des am Freitag festgenommenen mutmaßlichen Islamisten? Beleuchten Behörden und Medien die richtigen Aspekte? Der Wiener Politologe und Balkan-Experte Vedran Dzihic beschäftigt sich mit der Ideologie, den Netzwerken und den Radikalisierungsmechanismen in den Balkanländern und den Communities hier in Österreich.

"Wiener Zeitung":Bisher schienen Albaner in der dschihadistischen Szene, zumindest medial, keine Rolle zu spielen - in Österreich seien es vor allem Tschetschenen und Bosnier, von denen Gefahr drohe. Innenminister Wolfgang Sobotka sprach von einem "radikalen albanisch-islamistischen Milieu". Wie sieht dieses aus?

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Vedran Dzihic: Ich halte es für problematisch, explizit von einem albanisch-islamistischen Milieu zu sprechen. Man kann bei den Islamisten in Österreich nicht von "den Tschetschenen" oder "den Bosniern" sprechen, die Milieus überlappen sich. Herkunftsmilieus sind vor allem wegen der gemeinsamen Sprache wichtig, es geht um Kommunikation, schon alleine wegen der Bedeutung der sozialen Medien für Ideologie, Strategie und Planung.

Natürlich gibt es in Österreich spezifische ethnische Gruppen, die eine stärkere Affinität zum Islamismus aufweisen, wie die von Ihnen genannten. Rund 500 Personen sind seit 2004 aus den Ländern des Balkan als Dschihadisten nach Syrien gegangen. Die albanische Diaspora ist vor allem in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Österreich zahlenmäßig stark, die Syrien-Kämpfer vom Balkan sind mit der Diaspora eng vernetzt. Sie verfolgen die Entwicklungen am Balkan genau, etwa die schlechte wirtschaftliche Lage und die politische Instabilität. Nicht nur deshalb sollte man mit ethnischen Zuspitzungen vorsichtig sein. Der in Graz verurteilte serbische Prediger Mirsad O. hat auch im albanischen Milieu großen Anklang gefunden, auch der nun festgenommene, mutmaßliche Islamist war offenbar ein Anhänger des Predigers.

Wieso dann diese Zuspitzung?

Wenn in einer Szene intern ausschließlich auf Albanisch kommuniziert wird, kann aus nachrichtendienstlicher Sicht das Bild einer ethnischen Geschlossenheit entstehen, man benötigt zur Überwachung Beamte, die Albanisch sprechen, man überwacht die Reisebewegungen und so weiter. Die Szenen sind aber durchlässig.

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Dokument erstellt am 2017-01-23 18:17:10



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