• vom 13.04.2017, 17:37 Uhr

Politik

Update: 13.04.2017, 17:53 Uhr

Religion

Die Zahl der Muslime wächst




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Von Marina Delcheva und Jan Michael Marchart

  • 700.000 Muslime leben laut einer aktuellen Schätzung in Österreich.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft weiß nicht, wie viele Muslime hierzulande leben.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft weiß nicht, wie viele Muslime hierzulande leben.© dpa/Daniel Naupold Die Islamische Glaubensgemeinschaft weiß nicht, wie viele Muslime hierzulande leben.© dpa/Daniel Naupold

Wien. Die Zahl der Muslime in Österreich nimmt weiter zu. Schätzungen des Integrationsfonds (ÖIF) gehen von 700.000 Personen in Österreich aus. Seit der letzten Volkszählung 2001, bei der die Religionszugehörigkeit erhoben wurde, hätte sich die Religionsgemeinschaft demnach fast verdoppelt. Die Fluchtkrise, durch die mehr als 100.000 Menschen (fast ausschließlich Muslime) nach Österreich kamen und die höheren Geburtenraten muslimischer Familien seien handfeste Faktoren für die Zunahme. Schlussendlich kann aber niemand genau sagen, wie viele Muslime tatsächlich in Österreich leben. Das hat seine Gründe.

700.000 Muslime sollen also in Österreich leben. Doch das ist eine bloße Schätzung. Es könnten auch deutlich mehr oder deutlich weniger sein. Der Staat zählt sie jedenfalls nicht: In Österreich wird Religionszugehörigkeit seit Jahren nicht mehr behördlich erhoben. Das letzte Mal tat dies die Statistik Austria bei der Volkszählung im Jahr 2001. Das ist auch die letzte, umfassende und genaueste Statistik, die es zu den Konfessionen in Österreich gibt. Damals zählte man übrigens 338.988 Muslime.


Katholische Mehrheit
Die Schätzung des ÖIF beruht auf eben dieser Statistik. Die Zahlen aus 2001 wurden hochgerechnet und dabei Faktoren wie die Fertilität und Migration, also Religionszusammensetzung im Herkunftsland, eingerechnet, erklärt eine Sprecherin auf Nachfrage. "Wir können die Konfession religionsrechtlich nicht genau erheben. Wie viele Muslime tatsächlich im Land leben, kann niemand genau sagen", erklärt Oliver Henhapel vom Kultusamt, das im Bundeskanzleramt angesiedelt ist. Einzig die katholische Kirche habe exakte Zahlen über alle ihre Mitglieder in Österreich. Von den insgesamt 8,8 Millionen lebenden Menschen in Österreichern sind demnach noch immer 5,16 Millionen katholisch. Das sind 59 Prozent. Die Muslime machen laut den ÖIF-Schätzungen rund acht Prozent der Österreicher aus.

Die anderen Glaubensgemeinschaften erheben diese Zahlen nicht so genau wie die katholische Kirche. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) kann keine genaue Zahl der Muslime in Österreich nennen. Die IGGiÖ selbst habe aber derzeit rund 500.000 Mitglieder, berichtete Präsident Ibrahim Olgun auf APA-Anfrage. Nicht dazu zählen die Aleviten in Österreich, die als eigene Religionsgemeinschaft anerkannt sind. Noch ein Beispiel: Ein orthodoxer Christ oder ein gläubiger Muslim können in die Kirche oder in die Moschee gehen, ohne Gemeindemitglied oder beim Moscheenverband gemeldet zu sein. Die Religionszugehörigkeit werde etwa bei Schülern oder beim Meldeamt erhoben. Bei Letzterem ist sie aber nicht überprüfbar und viele würde ihre Religion verschweigen.

Konservative Schätzung
Laut Henhapel gibt es zwei weitere Gründe für die Lücken bei der Erhebung der Religionszugehörigkeit. Die anderen Glaubensgemeinschaften sind nicht wie die katholische Kirche organisiert und führen folglich keine Mitgliederregister. Zweitens verschweigen vor allem Minderheiten oft ihre Religionszugehörigkeit. Dies könne man bei Juden beobachten, aufgrund der Erfahrungen des Nationalsozialismus. Oft verschweigen auch jesidische oder christliche Flüchtlinge ihre Religionszugehörigkeit, weil sie Übergriffe durch die mehrheitlich muslimischen Flüchtlinge in den Heimen hier fürchten.

Was die Zahlen des Integrationsfonds betrifft, glaubt Henhapel, dass sie konservativ geschätzt sind und vermutlich mehr Muslime in Österreich leben. "Aber auch das ist nur eine Schätzung aus den Informationen, die wir im Kultusamt zur Verfügung haben."




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-04-13 17:42:07
Letzte nderung am 2017-04-13 17:53:40



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