• vom 10.04.2017, 16:32 Uhr

Politik


Causa Krages

"Getrübtes Verhältnis"




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Der abberufene Krages-Geschäftsführer soll laut SPÖ die Gesundheitspolitik "nicht wie erwartet" umgesetzt haben.

2014 lobten Krages-Geschäftsführer Schnedl (l.) und Soziallandesrat Darabos (r.) noch das hohe Qualitätsniveau in Burgenlands Spitälern. - © Bgld. Landesmedienservice

2014 lobten Krages-Geschäftsführer Schnedl (l.) und Soziallandesrat Darabos (r.) noch das hohe Qualitätsniveau in Burgenlands Spitälern. © Bgld. Landesmedienservice

Wien. (jm/apa) Seit Montag vergangener Woche herrscht Rätselraten über die Hintergründe der vorzeitigen Abberufung des Krages-Geschäftsführers (Burgenländische Krankenanstalten-Gesellschaft m.b.H.) Rene Schnedl. Weiters war der Leiter der Rechtsabteilung der Krages entlassen worden. Als Gründe hatte der zuständige Landesrat Norbert Darabos (SPÖ) bei der Sonderprüfung zutage getretene "Ungereimtheiten" angegeben. Eine Woche nach der Abberufung ist von Abweichungen bei der gesundheitspolitischen Ausrichtung die Rede.

Der Landesgeschäftsführer der SPÖ Burgenland, Christian Dax, berichtete von einem getrübten Verhältnis zwischen dem Land und Schnedl. Der vorzeitig abberufene Krages-Geschäftsführer habe die Vorstellungen im Gesundheitsbereich nicht wie erwartet umgesetzt, hieß es.

Werbung

Die Entlassung Schnedls sei "bedauernswert" und nicht angedacht gewesen. Der Abberufung sei die Prüfung der Krankenanstaltengesellschaft durch einen Wirtschaftsprüfer und eine Anwaltskanzlei vorausgegangen. "Es hat definitiv Unregelmäßigkeiten gegeben und die Prüfung war notwendig", so Dax. Man habe handeln müssen, um Schaden für die Krages und das Land abzuwenden. Ein Ausreden der Probleme sei von beiden Seiten nicht möglich gewesen. Es wäre vermessen zu sagen, dass alles perfekt gelaufen wäre, sagte Dax. Aber es sei noch zu früh, um etwas zur politischen Verantwortung zu sagen. "Norbert Darabos hat definitiv das Vertrauen des Landeshauptmannes und der Landespartei", so Dax. "Ich gehe nicht davon aus, dass es in diese Richtung Konsequenzen geben wird."

Schwindendes Vertrauen
Fakt sei, dass die Meinungen der Krages-Geschäftsführung und der politisch Zuständigen bei der gesundheitspolitischen Ausrichtung des Burgenlandes "meilenweit voneinander abgewichen sind", sagte Dax.

Schnedl sei für die Schließung der Abteilung für Hals-, Nasen-, und Ohrenkrankheiten sowie der Herzkatheter-Station im Krankenhaus Eisenstadt eingetreten. Weiters habe sich Schnedl "vehement" gegen den Ausbau der Intensivbetten in Eisenstadt gewehrt. Das Eisenstädter Spital gehört aber nicht zu den Krages-Anstalten. Laut Dax habe Schnedl beim Regionalen Strukturplan Gesundheit (RSG) die politischen Vorstellungen des Landes "nicht so eingebracht, wie man es von ihm erwartet hätte". Das Vertrauen in die Krankenanstalten-Geschäftsführung sei "nicht mehr allzu groß" gewesen. Dem sei auch vorangegangen, dass die zuständigen Organe, vor allem der Aufsichtsrat, nicht immer über alle Schritte der Geschäftsführung informiert waren. In Bezug auf den ebenfalls entlassenen Leiter der Rechtsabteilung der Krages meinte Dax, dass es ein Naheverhältnis zwischen ihm und Schnedl gegeben habe. In den Anstellungsverträgen sei der Jurist im Gegensatz zu den anderen Krages-Mitarbeitern teilweise begünstigt worden.

Ruf nach Rechnungshof
Für die ÖVP Burgenland hat die Causa Schnedl mit Befindlichkeiten der SPÖ zu tun. Laut Landesgeschäftsführer Christoph Wolf gehe es Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) darum, "Schnedl abzumontieren". Hintergrund sei, dass sich dieser geweigert habe, ohne Beschluss des Aufsichtsrates die Erhöhung der Gehälter für das Krages-Personal auszuzahlen. Weiters missfalle es Niessl laut ÖVP, dass der Neubau des Krankenhauses Oberwart die bisher kolportierten 150 Millionen Euro überschreiten werde. Der Landeshauptmann habe außerdem "per Weisung" verfügt, einen Prokuristen in der Kragers zu installieren. Dabei handle es sich "zufällig" um einen Mitarbeiter des Büros von Niessl, so Wolf.

Die ÖVP möchte in der Causa rund um Schnedl den Rechnungshof einschalten und im burgenländischen Landtag mit allen Oppositionsparteien Allianzen schmieden. Es sollen alle Kontrollinstrumente des Landtages genutzt werden.

Schnedl selbst hatte rechtliche Schritte gegen seine Entlassung angekündigt.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-10 16:39:05



Österreich hat gewählt

Hier finden Sie die Ergebnisse aus allen Bundesländern
Zu den Ergebnissen


Werbung



Wissenswertes zur Nationalratswahl 2017 in unserem Live-Blog. Zum Wahl-Blog


Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Der englische Blick auf die FPÖ
  2. "Kurz schlägt große Skepsis entgegen"
  3. Blaupause aus Brüssel
  4. Grün ist die Hoffnung
  5. Sondieren und Dementieren
Meistkommentiert
  1. Kern und Kurz schenkten sich (fast) nichts
  2. "Kurz schlägt große Skepsis entgegen"
  3. SPÖ stimmt für Gespräche mit ÖVP und FPÖ
  4. Das rot-grüne Bündnis
  5. Kern plädiert für vernünftigen Umgang


Werbung


Werbung