• vom 12.02.2017, 09:11 Uhr

Politik


Ariel Muzicant

Mahner gegen rechts wird 65




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Von WZ Online, APA

  • Ehemaliger Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde und Immobilien-Unternehmer sah sich als "Flohzirkus"-Direktor seiner Gemeinde.

Wien. Ariel Muzicant hätte eigentlich anderes zu tun gehabt. Als unermüdlicher Mahner gegen rechts geriet der ehemalige Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien (IKG) nicht selten in die Schlagzeilen. Dabei hatte der Immobilien-Unternehmer noch einen "Flohzirkus" zusammenzuhalten, wie er einst seine jüdische Gemeinde liebevoll bezeichnete. Muzicant wird am Sonntag (12. Februar) 65 Jahre alt.

Es waren auch die Demonstrationen gegen den Ball des Wiener Korporationsringes, deren Stimme Muzicant mehr oder weniger gewollt geworden war. Nicht zum ersten Mal ergriff der mitunter sehr emotionale IKG-Präsident dabei das Wort. Er beobachtet das politische Geschehen noch immer genau, kommentiert aber längst nicht alles. Wenn doch, lässt er an Deutlichkeit nichts vermissen. Weder "Kellernazis", noch antisemitische Strömungen bei Muslime-Vertretern entgehen ihm. Untergriffige Attacken, wie etwa einst durch Jörg Haider, waren oft die Folge.

Ehrenamtlich in der IKG

Dabei hatte sich Muzicant ohnehin nicht gerade wenig Arbeit aufgehalst. Zusätzlich zu seinem Brotberuf arbeitete er 15 Stunden in der Woche ehrenamtlich für die IKG. Während seiner Amtszeit hat er es geschafft, orthodoxe wie liberale Mitglieder anzusprechen, weshalb seine Liste Atid (hebräisch: Zukunft, Anm.) bei den Vorstandswahlen regelmäßig die meisten Stimmen erhielt. Wie keiner seiner Vorgänger hat er die IKG politisch vertreten und ihr eine gewichtige Stimme verschafft. Etwa in der Diskussion um die Erhaltung jüdischer Friedhöfe. Ganz nebenbei hat er die IKG entschuldet.

Auch Regierungskritik äußerte Muzicant offen, vor allem wenn es um halbherzige Lösungen für seine Gemeinde ging. Engagement bewies er bei sozialen Themen wie Einwanderung, Asyl und Integration. Im interreligiösen Dialog reichten ihm oft schon kleine Zeichen. So lobte er es ausdrücklich, als der ehemalige Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der IKG das Holocaust-Mahnmal am Wiener Judenplatz besuchte. Für Muslime forderte er Freiheit für Religionsausübung, will mit diesen aber auch über Differenzen sprechen können.

Politische Angriffe von rechts

In Muzicants erste Amtszeit fielen die für die Gemeinde so wichtigen Entschädigungsverhandlungen mit dem Bund und den Bundesländern auf der einen und Opfer-Anwälten sowie den USA auf der anderen Seite. Muzicant trat dabei als harter Verhandler auf - was ihn aber auch zum Ziel politischer Angriffe machte wie jenem des Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider, der Muzicant mit dem damals heftig kritisierten "Ariel"-Sager über Wochen in die nationalen, aber auch internationalen Schlagzeilen brachte. 2012 trat er als IKG-Vorsitzender zurück und übergab an Oskar Deutsch.

Ariel Muzicant wurde am 12. Februar 1952 in Haifa (Israel) geboren, lebt aber seit 1956 in Wien. Er besuchte das Lycee Francais, das er 1970 abschloss. Danach studierte er an der Universität Wien Medizin und promovierte 1976 zum Dr. Med. Turnusarzt am Wilhelminenspital war Muzicant allerdings nur ein Jahr lang, denn nach dem plötzlichen Tod seines Vaters übernahm er 1977 die Leitung der Firma Columbus Immobilien in Wien.

1994 schloss sich Columbus der internationalen Colliers-Gruppe an. Colliers-Columbus betreut die Bereiche Einzelhandelsgeschäfte, Industrie-, Anlage- und Betriebsobjekte, Zinshäuser, Büros und den privaten Sektor und zählt heute zu den führenden Maklern Österreichs. Muzicant ist alleiniger Eigentümer und Geschäftsführer des Unternehmens.

Engagement seit der Jugend

Sein Engagement in der jüdischen Gemeinde Wiens begann schon in Muzicants Jugendjahren. Von 1970 bis 1976 gehörte er der Jüdischen Hochschülerschaft in Österreich an, zwischen 1971 und 1975 war er auch in deren Vorstand vertreten - in den Jahren 1973/74 sogar als deren Präsident. Von 1975 bis 1979 fungierte Muzicant als Präsident des Dachverbandes der jüdischen Jugend in Österreich. Seit 1976 war er in verschiedenen Kommissionen der IKG tätig.

1980 zeichnete er für die Gründung der jüdischen Schule verantwortlich, bis 1994 war er Präsident der jüdischen Schule in Österreich. 1981 wurde er Mitglied des IKG-Vorstandes sowie Vizepräsident der Kultusgemeinde. Am 21. April 1998 wurde Muzicant erstmals zum Präsidenten der IKG gekürt. Auch nach seinem Rücktritt engagierte sich Muzicant in der Kultusgemeinde weiter.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-02-11 15:26:03
Letzte nderung am 2017-02-11 15:33:11



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