• vom 24.01.2017, 17:29 Uhr

Politik


Terror

Radikalisierung hinter Gittern




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Von Katharina Schmidt

  • Der Islamismus-Experte Moussa Al-Hassan Diaw über Präventionsarbeit bei Häftlingen.

Die Justizanstalt Josefstadt, wo der 17-jährige Terrorverdächtige derzeit einsitzt. - © apa/Helmut Fohringer

Die Justizanstalt Josefstadt, wo der 17-jährige Terrorverdächtige derzeit einsitzt. © apa/Helmut Fohringer

Wien. International bekannt, aber neu für Österreich. Das sagte der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit, Konrad Kogler, am Montag zum Phänomen der Radikalisierung immer jüngerer Personen. Wie berichtet hatte jener festgenommene 17-Jährige, der einen Terroranschlag in Wien geplant haben soll und über den am Dienstag die U-Haft verhängt wurde, einen zwölfjährigen Freund, mit dem er laut Kogler über das "eine oder andere intensiv kommuniziert" haben soll.

Für Moussa Al-Hassan Diaw ist das Phänomen hingegen gar nicht neu. "Dass die Personen jünger werden, ist kein Geheimnis, es überrascht mich eher, dass man sich darüber wundert", sagte er zur "Wiener Zeitung". Der Pädagoge und Extremismus-Forscher ist seit fast einem Jahr mit dem Verein "Derad" in Gefängnissen unterwegs und bietet Straftätern spezielle Gesprächsformate an. Im Auftrag des Justizministeriums sprechen Diaw und seine Kollegen vor allem mit Personen, die wegen eines Verstoßes gegen Paragraf 278b Strafgesetzbuch (terroristische Vereinigung) einsitzen. "Wir haben teilweise mit Tätergruppen zu tun, die zwischen 14 und 17 Jahre alt sind", sagt er. Dass die Jugendlichen, die sich zu radikalen Gruppierungen hingezogen fühlen, automatisch aus einem schwierigen sozialen Umfeld kommen, wie es lange vermutet wurde, stimmt nicht. Die Jugendlichen im Gefängnis seien zwar schon auch Schulabbrecher oder mit einer niedrigeren Schulbildung ausgestattet, aber insgesamt beobachtet Diaw auch Jugendliche, die höhere Schulen besuchen und zum Beispiel ein völlig intaktes Elternhaus haben - und trotzdem der magischen Anziehungskraft des Islamismus verfallen.

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Elternhaus kann
wenig ausrichten

Meistens sei eine Person in einer Gruppe über das Internet oder auch durch persönliche Kontakte zu bestimmten Personen mit radikalen Ideen in Verbindung gekommen. "Das wird dann in der Clique das, was spannend und aufregend ist - bis hin zu Plänen, auszureisen oder tatsächlicher Ausreise." Das Elternhaus kann da meist wenig ausrichten: "In dem Alter sind Peer Groups viel wichtiger als die Familie. Wenn die Eltern sagen: ‚Färbe Dir die Haare nicht grün‘, dann machen die Jugendlichen das ja genauso trotzdem." Diaw sieht die Schulen gefordert: Dort gebe es oft noch zu wenig Möglichkeiten, Präventionsarbeit in Form von Workshops zu leisten. "Wir werden meist erst angerufen, wenn schon ein Problem aufgetaucht ist."

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Schlagwörter

Terror, Radikalisierung, Justiz, Haft

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Dokument erstellt am 2017-01-24 17:32:05



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