• vom 10.05.2017, 18:04 Uhr

Politik

Update: 11.05.2017, 08:36 Uhr

Rücktritt von Mitterlehner

"Ich finde, es ist genug"




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Von Simon Rosner

  • Reinhold Mitterlehner hat seinen Rücktritt verkündet - mit einem finalen Furor.

Rücktritt von allen Funktionen. Vizekanzler Mitterlehner, der "Mann des Ausgleichs", verlässt am Montag die Regierung.

Rücktritt von allen Funktionen. Vizekanzler Mitterlehner, der "Mann des Ausgleichs", verlässt am Montag die Regierung.© apa/Georg Hochmuth Rücktritt von allen Funktionen. Vizekanzler Mitterlehner, der "Mann des Ausgleichs", verlässt am Montag die Regierung.© apa/Georg Hochmuth

Wien. Vor dem Furor vor versammelter Presse; vor jenen fünf Worten, die von nun an wohl sehr lange in Verbindung mit dem Politiker Reinhold Mittlerlehner bleiben werden; vor seinem "Ich finde, es ist genug"; vor der Ankündigung also, alle politischen Ämter zurückzulegen, besuchte Reinhold Mitterlehner den Schönbrunner Tiergarten und eröffnete den neuen Giraffenpark.

Natürlich hat der Vizekanzler am Vormittag schon gewusst, dass er wenige Stunden später seinen Rücktritt erklären wird. Vielleicht sollte dieser kleine Auftritt aber auch noch einmal sein Verständnis von Politik illustrieren, worauf am Nachmittag auch zahlreiche Weggefährten und Parteikollegen in ihren politischen Nachrufen hinwiesen. Mitterlehner, so war unter anderem zu lesen, habe immer die Sachpolitik in den Vordergrund gestellt, sei lösungsorientiert gewesen, verlässlich und ein Mann mit Handschlagsqualitäten.

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In seinem wortreichen Abschied in der ÖVP-Zentrale erklärte Mittlerlehner auch selbst, warum er "trotz aller Querschüsse und Agitationen" in den vergangenen Monaten weitergemacht habe: "Mir ist es ein Anliegen, Inhalte zu vermitteln und Österreich in der Wettbewerbsfähigkeit nach vorne zu bringen", sagte Mitterlehner. Und weiter: "Irgendwer muss die Arbeit ja machen in diesem Land."

Zu dieser Arbeit gehört als Wirtschaftsminister eben auch der Tiergarten, dessen Eigentümervertreter Mitterlehner kraft seines Amtes ist. Mehr als fünf Millionen Euro hat der Umbau des Giraffengeheges dem Ministerium gekostet, logisch also, dass der Ressortchef zur Eröffnung kommt und ein paar Worte sagt. In diesem Fall: "Das neue Angebot macht den Tiergarten noch attraktiver und stärkt damit auch die Tourismusmarke Österreich." Ein klassischer Ministersatz, in Variationen vermutlich tausendfach gesagt oder in Aussendungen geschrieben. Doch auch das ist eben Politik. In diesem Fall für den Tiergarten, für den Tourismus und natürlich auch, im konkreten Fall, für Kimbar, Rita und Carla, die Schönbrunner Giraffen. Sie haben nun dreimal soviel Platz wie früher.

Auch die Lebensqualität von Reinhold Mitterlehner wird in den kommenden Wochen, soweit darf man wohl spekulieren, deutlich zunehmen. Als er am Mittwoch, kurz nach halb eins, vor die Presse in der Lichtenfelsstraße neben dem Wiener Rathaus trat, schien für Momente zwar die Stimme des Vizekanzlers zu brechen, und auch die wehklagende Einleitung über die Anmoderation von ORF-Anchor Armin Wolf in der "ZiB 2" tags zuvor ("Die Totengräber warten schon"), rückten Enttäuschung und persönliche Beleidigung in den Mittelpunkt - aber nur kurz.

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Dokument erstellt am 2017-05-10 18:09:05
Letzte nderung am 2017-05-11 08:36:38



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